1999 AEROBICS GYMNASTICS
WORLD  CHAMPIONSHIPS

06. Juni 1999, Hannover Congress Center 
FINAL DAY
Individual Men, Mixed Pairs,Individual Women, Trios  
 
Aus Hannover berichten Sonja Schmeißer und Gritt Ockert

WM-Resümee / First balance:
Es war eine hervorragendes Sport-Spektakel!


Zacharias
Vice President of FIG

"Ich habe damals, als wir das erste Mal hier zusammengesessen haben, nicht gedacht, dass wir insgesamt über 7.000 Zuschauer in die Halle bekommen.
Allein beim heutigen Finale waren über 3.000 Leute da. Und es war auch ein erstklassiges Finale mit ausgezeichneten Leistungen!
Das OK bedankt sich bei den Aktiven dafür.
Abschließend möchte ich sagen:
Ich bin heute abend richtig glücklich!"


Hans-Jürgen Zacharias, Präsident des Organisationskomitees

FINAL Individual Men
Finalergebnisse

Rank

Name

Nation Points

Park, Kwang-Soo KOR 17,750
Florid, Olivier FRA 17,650
Johannsson, Birgir ISL 16,750
4 Ikin, Anthony AUS 16,500
5 Nomura, Ken-ichiro JPN 16,350
6 Franzen, Claudio BRA 15,150
7 Garcia, Octavio ESP 14,800
8 Kolev, Marian BUL 14,150
9 Medeiros da Silva, Adalberto GER 13,550

Kommentar:  Das Finale der "Zorros"

Es war ein "Zorro-Finale" - drei der neun Männer widmeten ihren Vortrag diesem Thema. Am erfolgreichsten dabei war Olivier Florid aus Frankreich, der sich dem favorisierten und sichtlich aufgeregten Koreaner Park, Kwang-Soo   nur knapp geschlagen geben musste. Damit ist der Koreaner nach 1997 wieder Weltmeister; der spanische Titelverteidiger Jonathan Canada konnte wegen Verletzung nicht am Start sein.
Noch ein "Zorro" bekam eine Medaille - Birgir Johannsson aus Island, der eine ziemlich gelungene Kombination aus Kraft und Show verkörpert. Der einstige Triathlet kämpfte tapfer gegen die imaginären Mächte und bekam den meisten Beifall der Männerkonkurrenz.
Obwohl der Australier Anthony Ikin ganz knapp eine Medaille verpaßte, zählte die Übung des langgewachsenen jungen Mannes sicherlich zu den originellsten Vorträgen überhaupt. Er ist zweifellos der eleganteste Tänzer der gesamten Konkurrenz. "Zorro" Franzen aus Brasilien (5. Platz) zählt auch zu denen, die ihre Vorträge tanzen - das ganze Gegenteil davon verkörpert der Japaner Nomura, ein wahres Kraftpaket.
Alberto Medeiros da Silva aus Deutschland wurde im Feld der Finalisten zwar nur Neunter und Letzter, gab aber eine sehr respektable und vom Publikum im ausverkauften Kuppelsaal sehr gefeierte Vorstellung.

 

Titelverteidiger:
Jonathan Canada, ESP
(1999 verletzt)

Weltmeister 1999:
Kwang-Soo Park, KOR


Weltmeister Park, Olivier Florid, Birgir Johannsson
 

Dank an das Local Sponsoring

Wolfram Wehr,
Organisationsleiter der WM, zeigte sich sehr zufrieden mit dem Verlauf der Gesamtveranstaltung. "Das ist auch ein Verdienst unserer beiden lokalen Sponsoren Lotto Toto und Evian - ohne deren Unterstützung hätten wir das alles nicht so professionell über die Bühne bringen können."

FINAL Mixed Pairs:
Finalergebnisse

Rank

Name

Nation points

Soloviova/Oskner RUS 16,800
Choi/Song KOR 15,650
Muller/Brecard FRA II 15,400
4 Filip/Moldovan ROM 15,350
5 Coleone Sasaki/Marques BRA 14,100
6 Rojas Munoz/De Marco Camillo VEN 14,050
7 Hadjieva/Pipkov BUL 13,400
8 Luiso/Fillon ARG 12,300
9 Steidle/Uttendorfer GER 2 11,750


Die drei weltbesten Mixed-Pairs 1999
Mit "Carmen" zum Sieg

Sie kamen, tanzten und siegten:
Die Titelverteidiger Tatjana Soloviova und Wladislaw Oskner, die im Unterschied zur gesamten Konkurrenz ein  einziges Thema auch musikalisch durchhielten: Carmen. Das war so ungewöhnlich wie ihr Stil: Sehr elegant, synchron und dennoch dynamisch kraftvoll bewegten sie sich über die Bühne.
Es schien eher Tanz, Ballett zu sein als Aerobic, da wenige der klassischen Aerobic-Elemente enthalten waren. Wie auch immer: Eine faszinierende Vorstellung. Tatjana: "Wir waren uns nicht sicher, ob wir gewinnen, denn wir hatten uns für eine klassische Musik entschieden. Und es war nicht sicher ob sie ankommt."

Die Vizeweltmeister Choi/Song aus Korea harmonierten in einer ausgesprochen spritzigen Vorstellung, wurden mit reichlich Beifall bedacht. Trotz eines beachtlichen Patzers am Schluß ihrer Übung gab es Platz 3 für die Mitfavoriten Rachel Muller und Stephan Brecard aus Frankreich; wobei die beiden expressiven Athleten immer für eine tolle Show gut sind und verständlicherweise doch ein bisschen traurig über die verpatzte Chance waren, noch weiter vorn zu landen.

Drei südamerikanische Paare brachten Stimmung und südliches Flair in das Finale, und sie waren alle Weltklasse. Ihre tänzerischen, temperamentvollen Vorträge stehen nicht nur hoch in der Publikumsgunst; sie sind auch für die weitere Entwicklung der Aerobic eine unentbehrliche Komponente.




Titelverteidiger:

VLADISLAV OSKNER
TATIANA SOLOVIOVA
(RUS)



Weltmeister 1999




 

FIG-Präsident Bruno Grandi:

"Ich bin sehr zufrieden und glücklich über diese 5. Weltmeisterschaften. Im Vergleich zum letzten Jahr in Catania war dies eine hervorragende Veranstaltung. Ich glaube, wir sind auf dem richtigen Weg. Denn Sport soll ein Fest sein, Sport soll freude sein und nicht nur Knochenarbeit. Das konnten wir hier erleben.
Ich glaube, wir haben eine gute Mischung aus sport und Show gefunden, und ich hoffe, daß wir auch in Zukunft ein so tolles Sport-Spektakel wie in Hannover  erleben können."

FINAL Individual Women
Finalergebnisse

Rang Name Nation points

Ito, Yuriko JPN 15,800
Lacatus, Isabela Daniela ROM 15,300
Tierney, Patsy AUS 14,700

4

Lecis, Giovanna ITA 14,500
5 Secati, Isamara BRA 14,400
6 Soulie, Christelle FRA 14,350
7 Guseva, Larissa RUS 13,600
8 Cloutier, Jeanie CAN 13,350
Titelverteidigerin:
YURIKO ITO (JPN)

"Ich habe mein Bestes gegeben und hart trainiert für den Titel. Ganz sicher war ich nicht zu gewinnen, darum bin ich sehr froh darüber."

Favoritin holte wieder Gold  
Sie verteidigte ihren Titel erfolgreich, aber nicht unbedingt spektakulär: Die Japanerin Yuriko Ito, spritzig, ohne Fehler, mit guter Technik. Den meisten Beifall bekam die Drittplazierte, Patsy Tierney, vor allem weil sie so natürlich, enorm schnell, flott und locker über's Parkett turnt. Ihr steht der Spaß an ihrem Sport ins Gesicht geschrieben, und das mag das Publikum. die selbstbewusste blonde Dame weiß übrigens schon aus Berufsgründen, was ankommt beim Zuschauer - sie ist Fernsehansagerin in Australien.

Isamara Secati, die kleine blonde Brasilianerin, präsentiert in rosa-rot, fast wie ein kleines naives Mädchen, spielerisch und leicht ihre Übung  (während sie in der Qualifikation deutliche Konkureentin für Yuriko Ito zu sein schien, landete sie heute nur auf Platz 4)  - während die Rumänin Lacatus, eine einst erfolgreiche Kunstturnerin einen anderen, jedoch auch originellen Stil pflegt.
Janka Daubner
verzichtete auf ihren Start, um sich mit ihrem lädierten Knie für den Trio-Auftritt zu schonen. Hätte, wenn und Aber zählt gerade im Sport nicht - aber die sonst leistungsstarke Hallenserin wurde mit ihrer eigenen Art im Teilnehmerfeld vermisst, und hätte eben doch gut in dieses Finale gepaßt...

FINAL Trios
Finalergebnisse

Rank

Name

Nation Points

Martins/Nogueira/Vitorio BRA 16,250
Alcan/Julien/Salvan FRA 16,250
Moldovan/Nicolai/Mois ROM 2 15,700
4 Katus/Katus/Szentgyorgyi HUN 15,650
5 Chang/Koo/Lee KOR 15,300
6 Dotzeva/Kovatcheva/Lazarova BUL 2 14,747
7 Afus/Gainoulline/Kozyrev RUS 13,800
8 Holmgren/Nilsson/Wickmann SWE 2 13,329
9 Bösa/Daubner/Schlüter GER 2 13,23

* Trio-Krimi mit Spitzfindigkeiten

Das war schon eine Überraschung: Die Top-Favoriten der gesamten Veranstaltung, das ungarische Trio, gewinnt keine Medaille! Sie beendeten mit ihrem Auftritt die WM, boten eine geschlossene Geschichte, durchgestylt und mit Finesse dargeboten - aber sie waren vielleicht doch nicht ganz so brillant wie beispielsweise die Franzosen. Die ersten vier Trios sind ohnehin so dicht beieinander, dass eine Differenzierung der Leistungen offensichtlich auch den Kampfgerichten schwer fällt. 
Brasilien und Frankreich kamen punktgleich - eigentlich - auf Platz 1, aber das spitzfindige Reglement lässt keine Doppelplatzierungen zu. Also entschied der Technikwert über Gold oder Silber. Wem immer man damit auch dienen will: Was wäre so schrecklich gewesen, zwei Weltmeister zu feiern? Die Franzosen wurden einmal mehr vom Beifall wahrlich aus der Halle getragen, sie sind in der Form ihres Lebens. Die Brasilianer mit ihrer bewegungsreichen und originellen Aerobic-Auffassung erhielten Beifall auf offener Szene für ihre spektakulären Hebefiguren und sind zweifellos würdige Weltmeister. 
Ein wenig enttäuscht waren die blondgefärbten Koreaner, die mit ihrer Weihnachtsgeschichte nur auf Rang 5 landeten. Die Frauen spielten in dieser Kategorie wiederum eine eher untergeordnete Rolle; die Besten waren die Bulgarinnen auf Rang 6.

Versöhnlicher Abschluss mit Kaktus:
Originelles Geschenk vom Delegationsleiter für das tolle deutsche Trio
Die gehandicapte Janka Daubner (GER) tat gut daran, sich ihre Kräfte für das Trio aufzusparen und damit zu einer souveränen, spritzigen Vorstellung beizutragen, die von den 3.000 Zuschauern begeistert gefeiert wurde.
Sehr schade für das deutsche Trio, dass sie mit ihrem witzigen "kleinen grünen Kaktus" nur auf Rang 9 kamen - mit sechs Hundertsteln (!!) Abstand zu den Schwedinnen. Worin bitte machen sich 0,006 Punkte in der Aerobic fest?  Siehe oben - diese noch junge und sehr sympathische Sportart muss auch schon aufpassen, sich ihren Positiv-Bonus in der Öffentlichkeit nicht durch starre Reglementierungen und Undurchschaubarkeit der Bewertungen selbst zu zerstören.

> MEDAILLENSPIEGEL / MEDALS SHEET

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 GYMmedia-Infoservice, 06-06-1999