Ist der deutsche Turnsport noch zu retten...?
24-Mar-2005

FÖRDERKONZEPT SOLL LEISTUNGSABSCHWUNG STOPPEN

- Frank Thomas, dpa

 
  "Das Negative überwiegt leider..."
Der Abschwung der Leichtathletik ist eklatant, doch auch die Turner, Segler und Ringer gehören nach ihren medaillenlosen Auftritten bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen zu den großen Verlierern im neuen Förderkonzept des Deutschen Sportbundes (DSB). «Das Negative überwiegt leider, es gibt mehr Rück- als Höherstufungen. Aber das ist nach den insgesamt nicht befriedigenden Ergebnissen in Athen kein Wunder», betont Jörg Ziegler, der Geschäftsführer im Bereich Leistungssport (BL) des DSB, und bringt damit die aktuelle Situation der Sommersportarten auf den Punkt.


Ulrich Feldhoff

Die Veränderungen im Stützpunktsystem, die Reduzierung der Bundesstützpunkte und die Schaffung neuer Nachwuchszentren waren laut BL-Chef Ulrich Feldhoff bereits vor Athen überfällig. «Das ist unsere einzige Chance. Wir brauchen intelligente Lösungen. Diese versuchen wir mit der Bereitstellung von Projekt-Geldern für die einzelnen Sportarten zu finden», verkündete Feldhoff das endgültige Ende des Gießkannen-Prinzips.
Nicht Gesundheits- sondern Leistungsnachweis...
Feldhoff ist sich sicher, dass der deutsche Sport 2008 in Peking in mehreren Sportarten nicht mehr in voller Mannschaftsstärke antreten kann. «Die Lehre von Athen ist, dass wir die Qualifikations- Kriterien verschärfen und konsequent umsetzen. Nicht der Gesundheitsnachweis, sonders der Leistungs-Nachweis wird künftig entscheidend sein», erklärte der DSB-Vize und spielte damit auf die vielen verletzungsbedingten Ausfälle unter den Leichtathleten in Athen an.

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV), der nach dem Debakel von Athen mit acht seiner 13 Disziplin-Gruppen in die unterste Förderkategorie abgesackt und in der Gruppe 1 überhaupt nicht mehr vertreten ist, muss künftig mit einem Etat von 3,4 Millionen Euro und damit 600 000 Euro weniger als im Vorjahr auskommen. Sechs Trainer wurden daher vor die Tür gesetzt, nur noch 25 Vollzeit-Coaches stehen in Lohn und Brot. Zudem wurden die Nominierungskriterien verschärft, selbst erfolgreiche Routiniers wie der fünffache Diskus-Weltmeister Lars Riedel fielen aus der Optimalförderung. Dem A-Kader gehören nur noch 16 statt bisher 66 Athleten an.

Die Schwimmer müssen seit dem 1. Januar mit jährlich 120 000 Euro weniger auskommen. Die Konzentration liegt künftig auf dem neu gegründeten «Top Team», dem nur noch 13 Schwimmer angehören. Auch bei anderen Sorgenkindern wie Seglern (Abstieg von Gruppe 2 in 3) und Ringern (von 3 in 4) fordert der DSB intensive strukturelle und personelle Veränderungen.

Projektförderung soll für Aufwind bei Turnern sorgen
Heftige Proteste gab es von Seiten der Turner, die trotz des Erreichens des Team-Endkampfes und dem Finaleinzug von Fabian Hambüchen von Gruppe 3 in Kategorie 4 abgestuft wurden. «Dass die Betroffenen jammern über Streichungen, ist ja nicht neu», meinte dazu Feldhoff. 
Ziegler aber hofft, dass gerade bei den Turnern die zielgerichtete Projektförderung in Richtung WM 2007 in Stuttgart für einen weiteren Aufschwung auch mit geringer werdenden Mitteln sorgen könnte. Allerdings werden die Projektmittel jährlich neu vergeben und setzen gewisse Vorleistungen voraus.

Weniger Probleme haben die Erfolgsgaranten des deutschen Sports wie Kanuten, Ruderer, Reiter oder Radsportler, die in etwa mit der gleichen finanziellen Unterstützung wie im zurückliegenden Olympia- Zyklus rechnen dürfen. «Die Nummer 1 zu bleiben ist oft schwieriger, als sich aus einem leichten Minus nach oben zu arbeiten», würdigte Feldhoff die Medaillen-Stabilität vor allem in den Wassersportarten. Aufsteiger in die höchste Förder-Gruppe sind die Schützen (Pistole von 3 in 2, Gewehr von 2 in 1), Judoka (Männer von 4 in 2, Frauen von 2 in 1) und Boxer (von 3 in 2) sowie die Hockey-Damen (von 2 in 1) und Wasserballer (von 3 in 1), die mehr Geld im Budget haben werden.
Quelle: sports.yahoo; Zwischentitel gymmedia
 
 
 

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