BILANZ, Juniors  
  Zu Deutschlands Junioren-Erfolgen in Ljubljana
- von Jens Milbradt, verantwortlicher Junioren-Trainer,
- aufgeschrieben von E. Herholz


Jens Milbradt

Der Stärken bewusst...

"Zunächst einmal waren wir uns schon bei Anreise wohl unserer Stärken bewusst - immer eingedenk des besonderen JEM-Modus', der ja von jedem Land "nur" je drei Übungen pro Gerät verlangt.
Schließlich hatten wir mit Waldemar Eichorn einen überaus erfahrenen Turner mit dabei, der bereits seine dritten Europameisterschaften im Juniorenbereich machte, schon 2000 den Barrentitel holte und auch in Patras 2002 Medaillen gewann.
Auch Fabian Hambüchen war ja nun auch kein 'heuriger Hase' mehr, wie vor zwei Jahren noch, als er als 14-Jähriger kam und schon siegte... und inzwischen jüngster Deutscher Meister und deutscher WM-Teilnehmer der Geschichte wurde und so sich sogar schon international mehr als namhaft gemacht hatte!



Fabian Hambüchen, Waldemar Eichorn,           Thomas Taranu                          Philipp Boy                      Brian Gladow


Auch der Cottbuser Philipp Boy gehört schon zu den Erfahrenen, mit einer Menge Länderkämpfe und Turniere. Dazu kamen mit Brian Gladow und Thomas Taranu junge Turner, die sich bemerkenswert steigerten und so ein Mannschaftsgefüge ergaben, das bereits beim Podiumsdurchgang für erhebliche Aufmerksamkeit in der Fachwelt sorgte.

... doch nicht ohne Sorgen
Und trotzdem muss ich sagen, sah das wenige Monate, ja Wochen zuvor gar nicht so gut aus: Da hatte Philipp Boy seinen schweren, komplizierten Beinbruch Anfang Dezember in Canbarra auch mental, also psychisch wegzustecken  - wie er das schaffte und sich wieder in kürzester Zeit ins Team turnte - das nötigt mir meine größte Hochachtung ab!
Oder - wie Fabian Hambüchen seine Schulterverletzung überwandt, die er sich ja erst 4 Wochen zuvor bei der zweiten JEM-Qualifikation in Kienbaum zuzog, ist aller Ehren wert. Ebenso war Waldemar Eichorns Training lange Zeit und wesentlich beeinträchtigt durch seine Rückenprobleme und auch Thomas Taranu musste ähnliche Sorgen im Kniebereich kurzfristig überwinden.
Dies alles merkt ja die Öffentlichkeit kaum, die meist immer erst dann reagiert, wenn der Erfolg da ist.

Teamwork
So muss ich an dieser Stelle dem ganzen JEM- und EM-Team vor Ort danken, dem Physiotherapeuten Tobias Billert, Mannschaftsarzt Dr. Hans.Peter Boschert und auch dem Physiotherapeuten der Männermannschaft, Martin Ullrich, der sich zusätzlich und privat noch besonders um Philipp Boy mühte...!

Der Erfolg hat wahrlich viele Väter...

Als verantwortlicher Juniorentrainer weiß ich aber genau, dass in erster Linie ein solcher Erfolg wahrlich viele Väter hat:
Das sind vor allem die Heimtrainer, wie Vater und Coach Wolfgang Hambüchen, der mit vor Ort war, Horst Werner aus Cottbus (Boy),
Viktor Schweizer
aus Dillingen (Eichorn) und Anatoli Jarmowski aus Stuttgart (Taranu).
Letztere haben es sich nicht nehmen lassen, selbst persönlich und privat in Ljubljana dabei zu sein, als ihre Schützlinge "durchs Feuer" mussten.
Ich möchte ebenso meinen Dank an meinen Vorgänger im Amt des Juniorenverantwortlichen richten. Andreas Hirsch hat in Fortsetzung der Arbeit von Rainer Hanschke in den neunziger Jahren mir einen Bereich übergeben, mit dem es sich wirklich arbeiten lässt.


Gold-Team:
Sohn und Vater Hambüchen

Ein Wort zur Konkurrenz:
Seit Patras gibt es im Nachwuchsbereich eine nahezu extreme Weiterentwicklung fast aller JEM-Teilnehmer, was die Inhalte, also die Ausgangswerte und deren technische Präsentation betrifft!
Wir konnten an einigen Stellen, wie Barren und Reck, ganz gut mithalten, müssen jedoch am Pferd und an den Ringen auch unsere Schwachstellen erkennen.
Am Pauschenpferd sind es z.T. eklatante inhaltlich-technische Rückstände, die ich aber zumindest mittelfristig als für behebbar halte.
An den Ringen sind es vor allem körperliche Rückstände unserer z.T. ziemlich retardierten Turner, gegenüber den schon wesentlich männlicheren Konkurrenten aus Russland, die hier das kompakteste Team stellten. Sicher werden die sehr rasch den Sprung russische Elitemannschaften vollziehen und bei momentaner Lage im russischen Männerturnen, auch müssen...!
Die Ukraine fiel hier mit einer der jüngsten Mannschaften auf, die aber mit der Bronzemedaille nachwies, dass sie so eine Art "Zukunfts-Team" ist, mit dem man ab sofort zu rechnen hat.
Die Ambitionen des Schweizer Nachwuchses waren schon vorher hinlänglich bekannt - leider kamen sie nicht über den 5. Platz hinaus und errangen auch wider Erwarten keine Einzelmedaille. Das spricht aber nicht gegen die enormen Entwicklungen, die der Nachwuchs dort in letzter Zeit gemacht hat.

Was uns betrifft:
Nun bleibt uns allen nur noch übrig, daraus in Zukunft das Beste zu machen!"
Jens Milbradt,
- verantwortlicher Juniorentrainer des DTB
(und Heimtrainer des Berliners Brian Gladow)

>> Lesen Sie zur Situation im deutschen Männerturnen einen Kommentar von Eckhard Herholz
        >> "Ist das Tal der Tränen bereits durchschritten?
.. sowie von Paul Rupp (Saarbrücken): "Licht und Schatten"