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Bruno Grandi
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Liebe
Freunde,
in der kommenden Ausgabe unseres FIG-Magazins "World of
Gymnastics", das Ende Mai erscheinen wird, möchte ich
Sie zu einer Reise zurück zu den letzten Olympischen Spielen in
Athen einladen. Es sollen die Wettbewerbe analysiert werden, die
unseren Sport in Misskredit gebracht und auf schwerwiegende
Mängel unseres Bewertungssystems aufmerksam gemacht hatten. Es
war der 18. August, als die FIG eine ihrer schwärzesten Stunden
ihrer Geschichte erleben musste. Aber allen Teilnehmern des
FIG-Kongresses in Antalya gegenüber habe ich erklärt, das das
Turnen sich nach Athen nicht aufgeben wird. Im Gegenteil!
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In
einer Situation der Krise und Selbstzweifel wird das Turnen Kraft zur
Auferstehung und zur Vorwärtsentwicklung haben und entsprechend nötige
Maßnahmen entwickeln. Die Verantwortung, die ich im Auftrage des
Kongresses, der Exekutiv-Kommission und des ganzen Exekutiv-Komitees,
übernommen habe, war stets nötig und dringend, wenn auch oft unpopulär
und manchmal schmerzhaft. Ich bin mir dessen bewusst und verstehe das.
Aber was Sie versuchen müssen zu verstehen, liebe Freunde, dass ich
Anstrengungen unternehmen muss, das Turnen von einem gefährlichen
Endpunkt wegzusteuern, der nur einer Handvoll wenig weitsichtiger
Individuen mit nostalgischen Ambitionen einer vergangenen Ära
Befriedigung bringen würde.
In einigen Tagen wird ein außerordentliches Symposium in
Budapest, das
sich vornehmlich solchen Problemen widmet, stattfinden. Dort werde ich
mich mit den besten unserer Spezialisten treffen, deren Fachwissen ich
vertraue, um ihre Erfahrung und Klugheit in die Entscheidungsfindung
einzubeziehen.
Ich bin zuversichtlich, der Turnsport hat seriösen Charakter und wir
benötigen ebensolche seriösen Personen, um ihn zu bewahren.
Ende Mai wird sich in
Helsinki das FIG-Parlament, das "Council" treffen.
Dort werden weitere Entscheidungen zu treffen sein, Entscheidungen, die
die Zukunft unseres Sports betreffen. Das Wertungssystem, die
Altersproblematik, ein abgestimmter Kalender, Ausbildung, Erziehung und
Sicherheit der Sportler und Sponsoring gehören dabei zu den
vordringlichsten Fragen, die die Delegierten dort zu behandeln haben.
Die Aufgabe ist kompliziert, aber das ist der Aufwand, der für den Erfolg
nötig ist.
Der Turnsport hat sich gewandelt, meine Damen und Herren!
Wir müssen uns in Übereinstimmung mit unserem Sport vorwärts
entwickeln! Aber, und ich muss das betonen, unter ständiger Bewahrung der
Gesundheit unserer Athleten, der sportlichen Gerechtigkeit und des
wirtschaftlichen Erfolges unserer Disziplinen. Mit anderen Worten, für
mich stehen die Athleten im Mittelpunkt, ohne die unser Weltverband nicht
existieren würde. Erst dann folgt die rechtliche Seite, weil Turnen
schließlich in den Turnhallen und nicht im Gerichtssaal betrieben wird.
Schließlich der wirtschaftliche Erfolg ist unerlässlich für eine Show,
ohne den wir keine Mittel, keine Möglichkeiten für Weiterentwicklung
hätten.
Ist das die "Quadratur des Kreises?
Sicherlich nicht, denn es gibt Lösungen dafür und mit Unterstützung
Vieler werden wir erfolgreich sein.
Die Anforderung ist zugleich beides: Eine Kreuzung und ein Meilenstein in
der Geschichte der F.I.G.,
zugleich eine Aufforderung mitzugehen in Richtung 2006, das Jahr des
125-jährigen Bestehens des Turn-Weltverbandes und eines neuen
Bewertungssystems für das Kunstturnen.
Mit meinen besten Grüßen,
Bruno Grandi
Präsident des Internationalen Turnerbundes (F.I.G.)
Übersetzung
ins Deutsche: E. Herholz
Hervorhebungen, Foto: GYMmedia |
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Lesen Sie dazu auch: Brief
des Olympiasiegers Rustam Scharipow (UKR) u.a. Unterzeichner an
Grandi
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