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update:13-Mar-2001

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Simplizität des Geldes

- In Berlin stellen Sponsoren und Sport-Prominenz 
Kandidaten für eine umstrittene Ehrung vor -

( - von Jens Weinreich)

Berlin.  Einer titanischen Aufgabe hat sich eine Hamburger Wochenzeitung verschrieben. Den "Kampf gegen die Dummheit" propagiert "Die Zeit" als markigen Werbespot auf Radio-Spartenkanälen. "Der Kampf gegen die Dummheit hat gerade erst begonnen", heißt es da. In einer hyperventilierenden Gesellschaft wie der deutschen ist dies zweifellos die richtige Botschaft. Wenngleich man davon ausgehen darf, dass der Kampf gegen die Dummheit in vielen Bereichen so aussichtslos sein muss wie Don Quichottes Auseinandersetzung mit Windmühlenflügeln: Beispielsweise im Showgeschäft Sport, das traditionell nicht die hohen Ansprüche des Bildungsbürgertums erfüllt.
Eine der jüngsten Erscheinungen ist der so genannte Laureus Award, eine Preisverleihung, deren Dramaturgie von der Oscar-Präsentation abgekupfert wurde. Was den Kinohelden der Oscar und den Popstars der Grammy ist, soll den Sportstars bald der Laureus sein. Eine Reihe ehemaliger Sportgrößen bilden eine Art Rat der Weisen, bestimmen in einer Vorauswahl in verschiedenen Kategorien fünf Athleten und Teams, die dann auf einer pompösen Show in Monte Carlo zu Weltsportlern erklärt werden. So einfach ist das, wenn man das nötige Kleingeld hat. Zu den Erfindern der Hollywood-Kopie zählen Luxusgüterhersteller wie Mercedes-Benz und Cartier.


Hotel Adlon Berlin: Bach am Rednerpult

Am Dienstag gab in Berlin im Rahmen der Vorauswahl im Hotel Adlon die Deutsche Bank ihr Engagement bekannt. Ein passendes Unternehmen, in dem einige Milliarden Mark Peanuts sind.

Simple Botschaft

Die Botschaft des Laureus World Sports Awards ist simpel: Man muss nur ganz fest daran glauben, dann wird die Welt gut. Eine These, die etwas abgewandelt auch Nelson Mandela vorgetragen hat, vor einem Jahr in Monte Carlo als Ehrengast der ersten Laureus-Gala: "Der Sport hat die Kraft, die Welt zu verändern", sagte Mandela, die versammelten Stars und Sternchen haben artig applaudiert. Diesen Satz hat man in Berlin nun wieder per Video eingespielt, diesmal waren es die geladenen Claqueure, eine ganze Horde junger Banker, die sich die Hände wund klatschten. Auch einige Journalisten haben eifrig Beifall gezollt, wen wundert es, wenn man weiß, dass mindestens 18 Berichterstatter auf Kosten eines Sponsors eingeflogen wurden, wie Claudia Merzbach, Manager für Sportkommunikation bei Daimler Chrysler, bestätigte. So saßen also einige europaweit bekannte Nassauer in der Luxusabsteige und sorgen nun dafür, dass die Botschaft auch entlegenste Orte des Planeten erreicht.


Mitglieder der "World Sports Academy"

Die üblichen Verdächtigen trafen sich im Adlon. Johannes Baptist Kerner als Moderator; Edwin Moses und Boris Becker; natürlich auch Thomas Bach, der Deutsche auf dem Schoß von IOC-Präsident Samaranch, der immer zugegen ist, wenn Mercedes-Benz Gutes tut für die Athleten der Welt. Einige jener ehemaligen Sportler (Dawn Fraser, Mark Spitz), die in Berlin über die diesjährigen Laureus-Nominierungen berieten, haben vor kurzem in London eine andere "Wahl" zu den Weltsportlern des Jahres unterstützt. Angeblich soll es in London 50 000 Dollar Auflauf-Prämie gegeben haben, ein Gebaren, dass ein Altruist wie Boris Becker nicht unterstützt. "Man sollte nur einem Herrn dienen. Das passt nicht zu unserer Philosophie", wird Becker in der "Netzeitung" zitiert. Für ihn sei es dagegen "eine Ehre", sich in einem Projekt wie Laureus zu engagieren, gibt Becker kund. Da ist es sicher nur Zufall, dass einige seiner langjährigen Geschäftspartner zu den Laureus-Geldgebern zählten bzw. zählen.

 Die Deutsche Bank etwa und Mercedes-Benz. Schließlich betreibt der Tennis-Barde auch einige Autohäuser unter dem Stern. 
Daimler-Freund Thomas Bach, inzwischen aufgestiegen zum Vizepräsidenten des IOC, brachte die für Insider kaum überraschende Botschaft mit, dass sich Laureus und der Olympiakonzern IOC ernsthaft über eine Zusammenarbeit unterhalten. Möglicherweise prangen in einem Jahr schon die begehrten olympischen Ringe bei der Preisverleihung in Monte Carlo. Genau genommen braucht es dazu nur ein Selbstgespräch, da doch der Doktor Bach seit Jahren die Beziehungen des IOC zum Ausrüster DaimlerChrysler betreut, und er als Zeichen der "olympischen Solidarität" regelmäßig Kleinbusse in Ländern der dritten Welt übergibt.

Walther Tröger, auch IOC-Mitglied und NOK-Präsident, hat von einem Kontrakt zwischen IOC und Laureus noch nichts gehört. "Wenn Bach und DaimlerChrysler auftauchen, will ich mich sowieso nicht dazu äußern", sagt Tröger: "Es gibt eine Vielzahl von hochkommerzialisierten Preisen, ich stehe denen grundsätzlich skeptisch gegenüber." Tröger tut gut daran, im Sinne des Bildungsbürgertums: Denn wenn sich, wie bei Laureus, Simplizität mit so viel Geld paart, dann muss der Kampf gegen die Dummheit einfach verloren gehen. (Jens Weinreich / Berliner Zeitung vom 14.03.2001)
(Hervorhebungen, Bildunterschriften und Fotos: (C) GYMmedia Berlin)
(Siehe auch: Die Nominierten... )

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