update:
05-Jan-2003

SPORTAKROBATIK:

Cornelia Nieny: 20 Jahre Sportakrobatik

- Zum Rücktritt einer der erfolgreichste Sportakrobatinnen Deutschlands - 
(- von Werner Hassepaß)

  Eigentlich sollte sie kunstvoll ins Wasser springen...


Cornelia Nieny

Schon im Kindergarten wurde "Klein-Conny", wie es zu DDR-Zeiten üblich war, gesichtet und sie war eigentlich für das Wasserspringen vorgesehen.
Obwohl sie an der Ostsee geboren wurde und Wasser noch immer Lebensquelle ihrer Heimatstadt Rostock ist, so war ihr doch der rabiate Test, ohne richtig schwimmen zu können, aber trotzdem ins Wasser springen zu müssen, damals doch zu viel.
Da wechselte sie denn doch lieber mit ihren Begabungen zu den Turnerinnen. Drei Jahre turnte sie täglich im Trainingszentrum und qualifizierte sich für die Kinder- und Jugendsportschule in Rostock.
Eifrig trainierte Conny für das Kunstturnen und erreichte auch ansprechende Leistungen. Ab Klasse fünf wurde verlangt, ein neues Regime für die Schule und das Training einzuführen. Die Schulzeit sollte länger dauern als in einer normalen Schule, damit sie noch mehr trainieren konnte.
 

Schulzeitstreckung, hieß das - wäre heutzutage ein Traum für so manchen Sportler - aber damals war das nicht in Connys Sinn und so wechselte sie an eine normale Schule.

In der BSG Motor Warnowerft in Warnemünde besaß die Sportakrobatik eine große Tradition und war weit über die Grenzen hin bekannt. Alle zwei Jahre konnten die Warnemünder ein internationales Einladungsturnier durchführen. Westliche Sportakrobaten waren zu damaligen Zeiten jedoch nicht zugelassen. Dort fand Cornelia eine neue sportliche Heimat.
Mit den ausgezeichneten Grundlagen vom Turnen war sie bei den Sportakrobaten sehr willkommen.

So startete sie als Springerin zu Meisterschaften der DDR im Schülerbereich und war eine Zeitlang Oberpartnerin des Damenpaares mit Anja Ahrndt. Vier Jahre hielt dieses Duo zusammen und war Meister der DDR im Jugendbereich und in der Meisterklasse.
Schließlich aber wurde sie als Oberpartnerin zu groß und sie ging in ihr Anfangsmetier zurück. Sie zeigte Sprungreihen für die BSG Motor Warnemünde.
Nicht lange und es fand sich eine Oberpartnerin für sie, Katja Zielonkowskie. Mit ihr wurde sie auch die letzte Meisterin der DDR bei den Damenpaaren. Zuvor startete Conny auch international für die DDR. Drei Turniere waren für die Sportakrobaten maximal pro Jahr zugelassen, so startete sie z.B. auch beim renommierten  Wolkow-Turnier 1988 in Moskau. Nie wird sie ihren Preis vergessen: Ein großes Ess-Service!

Nach der Wende
1990 startete sie zu den ersten gemeinsamen deutschen Meisterschaften in Marburg.
Ein Jahr später stand sie mit Kati Jackwitz (jetzt Verheiratete Brenner) und mit Verena Sanftleben als Trio auf der Wettkampffläche und sie waren sofort Deutschlands Akro-Spitze. Erstmalig konnten sie als Sportakrobaten aus dem Osten Deutschlands an Welt- und Europameisterschaften teilnehmen.

Zweimal zur EM in Portugal
Im Jahr 1991 waren sie zu den Europameisterschaften in Lissabon und im gleichen Jahr kamen die Weltmeisterschaften in Rennes/Frankreich noch dazu. In Lissabon wurden sie Sechste und in Rennes Neunte.
Wie das nun mal in der Sportakrobatik so ist - ihre Oberpartnerin Verena wurde zu groß. Sie fand  zwar eine neue, aber auch das hielt nicht lange und so kam Conny mit Annika Luczak als Oberpartnerin und als Damenpaar zurück. Mit Annika turnte Conny bis 1999 zusammen und dachte schließlich im Jahr 2000 ans Aufhören.
Doch da bot sich unverhofft in Schwerin eine neue Chance. Beim VfL Schwerin mit der Trainerin Karola Mevius - bisher nur dem Turnen verschrieben - hatte der Verein die Sportakrobatik entdeckt und sie wurden immer erfolgreicher. Hier fand Conny eine exzellente Oberpartnerin mit Franziska Kruse. mit der sie Rang 6 in einem der EM-Finals 2001 in Faro belegte...

Das Paar Nieny/Kruse >> 
2001 zur EM in Faro/POR

Zu den Deutschen Meisterschaften 2000 in Wilhelmshaven... 

... überraschten sie mit gelungenen Übungen, gewannen zweimal Gold und verpassten den Mehrkampfsieg nur knapp durch einen Patzer in der Kombi-Übung.

Der Mehrkampf schien für dieses Damenpaar immer eine gewisse Hürde zu bedeuten. In Balance und Tempo aber errangen  sie große Erfolge - aber eben im Mehrkampf fehlte immer das Quentchen Glück. 

<< Deutsche Meisterschaften 2001


Auch zu ihren letzten Deutschen Meisterschaften 2002 im Mai in Böhlen bei Leipzig wurden sie zweimal Meisterin mit der Tempoübung und einer phantastischen Balanceübung - doch im Mehrkampf klappte es wieder nicht.

<< Siegerfoto mit Franziska Kruse zur DM 2002

So bereiteten sich die beiden systematisch auf die Weltmeisterschaften 2002 in Riesa vor. Alles lief gut und sie hofften auf ein gutes Ergebnis.
Nach einer Septembernacht schmerzte ihr plötzlich derart das Knie, dass die ärztliche Diagnose einen Start zu den Weltmeisterschaften nicht zuließ. Bei allem Ehrgeiz - hier hatten Vernunft und Gesundheit den Vorrang, auch wenn ihr diese WM als Karrierehöhepunkt und als Abschluss von Herzen zu gönnen gewesen wäre...

Und heute, nach ihrem Rücktritt...?

Cornelia Nieny hatte nach dem Abitur Bankkauffrau bei der Volksbank in Rostock gelernt, studierte vier Semester Betriebswirtschaftslehre und wechselte in den Sprachbereich Anglistik und Italienisch. Zur Zeit bewirbt sie sich um eine Stelle in Berlin.
Der Sportakrobatik bleibt sie zumindest als Bundeskampfrichterin erhalten und hat mit ihren zwei Jahrzehnten Spezialkenntnissen als Sportlerin und ihren exzellenten Sprachfähigkeiten erneut eine ausgezeichnete Perspektive.

Offizielle Verabschiedung Ende 2002 >>
zu den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften

Bericht/Fotos: Werner Hassepaß
Bearbeitung: E.Herholz

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