update: 25-Jan-02

Kiew / Ukraine

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> FIG press release)

Boris Schachlin, genannt "Der Eiserne"

- Eine Turnlegende wird am 27. Januar 70 Jahre alt -

Von Karl-Heinz Zschocke, FIG-Vize-Ehrenpräsident -

 

Von diesem Mann erzählt man sich wahrlich sagenhafte Geschichten!

Er galt als der Mann mit den eisernen Nerven. Ohne irgendwelche Dinge in der Halle oder rundum wahrzunehmen, sich dabei zu 110% auf die vor ihm liegende Übung zu konzentrieren, war eine nahezu legendäre Stärke von ihm!
In bester Erinnerung sind noch immer seine besonderen Konzentrationsphasen auf dem Podium - da konnte die Halle um ihn herum kochen - Boris Schachlin erreichte stets eine hohe Sicherheit im Vortrag seiner Übung, ermöglicht auch durch einen unbeugsamen Willen zum Erfolg, der ihn zu einem der weltbesten Turner machte!

  Boris Schachlin - wurde am 27. Januar 1932 in der sibirischen Stadt Ischim, nordwestlich von Omsk,  geboren
 

Seine turnerische Laufbahn begann bereits in seiner Heimatschule, auf deren Hof ein Reck aufgestellt war. 
"Mein erster großer Erfolg war die Beherrschung der Kippe an diesem Gerät", sagte er in Erinnerung an diese Zeit.
Später besuchte er eine Lehranstalt für Sport in Swerdlowsk, von wo er dann zum Studium an das Institut für Körperkultur und Sport nach Kiew wechselte.
Eine unvergleichliche Erfolgsbilanz
In die Nationalmannschaft der UdSSR wurde Boris Schachlin erstmals 1953 berufen. Sein weitere Aufschwung verlief sehr rasch und es folgten unzählige internationale Wettbewerbe. Insgesamt war er 13 Jahre lang Mitglied der weltberühmten sowjetischen Auswahlriege und erkämpfte sich 19 internationale Goldmedaillen (7 bei Olympischen Spielen, 6 bei Welt- und 6 bei Europameisterschaften)! 
Zudem holte er sechsmal bei den Landesmeistertitel die Mehrkampfkrone und war fünfmal Sieger beim UdSSR-Cup und 13facher sowjetischer Gerätemeister. International errang er insgesamt 37 internationale Medaillen. 

In der ewigen olympischen Turnrangliste steht er hinter Nikolai Andianow auf Rang zwei (6x Gold/ 3x Silber/2x Bronze) in der WM-Bilanz (1954 - 1966) ist er unter den Top Ten (6/6/2). Bei all diesen Wettkämpfen kam es zu vielen interessanten Begegnungen und auch Rivalitäten.
So z.B. auch bei den 1. Europameisterschaften im Jahre 1955 in Frankfurt/Main, als er Europameister im Mehrkampf wurde, mit dem Deutschen Helmut Bantz gemeinsam den 2. Platz an den Ringen belegte und mit ihm und Albert Asarjan Europameister am Barren wurde.
Unvergessen bleiben auch die harten Gefechte, die er sich zur WM 1962 in Prag mit dem Pauschenpferdkünstler Miroslav Cerar (YUG) an dessen Spezialgerät und am Barren lieferte...

Boris Schachlin... 

auf Briefmarken als mehr oder weniger gelungenes 
Bildmotiv, in jedem Falle aber Ausdruck der tiefen und weltweiten Verehrung dieses außergewöhnlichen Turnkünstlers.
...  der "Eiserne"
In vielen Turnhallen und unzähligen Turnstunden dieser Welt galten seine Charaktereigenschaften, sein Kampfgeist und seine Konzentrationsfähigkeit "auf den Punkt" als Maßstab in der Ausbildung von Turnergenerationen - Eigenschaften, die gerade heute wieder von höchster Bedeutung bei der Erziehung junger Athleten sind....!

Nach Beendigung seiner sportlichen Laufbahn und seines Studiums war er als Dozent am Kiewer Institut für Körperkultur und Sport tätig, wo er auch heute noch Vorlesungen hält.. Auch übernahm er eine Reihe von ehrenamtlichen Funktionen bis hin zum Präsidenten der Turnföderation der Ukraine. 

Seit über drei Jahrzehnten ist er als "brevetierter" Kampfrichter der FIG noch heute bei fast allen großen internationalen Wettkämpfen im Einsatz. Eine große Unterstützung erfuhr Boris durch seine Frau Larissa, selbst ehemalige Turnerin, die als Professorin und Doktor der Medizin am Kiewer Sportinstitut tätig ist. Beide haben eine Tochter und eine Enkelin.
Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass der Verfasser dieser Zeilen bereits vor 50 Jahren mit Boris Schachlin Bekanntschaft schließen konnte. Während meines Studiums in Moskau besuchte Boris damals einen Jugendfreund aus seiner Heimat, mit dem ich im Studentenheim auf einem Zimmer wohnte. Wir machten uns bekannt ohne zu wissen, dass sich aus dieser Bekanntschaft einmal eine lebenslange Freundschaft entwickeln würde.

In der Folgezeit trafen wir uns häufig bei Wettkämpfen und anderen Anlässen. Die gemeinsame Mitgliedschaft im Technischen Komitee Männer der FIG intensivierte dies noch mehr. Boris war von 1969 bis 1992 TKM-Mitglied und auch einige Jahre Vize-Präsident dieses Gremiums. In diesen 23 Jahren waren wir bei allen großen internationalen Wettkämpfen als Kampfrichter bzw. Mitglieder der Jury im Einsatz. Hinzu kommen unzählige Sitzungen des TK und alle FIG-Kongresse in dieser Zeit.

Schachlin als Kampfrichter >>
- über ihm fliegt Ditjatin


Schachlin mit Olympiasiegerin Larissa Klimenko-Petrik bei einem Deutschlandbesuch 2001
 in Ingelheim

Für mich war es immer sehr angenehm und beeindruckend, mit welch einer Hochachtung Boris Schachlin stes und überall in der Welt empfangen und verehrt wurde!
Dieser Mann mit den eisernen Nerven - Schachlin, der "Eiserne" - besitzt noch immer einen hohen Bekanntheitsgrad und wird weltweit nicht nur als ein Idol der Turnkunst, sondern auch als hervorragender, liebenswerter und freundlicher Mensch geschätzt.
Die entstandene Freundschaft zwischen uns möchte ich persönlich nicht missen!
Die Turnwelt und alle, die ihn kennen verneigt sich vor diesem Mann und gratuliert herzlich zum 70. Geburtstag.

Autor: Karl-Heinz Zschocke
Ehren-Vize-Präsident des Internationalen Turnerbundes F.I.G
langjähriger Präsident des Technischen Komitees Männer
 Berlin, im Januar 2002

Website: Eckhard Herholz
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