26-Sep-2001

Vor den 67. Deutschen Turnmeisterschaften der Männer

INTERVIEW mit Bundestrainer Rainer Hanschke
von Wolfgang Staiger (DTB-Pressesprecher)

 

Zur Person:
Rainer Hanschke ist seit 1996 Cheftrainer der Turner im Deutschen Turner-Bund.
Von 1991 an war der heute 49-Jährige verantwortlicher Trainer für den Nachwuchsbereich. Hanschke stand 1976 bei den Olympischen Spielen in Montreal in der "Bronze-Riege" der DDR-Mannschaft und belegte bei den Weltmeisterschaften 1974 in Warna den fünften Platz im Bodenfinale und mit der Mannschaft den dritten Rang.
W.St.:   In Dessau finden vom 28.-30.September die 67. Deutschen Turnmeisterschaften und die 2. und entscheidende WM-Qualifikation der Turner statt. Welche Turner werden sich in das WM-Team turnen?

R.H.:   Die größten Chancen haben sicherlich Sven Kwiatkovski (Chemnitz) und Thomas Andergassen (Stuttgart).
 In das Blickfeld haben sich aber auch Stephan Zapf (Haslach) und Robert Juckel (Cottbus) geturnt. Noch nicht abzusehen ist, ob die beiden Spitzenturner aus dem sogenannten Athenkader Sergej Pfeifer (Hannover) und Dmitri Nonin (Berlin) in Dessau antreten können.

W.St.:  Nach der 1. WM-Qualifikation in Kolkwitz waren Sie mit den gezeigten Leistungen nicht ganz zufrieden. Welche Hausaufgaben haben Sie den Turnern dort mit auf den Weg gegeben?

R.H.:   In erster Linie erwarte ich von den "Athenkader-Turnern", dass sie die Trainingsleistungen im Wettkampf umsetzen. Außer Kwiatkowski, Zapf und Andergassen und Juckel ist dies keinem Turner gelungen.

W.St.:  Zu Beginn des Jahres gab es hitzige Diskussionen (Neubeginn, Verjüngung der Mannschaft) um die Altstars Belenki und Charkow. Nach der ersten Qualifikation kann davon ausgegangen werden, dass sowohl Charkow als auch Belenki sich ein Ticket erturnen können. Wie sehen Sie die Situation?

R.H.:   Die beiden ehemaligen Weltklasseathleten konnten leider keine Wertung erturnen, die international konkurrenzfähig wäre. Die Qualifikation in Dessau muss zeigen, ob Belenki und Charkow das WM-Team verstärken können. Ich gehe aber auch davon aus, dass die beiden Hallenser Renè Tschernitschek und Christian Berzces noch ein Wörtchen mitreden wollen

W.St.:  Mit welchen Erwartungen fahren Sie zur WM nach Gent?

R.H.:   Wir streben ein besseres Mannschaftsergebnis als bei den Olympischen Spielen in Sydney (Platz 10) an. In erster Linie geht es mir aber darum, dass sich unsere jungen Turner auf der internationalen Turnbühne "vernünftig" präsentieren und Erfahrungen sammeln. Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir in Gent mit einer völlig neuen Riege antreten. Natürlich wäre es schön, wenn Marius Toba an den Ringen eine Medaille erturnen könnte. Dazu muss er allerdings nach seiner Ellenbogenverletzung wieder topfit sein.

W.St.:  Bereits 1999 wurde in Dessau eine WM-Qualifikation (gemeinsam mit den Gymnastinnen) durchgeführt. Welche Erinnerungen haben Sie an die Stadt und die Veranstaltung?

R.H.:   Dessau ist traditionell eine gute Adresse für Turnveranstaltungen, und ich komme stets gerne in die Bauhaus-Stadt.    (Das Gespräch führte Wolfgang Staiger, Pressesprecher des DTB)

   67.DEUTSCHE TURNMEISTERSCHAFTEN, Dessau 2001