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Zur
Person:
Seit Januar ist Dr.Petra Theiss neue Team-Chefin des DTB für das
Frauenturnen und löste Dieter Koch (Bergisch-Gladbach) ab. Die
promovierte Sportwissenschaftlerin war zuvor wissenschaftliche
Mitarbeiterin am Olympiastützpunkt Frankfurt-Rhein-Main. |
E.H.:
Worin
sieht die für die WM-Riege in Gent verantwortliche Trainerin den
Schwerpunkt
bei diesen Deutschen Meisterschaften in Dessau?
P.Th.: Der
Schwerpunkt liegt für mich in der Qualifikation der einzelnen
WM-Anwärterinnen für die WM. Alle (gesunden, voll einsatzfähigen)
WM-Anwärterinnen haben im Vorfeld der DM die erste |
Hochbelastungsphase
in Richtung WM Gent hinter sich gebracht und sollten in Dessau
in der Lage sein, erstmals die Früchte ihrer Vorbereitung zu
ernten.
(Siehe auch Theiss-Interview Januar
2001)
E.H.:
Wen
erwarten Sie fünf Wochen vor dem WM im engsten WM-Kandidatenkreis?
P.Th.: Birgit
Schweigert war
zwischenzeitlich 3 Wochen in London, wo sie ihre Vorbereitung in
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Absprache
mit den Kölner Trainern Shanna Poljakova/Peter Brüggemann
fortgesetzt hat. Seit letzter Woche trainiert sie wieder in Köln
und ist bis nach der WM von der Schule befreit. Anschließend muss
sie, wie die übrigen Turnerinnen auch, den kompletten Schulstoff
nachholen! |
| Lisa
Brüggemann hat wieder mal ein wenig Pech gehabt – sie
musste sich am 11.9. einer Blinddarm-Operation unterziehen; ihr
Einsatz zu den DM ist noch fraglich, zur WM wird sie einsatzfähig
sein; im Fall einer Nichtteilnahme oder eingeschränkten Teilnahme
an den DM wird Lisa, nicht zuletzt aufgrund ihrer erbrachten guten
Vorleistungen in diesem Jahr, für das WM-Team gesetzt. |

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<<Katja
Abel ist nach langer Verletzungspause wieder voll im Einsatz.
Sie hat im Rahmen der bisherigen WM-Vorbereitung einen sehr guten
Eindruck hinterlassen. Auf ihre Leistungen dürfen wir gespannt
sein.
Gritt Hofmann kann nach einer Schulterluxation Anfang des
>> Jahres nur an 3 Geräten (außer Barren) an den Start
gehen. Als erfahrene Turnerin räume ich ihr ebenfalls eine gute
Chance ein, sich für das WM-Team zu qualifizieren. |

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Conny
Schütz und Yvonne Musik, die beiden Newcomer im Kreis
der Nationalmannschaft haben sich bereits in Oranienburg für das
WM-Team angeboten. Beide haben bisher eine konsequente und äußerst
fleißige Vorbereitung hinter sich gebracht |

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Daria
Bijak ist nach ihrer erfolgreich überstandenen Fuß-Operation
- dank der tatkräftigen Unterstützung von Dr. Lohrer und Prof.
Zwipp in Dresden - sehr motiviert in das Aufbautraining
eingestiegen. Als eine der hoffnungsvollsten Nachwuchstalente des
DTB, mit der Grundausbildung im Heimatverein Greven und der
speziellen WM-Vorbereitung im Kreis der Kölner Turnerinnen unter
Shanna Poljakova, wird sie sich nach schnellem Heilungsverlauf zu
den DM bereits wieder am Balken und Barren vorstellen. |
| Gabi
Weller bereitet sich nach ihrer Entscheidung im Spätsommer,
noch einmal „ernst zu machen“, konsequent auf die
DM/WM-Qualifikation vor. Anfangs hat sie nur an zwei Geräte
(Sprung/Barren) gedacht, mittlerweile ist klar, dass sie sich dem
Vierkampf stellen wird.
Zusammen mit Conny Schütz, Yvonne Musik und Mirona Duda
hat sie im Vorfeld der DM bereits ein sehr gutes Vierkampfergebnis
beim internationalen Turnier in Charleroi/Belgien geliefert.
Gabi
Weller (25) >> |

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E.H.:
Wenn
sich eine 25 jährige Turnerin anschickt, bei einer nationalen
Meisterschaft
vordere Position anzustreben, ist das zweifelsfrei eine
außergewöhnliche
individuelle Leistung und verlangt Respekt und allerhöchste
Hochachtung.
Ist es aber nicht gleichzeitig bedenklich, wenn man weiß, dass
das
internationale Reglement nun mal vorwiegend von Turnerinnen zwischen dem
14.
und 20 Lebensjahr voll ausgelotet werden kann...! Beschreiben Sie bitte
die
Situation betreffs Gabi Wellers DM-Einsatz.
P.Th.:
Gabi
ist Anfang des Jahres aufgrund ihrer erbrachten Leistung rechtmäßig in
den B-Kader aufgenommen worden und nimmt mit Sicherheit keiner jüngeren
Turnerin den Kaderplatz weg. Gabi wird sich auch für die WM einzig und
allein auf der Grundlage einer guten Leistung qualifizieren müssen.
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Das deutsche WM-Team 1991 in
Indianapolis v.l.n.r. mit: Andrea Drissler, Kathleen Kern, Jana
Günther, Anke Schönfelder, Gabi Weller und Annette
Potempa.
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Gabi
ist mit Sicherheit eine Ausnahmeerscheinung im weiblichen
Kunstturnen, weshalb ihre Teilnahme an den DM und Vorbereitung auf
die WM eine Herausforderung für die jüngeren Turnerinnen
darstellt und keinesfalls als Deklassierung verstanden werden
sollte!
Gabi hat eine sehr gute Grundlagenausbildung genossen, von der sie
noch heute profitiert und die sie auch befähigt, den
Schwierigkeitsanforderungen des neuen Codes z.T. zu entsprechen,
d.h. sie wird nicht nur durch Reife, Ausdrucksstärke und
Erfahrung zu den DM auffallen.
Gabi hat aufgrund ihrer guten Leistungen ein Stipendium in den USA
bekommen, was für sie aber auch
gleichzeitig bedeutete, mit Anfang 20 ihr Repertoire noch
aufzustocken und |
gleichzeitig
eine enorme Belastungsverträglichkeit und Wettkampfstabilität unter
Beweis zu stellen, was ihr – wie man weiß – sehr gut gelungen ist.
Last
but not least: Worin liegt der Unterschied zwischen einer 20 und einer
25-jährigen Turnerin...?
Gabi kann durchaus zur Mannschaftsfindung und auch zum Ansehen des
Kunstturnens in Deutschland einen ganz entscheidenden Beitrag liefern!
E.H.:
Das
Frühjahr brachte für einige wenige Turnerinnen einige internationale
Bewährungsproben.
In den letzten Monaten, wo viele Nationen ihre Turnerinnen
zu
großen Wettkämpfen schickten, wie Universiade, Goodwill Games machten
sich
deutsche Turner/innen ziemlich rar! Vorteil oder Nachteil?
P.Th.:
Zur
Universiade hat sich Gabi Weller mit einer soliden Leistung angeboten,
wurde aber wiederholt (!) durch den ADH und dem Bereich Leistungssport (BL)
des DSB nicht nominiert, wobei folgende, meines Erachtens fadenscheinige,
Begründungen angeführt wurden:
1.
Gabi sei keine Perspektivturnerin
(mir ist neu, dass Kunstturnerinnen im Studienalter noch dem
Perspektivkader angehören sollten!)
2.
Gabi hat die Hochschulmeisterschaften
(aufgrund eines grippalen Infektes mit Attest!) nicht geturnt. Sie
hat aber beim Bundesligafinale ihre Leistung unter Beweis gestellt.
Fakt
ist auch, dass Gabi Weller sich im ersten Drittel des Teilnehmerfeldes der
Universiade platziert hätte.
Die
Teilnahme einer Gritt Hofmann, Linda Müller oder Silvia Schneider ist gar
nicht erst diskutiert worden.
Eine Teilnahme an den Goodwill Games
kommt für die deutschen Turnerinnen derzeit insbesondere aus finanziellen
Gründen nicht in Frage.
Ansonsten
haben wir uns keinesfalls wirklich rar gemacht, sondern haben insbesondere
die Anschlusskader zu kleineren internationalen Turnieren (Lugano, Trnava,
Charleroi etc.) geschickt. Letztlich ist die Teilnahme an Turnieren und
insbesondere Länderkämpfen aber auch an entsprechende finanzielle
Ressourcen gebunden, die dem deutschen Frauenturnen – aufgrund der Förderstufe
4 - einfach nicht ausreichend zur Verfügung stehen!!!
E.H.:
Haben
Sie als Chefin Einblicke in den Ausbildungsstand der anderen
Nationen,
die auf ähnlichem Niveau liegen, wie Deutschland, also Länder wie
Italien,
Canada, England, Weißrussland, Japan oder Niederlande, die
allesamt
bei der letzten WM '99 vor Deutschland lagen?
P.Th.:
Mit
den Weißrussen haben wir gemeinsam trainiert und auch einen Länderkampf
im Juni in Oranienburg geturnt. Gegen Kanada und Niederlande werden wir im
Vorfeld der WM hoffentlich noch turnen und auf diese Weise einen Einblick
in den Ausbildungsstand gewinnen. Ansonsten habe ich in erster Linie
Informationen über veröffentlichte Wettkampfergebnisse und –berichte,
z.T. auch über persönliche Kontakte. Fakt ist, das alle genannte
Nationen sehr gute Einzelturnerinnen, gleichzeitig aber auch nach den OS
Probleme mit dem notgedrungen durchzuführenden Verjüngungsprozess haben.
Nicht alle haben eine Gabi Weller, Gritt Hofmann oder Birgit Schweigert,
die trotz ihres „hohen“ Alters noch Spaß am Leistungssport haben.
Fakt ist aber auch, dass die Mehrzahl der genannten Nationen deutlich
bessere Trainingsbedingungen, insbesondere in bezug auf die Abstimmung
schulischer und trainingsmethodischer Belange, aber auch in Bezug auf die
vorhandenen finanziellen Ressourcen haben!
E.H.:
Trainerstimmen
waren zu hören, dass eigentlich die WM 2003 wegen der
Olympiaqualifikation
die wichtigere sei, nicht die von Gent. Teilen Sie
diese
Meinung?
P.Th.:
Natürlich
ist die WM 2003 die wichtigere, schließlich geht es dort um die
Olympiaqualifikation. Dennoch habe ich bereits Angang des Jahres gesagt,
dass die diesjährige WM eine ganz entscheidenden Meilenstein auf dem Weg
zur Olympiaqualifikation 2003 darstellt und ich alles daransetzen werde,
eine deutsche Frauenmannschaft mit solider, ausgewogener Leistung und
insbesondere Kampf- und Teamgeist an den Start zu bringen.
E.H.:
Wann
und nach welchen Kriterien wird das WM-Team 2001 nominiert?
P.Th.:
Eine
erste Rangfolge wird nach den DM in Dessau bekannt gegeben. Die entgültige
Nominierung des WM-Teams wird im Rahmen der Endvorbereitung in Frankfurt
vorgenommen, wobei die Ergebnisse eines Länderkampfes, eines
Testwettkampfes sowie die erbrachten Trainingsleistungen einbezogen werden.
Das
Hauptkriterium wird die Mannschaftsdienlichkeit in Punkten der einzelnen
Turnerinnen, abgestimmt auf den WM-Modus (6 im Team – 5 am Gerät – 4
in der Wertung) sein, da das Mannschaftsergebnis absolut im Vordergrund
steht. Zusätzlich werde ich natürlich Wert auf 2-4 starke
Mehrkämpferinnen legen.
E.H.:
Was
sind Ihre persönlichen Zielstellungen mit der deutschen
WM-Mannschaft
in diesem Jahr und wie ordnen Sie das in den Plan "Athen 04"
ein?
P.Th.:
Unsere
persönliche Zielstellung ist in keinem Fall eine Verschlechterung des
Ergebnis von Tianjin, d.h. Platz 15 +... und eine erste Standortbestimmung
auf dem Weg nach Athen!

67.DEUTSCHE
TURNMEISTERSCHAFTEN, Dessau 2001

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