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So war der Stuttgarter der Beste der 11 Turner aus fünf deutschen
Leistungszentren, die sich für einen EM-Einsatz empfehlen
wollten. Eigentlich gelang dies wenigen so richtig, am besten
noch eben Thomas Andergassen (53,85), dem Cottbuser
Ronny Ziesmer
(52,45), dem Chemnitzer Tom Neubert (52,25) und mit Abstrichen dem
Hallenser Christian Berczes (51,95). Der Rest blieb gar unter der
50-Punkte Grenze...!
"...aber er kommt langsam wieder!" so kommentierte
Stuttgarts Trainer Klaus Nigl den wieder ersten Wettkampf seit der
WM seines Schützlings.
>> "Am Boden habe ich z.B. einiges ausprobiert.
So gelang mir der gestreckte Doppelsalto ganz gut, den ich zum
ersten Mal in der letzten Reihe geturnt habe." Allerdings
ärgerte Thomas Andergassen sich sehr über die verpatzte erste
Reihe mit Doppelschraube, gestrecktem Salto und Hocksalto. |

Andergassen: Erster
Wettkampf wieder nach der WM
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Überhaupt sieht das Männerturnen am Boden
fürchterlich einseitig aus, stürzen doch die meisten Athleten in
technisch nur mäßig beherrschte akrobatische Vorwärtsreihen hinein,
weil dabei bei direkter Verkopplung selbst ein drittes Element von einem
C-Teil zu einem D-Teil aufgewertet werden und für so eine Diagonale
stolze 0,5-Punkte geholt werden können - koste es an technischer
Qualität, was es wolle. Das ist übrigens ein übler negativer Effekt des
aktuellen Code de Pointages (Internationale Wertungsvorschrift), den man
auch international beobachten kann. Aus deutscher Sicht lagen hier die
Ausgangswerte unter 9,5, Ronny Ziesmers 9,0 waren dabei der Spitzenwert am
Boden. Das sagt alles.
>> Am Pauschenpferd ist aus Wertungssicht Ähnliches zu
beobachten. Auch hier provoziert der Code nahezu "optische
Langweiler". Fast alle Übungen sehen in ihrer ersten Hälfte gleich
aus, beginnend mit Querwandern vorwärts, dann Querwandern rückwärts,
dann Stöckli-Verbindungen (Flops) auf einer Pausche... Hier verschenkt sich die Sportart viel von ihrer eigentlichen
Attraktivität. Das deutsche Leistungsbild ist sehr durchwachsen. Sven
Kwiatkowski fehlte hier schmerzlich.
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Nonin:...nimmt wieder
Maß!
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Der
Chemnitzer saß als Zuschauer
am Rande, weil er sich tags zuvor bei einem Recksturz schmerzhaft
eine Fersenprellung zugezogen hatte.
Auch der nach langer
Verletzungspause wieder aktive Dmitri
Nonin - eigentlich ein Pferd-Ästhet - ist noch nicht
wieder voll da und stieg ab, obwohl er im Trainerauftrag (Lutz
Landgraf) alles riskieren sollte, was er momentan drauf hat: Nach
Ausgangswerten eine 9,9 am Pferd, 9,7 am Barren und 10,00 am Reck
- aber alle drei Übungen musste er noch unterbrechen. Für ihn
ist die Zeit sehr knapp bis Patras. Andergassen kam mit seiner neuen
Übung, die erstmals 10,0-Ausgangswert hatte. |
>> Von der einst stolzen
Ringe-Nation Deutschland zu alten Wecker-, Belenki- oder Toba-Zeiten
ist nicht mehr viel übrig geblieben. Außer Andergassen und Ziesmer mit
Ansätzen fehlen den meisten Turnern die Kraftqualitäten, über welche
internationales Niveau überhaupt zu realisieren ist. Traurig aber wahr -
auch Ringe gehört nun zu den schwachen deutschen Geräten.
Schwierig zu beantworten ist auch die Frage: Was ist überhaupt noch ein
starkes deutsches Gerät...?
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>> Der Barren
jedenfalls ist es nicht, auch wenn er für die meisten Turner
dieser Welt das schwierigste Gerät ist, um Punkte zu holen.
Dmitri Nonin (Berlin) turnte nach langer Verletzungspause seit
Sydney überhaupt erst wieder seine dritte volle Barrenübung
(inklusive Weltcup Cottbus). Viele Instabilitäten erzeugten dort
keineswegs Jubelstimmung in der Halle.
>> Am an sich
schwachen deutschen Sprunggerät fielen mit 9,8er-Sprungen nur
Sebastian Faust (Roche), Andergassen (Tsukahara, Doppelsalto rw.)
und Ronny Ziesmer (Roche) auf; ein Zehnersprung war nicht im
Angebot, zweite, gleichwertige Sprünge von keinem deutschen
Turner in Sicht... Der sprunggewaltige Hallenser René
Tschernitschek, der als letzter deutscher Turner mal in einem
WM-Finale stand (1999) ist - bei allen Potenzen - weiter ein
Schatten seiner selbst. Warum eigentlich...? |

Ziesmer beim
Barrenabgang
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Diese
Situation führte sogar zuletzt zum Weltcupverzicht der
Wildcard-Startchance in Cottbus...!
Abgesehen von dieser EM-Qualifikation: Dieser Zustand der unzureichenden
Sprungleistungen ist länger als ein halbes Jahrzehnt bekannt!! Greifen
hier keine langfristigen Konzepte, gibt es keine individuellen
Trainingspläne, keinen zentralen Steuerungsmechanismus zur individuellen
Planung und Abrechnung (!!) von Leistungen...? Erzähle doch niemand, dass etwa die Athleten nicht wollen!
Diese Art der
Hinterfragung scheint wohl ein Thema nach der Europameisterschaft aber
zwingend und hoffentlich noch rechtzeitig vor Athen zu sein!
>> Das Reck
sah in Kienbaum zumindest einen gut aufgelegten Tom
Neubert, der mit 9,6 Punkten die Höchstwertung des
Tages markierte. Ansonsten registrierte man bei den 11 Startern
insgesamt 8 Stürze, ging dabei auch der eben erst aus
Tscheljabinsk (Russland) eingebürgerte Sergej Spiridonow gleich
dreimal unfreiwillig auf die Matte.Schade, dass der Hallenser Sebastian
Faust die tolle Verbindung Kovacs-Def nicht halten konnte, bot
er sich doch zumindest mit überraschenden Zuwachsraten an.
Mit seiner Woronin-Bücke und 8,7 Punkte schloss Thomas Andergassen diese
ziemlich ernüchternde Qualifikation am Ende als Bester ab.
Die in ihrem ersten Seniorenjahr
startenden Martin Lahmer, Lars-Gregor Biewendt (beide Berlin) und
Marcel
Niess (Stuttgart) gaben ihr Bestes. Aber gerade beim
unmittelbaren
Nachwuchs sind turntypische Eignungsprobleme mit Voraussetzungscharakter
im koordinativen und konditionellen Bereich unübersehbar. Hier werden die
Sünden des letzten Jahrzehnts sichtbar und bis heute ist dem Deutschen
Turner-Bund kein entscheidender Strukturwandel im Bereich frühester
Sichtung, Auswahl und komplexer Trainingsqualität gelungen, der zur
Rückkehr in internationale Topbereiche ausreichen würde.
Nicht zur Verfügung standen außer dem aktuell verletzten Sven
Kwiatkowski mit Sergej Pfeifer (Hannover) und
Stephan Zapf (Stuttgart)
zwei weitere WM-Turner des vergangenen Jahres.
Ergo stand Bundestrainer Rainer Hanschke betreffs
der EM-Besetzung Patras also vor keiner leichten Aufgabe. Die
Festlegungen nach der deutschen EM-Quali:
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Abschließend: Die
"Hanschke-Andacht..."!
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In die unmittelbare Wettkampfvorbereitung (UWV) der kommenden EM gehen
Andergassen,
Ziesmer, Neubert, Berczes und
Nonin sowie
Faust, Biewendt
und Kwiatkowski.
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Den Länderkampf am kommenden Wochenende (13.April) in Bukarest gegen
Gastgeber Rumänien, Frankreich und die Schweiz werden
bestreiten:
Andergassen, Ziesmer, Neubert, Berczes, Nonin und mit
Länderkampfdebüt Sebastian Faust.
Der Wettkampf soll nicht nach EM-, sondern nach WM-Modus (6 Turner
im Team, 5 Turner pro Gerät und 4 Turner kommen in die Wertung)
bestritten werden.
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Für die EM fest nominiert sind
Andergassen, Ziesmer,
Kwiatkowski.
Die restlichen zwei Plätze werden nach Ausgang des Länderkampfes
entschieden. |
Das deutsche EM-Fünferteam wird sich dann
am 19. April in Berlin noch einmal im Rahmen eines Junioren-Länderkampfes
vor Publikum und Juroren testen, bevor am 22. April der Abflug nach
Griechenland erfolgt.
>>
Anmerkung aus medialer Sicht:
Wenn schon eine EM-Qualifikation unter Trainingsbedingungen
stattfinden muss (- warum eigentlich?), gehört es sich, dass man
der Presse und damit der Öffentlichkeit wenigstens die
Wettkampfdaten zu kommen lässt. So aber hatte der einzige
Medienvertreter vor Ort in allerletzter Minute die Chance die
Endnoten der ersten fünf Turner verbal mitgeteilt zu bekommen,
geschweige denn, dass es irgendwann ein Wertungsprotokoll dieser
"Veranstaltung" gab.
Man beschwere sich nicht über zu geringe Pressepräsenz!
... übrigens sprach da gerade der DTB-Präsident über "Verbesserung
der öffentlichen Wahrnehmung von Turnen und Gymnastik"...?!
(>> siehe auch "Deutsches
Turnen", Ausgabe 4/2002)
"Wir werden uns innerhalb des DSB mit den Szenarien befassen
müssen, die sich aus dieser medialen Entwicklung für die Zukunft
der einzelnen Sportarten ergeben. Dies ist ein weiterer Aspekt
unserer Aufgabe zur künftigen „Wahrnehmung von Turnen und
Gymnastik” - so dort Rainer Brechtken.
Bei solch luschiger "EM-Quali-Inszenierung" im
öffentlichen Unerheblichkeitsbereich werden
gewaltige Chancen - auch betreffs der Motivation der Athleten -
vertan. Welche Bedeutung soll denn da wohl eine EM haben, wenn man im
Magnesia-Stübchen unter alltäglichen Trainingsalltagsbedingungen, mal
gerade so einen
Trainingswettkampf macht....? Lassen sich hier nicht
DTB-Landesverbände stärker in die Pflicht nehmen, würdigere
Bedingungen für Athleten u n d Öffentlichkeit zu
schaffen?
... sonst kommt bald wirklich kein Journalist mehr zum
Turnen!! |
| >> ... lesen Sie
auch einen Kommentar zu diesem Thema |
Eckhard Herholz (gymmedia)
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