
Sergei Pfeifer:
Superschwalbe!
|
RINGE
- ziemlich ausgeglichen...
Da sah es nach der Papierform eigentlich für die Hannoveraner günstig
aus: Daniel Hofmeister - vor drei Jahren 6. der Junioren-EM an diesem
Gerät - legte mit 10er Ausgang 9,15 Punkte vor. Nistor Sandro, der
Student aus Bukarest (9,9 AW) erhielt aber nur 9,05, Sergei Pfeifer, mit
2 wunderschön ausgeturnten Schwalben steigerte auf 9,35 und der Vize-Europameister
von '96 Marius Toba glänzte mit souveränen Krafthalten, mit
"Jonasson", Tsukahara-gestreckt und 9,55. Das war aber nicht der Höchstwert des
Wettkampfes.
Den hatte kurz vor ihm der erst 21jährige Andrè Wetzel mit 9,625
geturnt. "Endlich mal, hat's so richtig geklappt..", freute er sich, nachdem er
aber in den bisherigen Wettkämpfen schon zweimal 9,4 ins Teamresultat eingebracht hatte. |
|
Auch er mit Jonasson, 2x Stemme Kopfkreuz, Stemme-Stützwaage, 3 Riesenfelgen und
aus dem Streuli Doppelsalto, rückwärts, gestreckt. Nach einer 9,3 des sich in der
Grundausbildung bei der Bundeswehr befindenden Ronny Ziesmer
(-wie auch Steffen
Logk) bilanzierten die Cottbuser 36,975 : 37,10, also ziemlich gleichwertig (-
ihr höchstes Punkteresultat !), doch der Rückstand zu den Hannoveranern betrug
schon stolze 2,25 Punkte, die aber nicht uneinholbar zu sein schienen. Der Wettkampf blieb
so richtig spannend...
|
PFERDSPRUNG
- da stach der Trumpf Swetlitschni...
Der Ukrainer Swetlitschni zeigte tatsächlich
einen souveränen Überschlag - Doppelsalto, vorwärts, gehockt, wenigstens was die
Flugparameter anging: Explosiver Abdruck, grosse Flughöhe, blitzschnelle Drehungen,
zeitiges Öffnen und schöne, gestreckte, offene Körperhaltung bei der Landung -
allerdings noch mit einem kleinen Standhüpfer - 9,45. Das war der schönste Sprung des
Tages und nach Boden der zweite Geräteerfolg der Gäste, obwohl sich der deutsche
Ex-Sprungmeister Bengt Schneider bei dem gleichen Elemment diesmal auf
den Hosenboden setze: 36,70 : 35,775, und es blieb den Männern vom TK Hannover für die
letzten beiden Geräte noch ein Polster von 1,30 Punkten ... |

Alex Swetlitschni:
Traumhafte Höhe
|

Marius Toba:
Stand wie eine Eins!!
|

Ralph Büchner:
Noch immer eine Bank!
|
BARREN ... wieder Kopf an Kopf ...!
Es ist schon ärgerlich, wenn man eine neue Übung
anbietet, erstmals mit Rundspreizen zu Beginn, und Maik Belle damit
zeigte, wie lernfähig man noch im "reifen" Wettkampfalter sein kann - und wenn
man dann dummerweise den Abgang, Doppelsalto, zum Sitz turnt. Zum zweiten Mal nach
Pauschenpferd ging da dem sonstigen Routinier Belle die Startübung für's Team daneben:
Die Cottbuser mussten bereits hier ihren Joker ziehen.
Oldy Ralph Büchner (32 Jahre) dagegen, mit Belle einst im Seouler
Olympiateam, startete mit einer guten 9,0 (9,6AW) für Hannover, Toba
(8,75) und Pfeifer (9,05) blieben im Erwartungsbereich, Nistor
Sandro glänzte mit 9,30 (9,9AW), und Hannover gewann aber auch das dritte
Gerät, denn trotz der 9,4 für Alexander Swetlitschni gingen bei den
Cottbusern 2 Achter-Wertungen ins Protokoll: Karsten Oelsch 8,80 und
Joker Lars Burde 8,65, da blieben zwar noch 1,45 Punkte Vorsprung vor dem
Reck, aber dort kann bekanntlich alles noch passieren... |
RECK
- mal wieder ein Turnkrimi...
Nervöse Geste am Rande, Wulf Greite,
TKH-Chef: "...komm, komm, komm, ... nix ist entschieden, hier kann alles noch
passieren...! Trainer Reinhard Rückriem - äusserlich zwar wie immer die
Ruhe in Person, aber gänzlich ohne Kommentar, und dann die Zitterpartie des Tages:
Cottbus' Startturner Bengt Schneider verturnte sich erst, wollte
dann doch den Gienger-Salto durchziehen - Sturz...!
Denis Hofmeister (TKH) stürzte derart heftig nach dem
Kovacs-Salto mit dem Hinterkopf auf die (zum Glück) weiche Matte, dass man mal wieder an
das Risiko, das diese Turnkünstler eingehen, erinnert wurde:

Denis Hofmeister:
Sturz nach Kovacs |

Teamarzt Andreas Japtok (Hintergrund): "Alles
o.K. !" |
Nichts passiert und Denis war gut betreut
in den Händen von TKH-Teamarzt Andreas Japtok, dem Olympia-Turner von
1984.
Alex Swetlitschni (SCC) dann souverän mit Jägersalto-gestreckt
und Doppel-Tsukahara (9,35) und Karsten Oelsch steuerte 9,20 Punkte bei.
Da Olaf Nienstedt und Nistor Sandro (Sturz nach
Gienger-Salto) auf Gastgeberseite "nur" 9,10 bzw. 8,35 beisteuerten,
betrug der TKH-Vorsprung plötzlich nur noch 0,35 Punkte. Da war der Druck natürlich
riesig für Lars Burde: Prompt musste er mittendrin improvisieren, wollte
seinen Flieger doch noch zeigen - Sturz!! Das war die Entscheidung. Nur 7,70, die 8,70 von
Steffen Logk reichten natürlich auch nicht, denn auf der Seite der
gücklichen Sieger spulten die Routiniers Toba (8,65) und Sergei
Pfeifer - mit Kovacs und Doppel-Tsukahara - ihre sicheren Übungen ab.
Nicht nur 4. Geräteerfolg sondern überraschender Gesamtsieg des TK Hannover über
die eigentlich als Favoriten angereisten Gäste des SC Cottbus:
214,075 : 212,525, |

Sergei Pfeifer:
Kovacs-Salto
|

Toba und Teamchef Greite:
Der Sieg!
|

Greite - Rückriem
Zufrieden!
|
TKH-Bilanz:
Chef
Wulf GREITE:
"Ja, die Bundesliga ist doch wirklich ziemlich eng,
Überraschungen sind eben nicht ausgeschlossen, und von wegen, vorher ist immer schon
alles klar...! |
Obwohl wir nicht unbedingt davon ausgehen
konnten, dass wir hier die Cottbuser schlagen. Die hatten - wenigstens den Protokollen
nach - in der Saison schon 10 Punkte und mehr geturnt! Aber dass die Meisterschaft
jetzt noch mal so schön offen ist, das freut mich besonders und wir fahren mit grösster
Motivation nach Berlin, wenn auch dort in die Höhle des Löwens: Nichts ist aber
unmöglich, wie man heute hier gesehen hat. Mit dem Kampfgeist meiner Truppe bin ich mehr
als zufrieden" |

Heide - Swetlitschni
Enttäuscht! |
SCC- Bilanz: -Chef
Bernd HEIDE:
"Wir sind natürlich sehr enttäuscht über den Wettkampfverlauf. So
wenige Punkte haben wir ja noch nie erturnt...! |
Das widerspiegelt absolut nicht unser wahres
Leistungsvermögen. Das soll aber in keiner Weise den verdienten Sieg de sTK Hannover in
Frage stellen - meinen herzlichsten Glückwunsch dazu. Aber eigentlich wollten wir hier
schon gewinnen und als die Vierten des Vorjahres die Silbermedaille schon hier sicher
machen. Es gibt eben im Turnen Dinge im psychologischen Bereich, die kann man nicht
erklären...
Jetzt wird es natürlich am 4. Dezember heiss hergehen, wenn wir auch die
ungeschlagenen Stuttgarter nun zu Hause empfangen... . " |
Fazit:
Durch diesen Erfolg sichern sich die Hannoveraner noch
echte Medaillenchancen, und sind höchst motiviert, wenn sie auch zum Vorjahrsmeister SC
Berlin müssen, der beim SV Halle einen erwarteten klaren Auswärtssieg landete (203,150 :
210,800 / 02:10 Geräte).
In Stuttgart setzte sich erwartungsgemäss - trotz achtbarer Gegenwehr
(Gerätepunkteteilung 06:06) die EnBW KTV über die Sachsen vom KTV Chemnitz durch
(214,700 : 212,975) und geht als einzige ungeschlagene Mannschaft in einen spannenden
Finaltag am 4. Dezember beim Zweiten der Tabelle. Da dürfte in der Lausitz-Metropole die
Luft brennen, denn mit einem Sieg - aber höchstens zwei abgegebenen Geräten - könnten
die Cottbuser noch Meister werden....aber auch für Hannover ist selbst Silber noch
möglich... und Berlin will trotz der4-Minuspunkte noch eine Medaille... also alles
scheint noch möglich.... und die Meisterschaft ist vor dem letzten Wettkampftag am 4.
Dezember wieder schön offen! |

-ehe- 13-11-99
|