1. KUNSTTURN
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BUNDESLIGA

(13-Nov
-99

Rückblende 1999:

TK HANNOVER - SC COTTBUS '99
- 2. Wettkampftag der Meisterrunde -
(13-November-1999)
- Sporthalle im Schulzentrum, Hannover-Ahlem -

(Parallel: EnBW Stuttgart - KTV Chemnitz

Weichenstellung im Titelkampf...? - alles ist wieder offen!"
(Spitzenbegegnung in Hannover-Ahlem)

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Steffen Logk (8,70): Noch halbwegs glückliche Cottbuser Landung...    !

pulsar_rot_blau.gif (909 Byte)  BODEN:  Alles fing ziemlich normal an.....
Cottbus begann standesgemäss mit einem Sieg am ersten Gerät. Bei Bodenleistungen gerät man in Deutschland ohnehin  nicht so schnell ins Entzücken. Da muss schon einer aus Lugansk/Ukraine kommen, damit ein Raunen durchs Fachpuplikum geht: Der für die Gäste aus Cottbus startende WM-Turner Alexander Swetlitschni zeigte da zum Beispiel in einer Querreihe 2 1/2-Schraube, direkt gefolgt von 1 1/2-Salto vorwärts in den Liegestütz! Bei einem Ausgangswert von 9,9 ergab das mit 9,0 die Bodenhöchstwertung. Nur Sergei Pfeifer kam bei den Gastgebern in diese Nähe (9,6/8,90).
Gerätebilanz: 34,45 : 33.35 - mit 1,1 Punkten-Vorsprung nach dem ersten Durchgang schien alles planmässig für die Gäste aus der Lausitz zu laufen....

pulsar_rot_blau.gif (909 Byte) PAUSCHENPFERD: Ein Katastrophen- Durchgang..!
Aber nur aus Cottbuser Sicht. Ausgerechnet der Erfahrendste, Maik Belle, machte da in der ersten Übung einen solchen dummen Fehler: Beim Abgang stützte er mit dem Fuß ab, bekam den Abgang nicht anerkannt und erhielt (bei 9,6 AW) nur 8,35. Von da an war der Wurm drin, obwohl Bengt Schneider erstmals seine neue 10er-Übung vorstellte, mit 1080°-Russenwendeschwung und seiner Flop-Verbindung auf einer Pausche (Stöckli), ziemlich am Ende der Übung geturnt - bekam er trotz 10,0 nur 8,8 Punkte. Und dann ging's richtig los: Alexander Swetlitschni  machte aus seinen Stöckli-Verbindungen einen tatsächlichen "Flop", stieg ab und bekam nur 8,45. Karsten Oelsch verturnte völlig, so daß Trainer Gunter Schönherr den ersten Joker einsetzte: Aber auch Nico Brückner war dieser heiklen Situation nervlich und auch konditionell nicht gewachsen, brach am Ende der Übung förmlich ab und drehte den Abgang im Sitz (7,90). Die Cottbuser Bilanz: 33,50 Punkte - das sind im Mittel 8,375 pro Turner! So wenig hatten die bislang ungeschlagenen Gäste an ihrem eigentlich starken Gerät noch nie bekommen, die überhaupt erst 4 Geräte in der gesamten Saison abgegeben hatten!

Und hier schlugen die Niedersachsen zu: Nicht etwa, dass sie nur vom Pferd-Disaster ihrer Konkurrenten profitierten: Es war auch eine super Steigerungsserie, beginnend mit einer 9,0 durch Adrian Catanoiu, dann 9,10 durch den rumänischen WM-Starter Nistor Sandro, Altmeister Marius Toba - wieder ein Präzisionswunder - steigerte auf  9,20 und Sergei Pfeifer erzielte den Höchstwert zu diesem Zeitpunkt mit 9,40 (- trockener Kommentar von "Bummi" Büchner am Rande: "Das hätte ich dem gar nicht zugetraut..seine beste Übung seit Wochen...!")!!Das waren 3,2 Punkte mehr für den TKH (36,70) - und es sah nach einem vorzeitigen k.o der doch eigentlich favorisierten Gäste aus der Grand Prix-Stadt Cottbus aus. Aber ein Turnwettkampf ist immer erst mit der letzten Übung zu Ende...raunte TKH-Chef Wulf Greite vorsichtig am Rande.

.Marius Toba:
Die Zuverlässigkeit in Person

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Maik Belle:
Sekunden später... Abgang verbaut!

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Sergei Pfeifer:
Superschwalbe!

pulsar_rot_blau.gif (909 Byte)  RINGE - ziemlich ausgeglichen...
Da sah es nach der Papierform eigentlich für die Hannoveraner günstig aus: Daniel Hofmeister - vor drei Jahren 6. der Junioren-EM an diesem Gerät -  legte mit 10er Ausgang 9,15 Punkte vor. Nistor Sandro, der Student aus Bukarest (9,9 AW) erhielt aber nur 9,05, Sergei Pfeifer, mit 2 wunderschön ausgeturnten Schwalben steigerte auf  9,35 und der Vize-Europameister von '96 Marius Toba glänzte mit souveränen Krafthalten, mit "Jonasson", Tsukahara-gestreckt und 9,55. Das war aber nicht der Höchstwert des Wettkampfes.
Den hatte kurz vor ihm der erst 21jährige Andrè Wetzel mit 9,625 geturnt. "Endlich mal, hat's so richtig geklappt..", freute er sich, nachdem er aber in den bisherigen Wettkämpfen schon zweimal 9,4 ins Teamresultat eingebracht hatte.
Auch er mit Jonasson, 2x Stemme Kopfkreuz, Stemme-Stützwaage, 3 Riesenfelgen und aus dem Streuli Doppelsalto, rückwärts, gestreckt. Nach einer 9,3 des sich in der Grundausbildung bei der Bundeswehr befindenden Ronny Ziesmer (-wie auch Steffen Logk) bilanzierten die Cottbuser 36,975 : 37,10, also ziemlich gleichwertig (- ihr höchstes Punkteresultat !),  doch der Rückstand zu den Hannoveranern betrug schon stolze 2,25 Punkte, die aber nicht uneinholbar zu sein schienen. Der Wettkampf blieb so richtig spannend...
pulsar_rot_blau.gif (909 Byte)  PFERDSPRUNG - da stach der Trumpf Swetlitschni... 

Der Ukrainer Swetlitschni zeigte tatsächlich einen souveränen Überschlag - Doppelsalto, vorwärts, gehockt, wenigstens was die Flugparameter anging: Explosiver Abdruck, grosse Flughöhe, blitzschnelle Drehungen, zeitiges Öffnen und schöne, gestreckte, offene Körperhaltung bei der Landung - allerdings noch mit einem kleinen Standhüpfer - 9,45. Das war der schönste Sprung des Tages und nach Boden der zweite Geräteerfolg der Gäste, obwohl sich der deutsche Ex-Sprungmeister Bengt Schneider bei dem gleichen Elemment diesmal auf den Hosenboden setze: 36,70 : 35,775, und es blieb den Männern vom TK Hannover für die letzten beiden Geräte noch ein Polster von 1,30 Punkten ...

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Alex Swetlitschni:
Traumhafte Höhe

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Marius Toba:
Stand wie eine Eins!!

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Ralph Büchner:
Noch immer eine Bank!

pulsar_rot_blau.gif (909 Byte)  BARREN ... wieder Kopf an Kopf ...!

Es ist schon ärgerlich, wenn man eine neue Übung anbietet, erstmals mit Rundspreizen zu Beginn, und Maik Belle damit zeigte, wie lernfähig man noch im "reifen" Wettkampfalter sein kann - und wenn man dann dummerweise den Abgang,  Doppelsalto, zum Sitz turnt. Zum zweiten Mal nach Pauschenpferd ging da dem sonstigen Routinier Belle die Startübung für's Team daneben: Die Cottbuser mussten bereits hier ihren Joker ziehen.
Oldy Ralph Büchner (32 Jahre) dagegen, mit Belle einst im Seouler Olympiateam, startete mit einer guten 9,0 (9,6AW) für Hannover, Toba (8,75) und Pfeifer (9,05) blieben im Erwartungsbereich, Nistor Sandro glänzte mit 9,30 (9,9AW), und Hannover gewann aber auch das dritte Gerät, denn trotz der 9,4 für Alexander Swetlitschni gingen bei den Cottbusern 2 Achter-Wertungen ins Protokoll: Karsten Oelsch 8,80 und Joker Lars Burde 8,65, da blieben zwar noch 1,45 Punkte Vorsprung vor dem Reck, aber dort kann bekanntlich alles noch passieren...
pulsar_rot_blau.gif (909 Byte)  RECK - mal wieder ein Turnkrimi...

Nervöse Geste am Rande, Wulf Greite, TKH-Chef:  "...komm, komm, komm, ... nix ist entschieden, hier kann alles noch passieren...! Trainer Reinhard Rückriem - äusserlich zwar wie immer die Ruhe in Person, aber gänzlich ohne Kommentar, und dann die Zitterpartie des Tages:
Cottbus' Startturner Bengt Schneider verturnte sich erst, wollte dann doch den Gienger-Salto durchziehen - Sturz...!
Denis Hofmeister (TKH) stürzte derart heftig nach dem Kovacs-Salto mit dem Hinterkopf auf die (zum Glück) weiche Matte, dass man mal wieder an das Risiko, das diese Turnkünstler eingehen, erinnert wurde:
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Denis Hofmeister:
Sturz nach Kovacs
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Teamarzt Andreas Japtok (Hintergrund): "Alles o.K. !"

Nichts passiert und Denis war gut betreut in den Händen von TKH-Teamarzt Andreas Japtok, dem Olympia-Turner von 1984.
Alex Swetlitschni (SCC) dann souverän mit Jägersalto-gestreckt und Doppel-Tsukahara (9,35) und Karsten Oelsch steuerte 9,20 Punkte bei. Da Olaf Nienstedt und Nistor Sandro (Sturz nach Gienger-Salto) auf  Gastgeberseite  "nur" 9,10 bzw. 8,35 beisteuerten, betrug der TKH-Vorsprung plötzlich nur noch 0,35 Punkte. Da war der Druck natürlich riesig für Lars Burde: Prompt musste er mittendrin improvisieren, wollte seinen Flieger doch noch zeigen - Sturz!! Das war die Entscheidung. Nur 7,70, die 8,70 von Steffen Logk reichten natürlich auch nicht, denn auf der Seite der gücklichen Sieger spulten die Routiniers Toba (8,65) und Sergei Pfeifer - mit Kovacs und Doppel-Tsukahara - ihre sicheren Übungen ab.
Nicht nur 4. Geräteerfolg sondern überraschender Gesamtsieg des TK Hannover über die eigentlich als Favoriten angereisten Gäste des SC Cottbus:
214,075 : 212,525,

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Sergei Pfeifer:
Kovacs-Salto

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Toba und Teamchef Greite:
Der Sieg!

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Greite - Rückriem
Zufrieden!

TKH-Bilanz: Chef
Wulf GREITE:
"Ja, die Bundesliga ist doch wirklich ziemlich eng, Überraschungen sind eben nicht ausgeschlossen, und von wegen, vorher ist immer schon alles klar...!

  Obwohl wir nicht unbedingt davon ausgehen konnten, dass wir hier die Cottbuser schlagen. Die hatten - wenigstens den Protokollen nach -  in der Saison schon 10 Punkte und mehr geturnt! Aber dass die Meisterschaft jetzt noch mal so schön offen ist, das freut mich besonders und wir fahren mit grösster Motivation nach Berlin, wenn auch dort in die Höhle des Löwens: Nichts ist aber unmöglich, wie man heute hier gesehen hat. Mit dem Kampfgeist meiner Truppe bin ich mehr als zufrieden"

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Heide - Swetlitschni
Enttäuscht!
SCC- Bilanz: -Chef  
Bernd HEIDE:

"Wir sind natürlich sehr enttäuscht über den Wettkampfverlauf. So wenige Punkte haben wir ja noch nie erturnt...!

Das widerspiegelt absolut nicht unser wahres Leistungsvermögen. Das soll aber in keiner Weise den verdienten Sieg de sTK Hannover in Frage stellen - meinen herzlichsten Glückwunsch dazu. Aber eigentlich wollten wir hier schon gewinnen und als die Vierten des Vorjahres die Silbermedaille schon hier sicher machen. Es gibt eben im Turnen Dinge im psychologischen Bereich, die kann man nicht erklären...
Jetzt wird es natürlich am 4. Dezember heiss hergehen, wenn wir auch die ungeschlagenen Stuttgarter nun zu Hause empfangen... . "

pulsar_rot_blau.gif (909 Byte) Fazit:
Durch diesen Erfolg sichern sich die Hannoveraner noch echte Medaillenchancen, und sind höchst motiviert, wenn sie auch zum Vorjahrsmeister SC Berlin müssen, der beim SV Halle einen erwarteten klaren Auswärtssieg landete (203,150 : 210,800 / 02:10 Geräte).
In Stuttgart setzte sich erwartungsgemäss - trotz achtbarer Gegenwehr (Gerätepunkteteilung 06:06) die EnBW KTV über die Sachsen vom KTV Chemnitz durch (214,700 : 212,975) und geht als einzige ungeschlagene Mannschaft in einen spannenden Finaltag am 4. Dezember beim Zweiten der Tabelle. Da dürfte in der Lausitz-Metropole die Luft brennen, denn mit einem Sieg - aber höchstens zwei abgegebenen Geräten - könnten die Cottbuser noch Meister werden....aber auch für Hannover ist selbst Silber noch möglich... und Berlin will trotz der4-Minuspunkte noch eine Medaille... also alles scheint noch möglich.... und die Meisterschaft ist vor dem letzten Wettkampftag am 4. Dezember wieder schön offen!

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-ehe-  13-11-99