- HISTORY -

HALLESCHES TURNERTREFFEN
- Turn-Pioniere der ersten Stunde -

 


Prof. Leirich: 
Begrüßung der Gäste

Der Dekan der sportwissenschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle, Prof. Dr. Jürgen Leirich, hatte eingeladen und viele kamen: Vertreter der ersten Stunde des Turnens nach dem zweiten Weltkrieg der Region Halle/Leuna. Wesentlich bestimmt wurde die Wiederbelebung des Gerätturnens durch die Strukturen des Hochschulsports (- am 1.10. 1948 wurde das Institut für Körpererziehung an der MLU mit seinem Direktor Dr. Gerhard Lukas wieder gegründet, der ab 1952 den ersten Lehrstuhl für Körpererziehung in Deutschland innehatte. 1949 wurde die HSG Universität Halle (HSG Geschwister Scholl) gegründet.

Auch das deutsche Gerätturnen erfuhr in dieser Region wesentliche Impulse. Ulrike Semlow (Dix) - eine der stärksten Turnerinnen der sechziger Jahre - fand in der Zeitung
"LDZ" (vom 3. Juli 1964) - dem Organ der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands in Halle - den folgenden Artikel, der die Anfänge des Gerätturnens in den fünfziger/sechziger Jahren beschreibt.
(Die Bilder dazu stammen vom Traditionstreffen am letzten Wochenende, das GYMmedia in Halle besuchte. )

 

"Die Übung ihres Lebens möglich?"

Etwas über die Entwicklung des halleschen Frauenturnens
(gefunden in der LDZ, Halle vom 3.Juni 1964)

LDZ, 3.6. 1964 ---: In wenigen Tagen finden in Halle erstmalig Deutsche Meisterschaften im Frauenturnen statt. Es wird zugleich jene Mannschaft ausgeturnt, die im Juli zur Ausscheidung gegen Westdeutschland antreten wird. Wir hegen keinen Zweifel daran, dass alle guten Turnerinnen aus der DDR in Halle am Start sein werden.
Welche halleschen Mädel werden dabei sein? Schauen wir mal auf die Entwicklung des Frauenturnens in der Saalestadt.

Vom Jugendmeister zur Meisterklasse
Es war 1950, als aus Halle zum ersten Mal Turnerinnen in der Oberstufe antraten. Damals gehörten die den älteren Turnfreunden bekannten Turnerinnen Helga Speck (Buchmann), Johanna Geisler (Quaas) und Rosemarie Neutsch (Kirsch) der Turnmannschaft der HSG Wissenschaft Halle an.


Gerhard und Johanna Quaas - langjährige Turntrainer in Halle.
Johanna ist heute als Deutsche Seniorenmeisterin 2000 die wohl "fitteste Turnoma Deutschlands".

Mit der Gründung des SC Wissenschaft hatte Halle auch eine leistungsstarke Mannschaft der Meisterklasse, aber nicht lange, denn Helga Speck ging nach Berlin, um sich dort erfolgreich weiterzuentwickeln, und Johanna Geisler (Quaas) begann sich dem halleschen Nachwuchs zu widmen. Sie legte den Grundstein und führte mit dem nach Halle gekommenen Trainer Siegfried Bräutigam die Mädchenmannschaft 1957 zum "Deutschen Jugendmeister". Schon damals treffen wir in den Siegerlisten auf die Namen: Bärbel Dix (Stolz), Bärbel Stiller (Leirich). Zu diesem Zeitpunkt machten Christel Felgner (Wunder) und Heide Holl (Hofmann) erste "Gehversuche" in der Kinderabteilung Wissenschaft Halle.
In zielgerichteter Arbeit entwickelten Johanna Geisler-Quaas und Siegfried Bräutigam die ehemaligen Jugendmeister zu Turnerinnen der Meisterklasse, die bei den Deutschen Meisterschaften 1960 bereits Plätze im Mittelfeld belegten.. Schon 1961 trug die harte Trainingsarbeit erste Früchte. Halles Turnerinnen turnten sich mit dem 2. Platz im FDGB-Pokal-Endkampf in die Elite der DDR: Berlin und Leipzig.

Halle wird Olympiaschwerpunkt
Erst zu diesem Zeitpunkt wurden für die hallesche Turnsektion im inzwischen gegründeten SC Chemie Halle bessere Bedingungen geschaffen, denn bis dahin wurde bei Hallenbelegung von 5 bis 6 Trainingsgruppen (Moritzburg und ARS-Turnhalle) und grundsätzlich in den vom physiologischen Standpunkt ungünstigen Abendstunden (18-22 Uhr) trainiert. Wenn auch heute noch Mängel in der gut eingerichteten Jahnturnhalle (sanitäre Anlagen) zu beanstanden sind, so wissen die halleschen Turnerinnen doch für die gute Unterstützung unseres Staates zu danken.


Barbara Stolz-Dix, (rechts, beim Betrachten von Fotos. Sie war Mitglied der Olympiariege 1964 in Tokio (4.Platz)

Auf Grund der Erfolge des halleschen Frauenturnens wurde die Sektion Turnen im SC Chemie 1962 zum Olympiaschwerpunkt ernannt und den vier Olympiakadern Stolz, Felgner, Leirich, Hofmann volle Unterstützung zuteil.
Besonders zu erwähnen ist, dass hallesche Turnerinnen an der Kinder- und Jugendsportschule "groß" geworden sind, bzw. in den Nachwuchsabteilungen des Clubs entwickelt wurden.


Christel Wunder-Felgner - heute fitnessbewusste aktive Sportlehrerin in Halle-Neustadt

In der Nationalmannschaft
Bei den Deutschen Meisterschaften des Vorjahres (1963) belegten unsere Turnerinnen ausnahmslos Plätze im Vorderfeld: Stolz (6.), Leirich (11.), Felgner (12.). LDPD-Parteifreundin Barbara Stolz wurde in allen Wettkämpfen der Nationalriege eingesetzt und konnte sich entscheidend verbessern. Ihre nennenswerten Stationen: China, Schweden, Rumänien, Bulgarien. Auch Christel Felgner, die im vergangenen Jahr (1963) mehrmals verletzt war, hat in diesem Jahr sehr stabile Leistungen gezeigt, insbesondere beim Turnier in Krakau (5.Platz), gegen die Sowjetunion, bei den Studentenmeisterschaften und jetzt gegen Bulgarien.

.... und nun?
In interessanten Wettkämpfen gegen den SC Leipzig, Dynamo Berlin, Stiintea Bukarest und gegen die Auswahl Mittelböhmens konnte sich das hallesche Turnpublikum vom Leistungsstand des Frauenturnens in Halle überzeugen. Leider war der Mannschaft noch kein (!) Start im Ausland vergönnt. Das wirke sich nachteilig auf die Wettkampfstärke aus.
Als erfolgreichste Nachwuchsturnerinnen können, neben Beate Bartsch und Ulrike Dix, Karla Holl und Sabine Rudolph genannt werden, die im Wettkampf gegen Mittelböhmen erstmals eingesetzt waren. Die Nachwuchsarbeit liegt in den Händen der Lehrer der KJS (Erika Dechant, Götz-Michael Glitscher) und der Clubtrainerin Gisela Zimmermann und Heini Hölperl.
Johanna Quaas schätzt den Leistungsstand im Hinblick auf die Meisterschaften wie folgt ein: "Stolz und Felgner haben unbedingt die Aussicht auf Plätze 6 bis 8 zu kommen. Welche der beiden Turnerinnen den besseren Platz belegen wird, das hängt von der Tagesform ab, aber Christel Felgner brilliert durch bessere akrobatische Verbindungen und zählt im Pferdsprung zu den besten Turnerinnen der DDR."

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Gruppenfoto aller Teilnehmer

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Rechts: Die "Leirich"-Riege

Gerade die halleschen Turnerinnen hatten bei Deutschen Meisterschaften bisher immer einen schweren Stand, um sich durchsetzen zu können. Ohne das Wertungssystem im Gerätturnen polemisieren zu wollen - (es gibt noch kein anderes, trotz vieler Bemühungen in aller Welt)- ist es keine Frage, dass subjektive Faktoren bei der Bewertung von Übungen nicht ausgeschlossen werden können. Um es deutlicher auszudrücken: Die Mehrzahl der Kampfrichterinnen kommt aus Berlin und Leipzig. Halle stellte zu Deutschen Meisterschaften bisher noch  k e i n e   Kampfrichterin. Uns bleibt nur noch übrig zu sagen: Wir wünschen unseren Turnerinnen, dass der große Sprung in die Olympiaauswahl gelingen möge und dass die helleschen Turnanhänger am 6. und 7. Juni von den Chemie-Turnerinnen "die Übungen ihres Lebens" sehen werden.  (Artikel in der LDZ, Halle vom 3. Juni 1964) 
* Quelle:
LDZ, Halle vom 3.Juni 1964)


Heute am Tresen:
Lutz Mack

Das Traditionstreffen 2001
der Turnpioniere der ersten Stunde klang in den den ehemaligen "Grün's Weinstuben" aus - erste lukullische Adresse in der Rathausstrasse zu Halle und geführt - natürlich von einem Turner, von Lutz Mack, dem Kapitän der Olympiariegen der DDR 1976/80.


Verabredet wurde ein künftiges Treffen der Sechziger-Achtziger Jahre, wo hallesche Athleten nicht nur Meistertitel errangen sondern zu internationalem Ruhm gelangen.
Also: Fortsetzung folgt!
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