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"Die
Übung ihres Lebens möglich?"
Etwas über die
Entwicklung des halleschen Frauenturnens
(gefunden in der LDZ, Halle vom 3.Juni 1964) |
LDZ, 3.6. 1964 ---: In wenigen Tagen finden
in Halle erstmalig Deutsche Meisterschaften im Frauenturnen statt. Es
wird zugleich jene Mannschaft ausgeturnt, die im Juli zur Ausscheidung
gegen Westdeutschland antreten wird. Wir hegen keinen Zweifel daran,
dass alle guten Turnerinnen aus der DDR in Halle am Start sein werden.
Welche halleschen Mädel werden dabei sein? Schauen wir mal auf die
Entwicklung des Frauenturnens in der Saalestadt.
Vom Jugendmeister zur
Meisterklasse
Es war 1950, als aus Halle zum ersten Mal Turnerinnen in der Oberstufe
antraten. Damals gehörten die den älteren Turnfreunden bekannten
Turnerinnen Helga Speck (Buchmann), Johanna
Geisler (Quaas) und Rosemarie Neutsch
(Kirsch) der Turnmannschaft der HSG Wissenschaft Halle an.
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Gerhard und Johanna Quaas -
langjährige Turntrainer in Halle.
Johanna ist heute als
Deutsche Seniorenmeisterin 2000 die wohl "fitteste Turnoma
Deutschlands".
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Mit der Gründung des
SC Wissenschaft hatte Halle auch eine leistungsstarke Mannschaft
der Meisterklasse, aber nicht lange, denn Helga Speck ging nach
Berlin, um sich dort erfolgreich weiterzuentwickeln, und Johanna
Geisler (Quaas) begann sich dem halleschen Nachwuchs zu
widmen. Sie legte den Grundstein und führte mit dem nach Halle
gekommenen Trainer Siegfried Bräutigam die
Mädchenmannschaft 1957 zum "Deutschen Jugendmeister".
Schon damals treffen wir in den Siegerlisten auf die Namen:
Bärbel Dix (Stolz), Bärbel Stiller (Leirich). Zu diesem
Zeitpunkt machten Christel Felgner (Wunder) und Heide Holl
(Hofmann) erste "Gehversuche" in der Kinderabteilung
Wissenschaft Halle. |
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In zielgerichteter Arbeit entwickelten Johanna
Geisler-Quaas und Siegfried Bräutigam die ehemaligen
Jugendmeister zu Turnerinnen der Meisterklasse, die bei den
Deutschen Meisterschaften 1960 bereits Plätze im Mittelfeld
belegten.. Schon 1961 trug die harte Trainingsarbeit erste
Früchte. Halles Turnerinnen turnten sich mit dem 2. Platz im
FDGB-Pokal-Endkampf in die Elite der DDR: Berlin und Leipzig. |
Halle wird
Olympiaschwerpunkt
Erst zu diesem Zeitpunkt wurden für die hallesche Turnsektion im
inzwischen gegründeten SC Chemie Halle bessere Bedingungen geschaffen,
denn bis dahin wurde bei Hallenbelegung von 5 bis 6 Trainingsgruppen
(Moritzburg und ARS-Turnhalle) und grundsätzlich in den vom
physiologischen Standpunkt ungünstigen Abendstunden (18-22 Uhr)
trainiert. Wenn auch heute noch Mängel in der gut eingerichteten
Jahnturnhalle (sanitäre Anlagen) zu beanstanden sind, so wissen die
halleschen Turnerinnen doch für die gute Unterstützung unseres Staates
zu danken.
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Barbara Stolz-Dix,
(rechts, beim Betrachten von Fotos. Sie war Mitglied der
Olympiariege 1964 in Tokio (4.Platz) |
Auf Grund der Erfolge
des halleschen Frauenturnens wurde die Sektion Turnen im SC Chemie
1962 zum Olympiaschwerpunkt ernannt und den vier Olympiakadern
Stolz, Felgner, Leirich, Hofmann volle Unterstützung zuteil.
Besonders zu erwähnen ist, dass hallesche Turnerinnen an der
Kinder- und Jugensportschule "groß" geworden sind, bzw.
in den Nachwuchsabteilungen des Clubs entwickelt wurden.
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Christel Wunder-Felgner -
heute fitnessbewusste aktive Sportlehrerin in Halle-Neustadt
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In
der Nationalmannschaft
Bei den Deutschen
Meisterschaften des Vorjahres (1963) belegten unsere Turnerinnen
ausnahmslos Plätze im Vorderfeld: Stolz (6.), Leirich (11.),
Felgner (12.). Parteifreundin Barbara Stolz wurde in allen
Wettkämpfen der Nationalriege eingesetzt und konnte sich
entscheidend verbessern. Ihre nennenswerten Stationen: China,
Schweden, Rumänien, Bulgarien. Auch Christel Felgner, die im
vergangenen Jahr (1963) mehrmals verletzt war, hat in diesem Jahr
sehr stabile Leistungen gezeigt, insbesondere beim Turnier in
Krakau (5.Platz), gegen die Sowjetunion, bei den
Studentenmeisterschaften und jetzt gegen Bulgarien. |
.... und nun?
In interessanten Wettkämpfen
gegen den SC Leipzig, Dynamo Berlin, Stiintea Bukarest und gegen die
Auswahl Mittelböhmens konnte sich das hallesche Turnpublikum vom
Leistungsstand des Frauenturnens in Halle überzeugen. Leider war der
Mannschaft noch kein (!) Start im Ausland vergönnt. Das wirke sich
nachteilig auf die Wettkampfstärke aus.
Als erfolgreichste Nachwuchsturnerinnen können, neben Beate Bartsch und
Ulrike Dix, Karla Holl und Sabine Rudolph genannt werden, die im
Wettkampf gegen Mittelböhmen erstmals eingesetzt waren. Die
Nachwuchsarbeit liegt in den Händen der Lehrer der KJS (Erika Dechant,
Götz-Michael Glitscher) und der Clubtrainerion Gisela Zimmermann und
Heini Hölperl.
Johanna Quaas schätzt den Leistungsstand im Hinblick auf die
Meisterschaften wie folgt ein: "Stolz und Felgner haben unbedingt
die Aussicht auf Plätze 6 bis 8 zu kommen. Welche der beiden
Turnerinnen den besseren Platz belegen wird, das hängt von der
Tagesform ab, aber Christel Felgner brilliert durch bessere akrobatische
Verbindungen und zählt im Pferdsprung zu den besten Turnerinnen der DDR."
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Gruppenfoto aller Teilnehmer
(Für große Fotos, diese bitte anklicken) |
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Rechts: Die "Leirich"-Riege |
Gerade die halleschen Turnerinnen hatten
bei Deutschen Meisterschaften bisher immer einen schweren Stand, um sich
durchsetzen zu können. Ohne das Wertungssystem im Gerätturnen
polemisieren zu wollen - (es gibt noch kein anderes, trotz vieler
Bemühungen in aller Welt)- ist es keine Frage, dass subjektive Faktoren
bei der Bewertung von Übungen nicht ausgeschlossen werden können. Um
es deutlicher auszudrücken: Die Mehrzahl der Kampfrichterinnen kommt
aus Berlin und Leipzig. Halle stellte zu Deutschen Meisterschaften
bisher noch k e i n e Kampfrichterin. Uns bleibt nur noch übrig zu sagen: Wir
wünschen unseren Turnerinnen, dass der große Sprung in die
Olympiaauswahl gelingen möge und dass die helleschen Turnanhänger am
6. und 7. Juni von den Chemie-Turnerinnen "die Übungen ihres
Lebens" sehen werden. (Artikel in der LDZ, Halle vom 3. Juni
1964)
* Quelle:
LDZ, Halle vom 3.Juni 1964)

Heute am Tresen:
Lutz Mack |
Das
Traditionstreffen 2001
der Turnpioniere der ersten Stunde
klang in den den ehemaligen "Grün's Weinstuben" aus
- erste lukullische Adresse in der Rathausstrasse zu Halle und
geführt - natürlich von einem Turner, von Lutz Mack,
dem Kapitän der Olympiariegen der DDR 1976/80. |

Verabredet wurde ein künftiges Treffen der
Sechziger-Achtziger Jahre, wo hallesche Athleten nicht nur
Meistertitel errangen sondern zu internationalem Ruhm
gelangen.
Also: Fortsetzung folgt! |
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