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Maxi Gnauck bei
der Namensgebung der Talenteschule
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Die
Vergangenheit hängt sorgfältig archiviert hinter Glas
im Treppenhaus.
Fotos von Maxi Gnauck, 1980 Olympiasiegerin am Stufenbarren, fünffache
Welt- und Europameisterin. Die letzten Bilder stammen aus dem
April vergangenen Jahres, als Maxi Gnauck hier, in der
Frauenturnhalle des Sportforums in Hohenschönhausen, die nach
ihr benannte Talentschule einweihte.
Die Ausstattung der Sporthalle ist immer noch hervorragend.
Doch zuletzt blieben die Erfolge aus. Eine olympische
Medaillengewinnerin im Turnen hat Berlin schon lange nicht
mehr hervorgebracht. Nicht nur die Turner gingen in der
Vergangenheit immer öfter leer aus, auch in den anderen
Kernsportarten Schwimmen und Leichtathletik gab es in Athen
keinen Olympiasieg. |
Der deutsche
Sport droht insgesamt den Anschluss zu verpassen. 1992
waren es noch 33 Goldmedaillen, im vergangenen Jahr nur noch 13. Der
Landessportbund (LSB) Berlin hat nun die Konsequenz aus dem schlechten
Abschneiden gezogen. Das LSB-Präsidium hat entschieden, die Zahl der
Sportarten, die für die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in
Peking 2008 eine optimale Förderung erhalten, in Berlin von 21 auf 16
zu reduzieren. Heute will der LSB die Öffentlichkeit über die neue
Spitzensportförderung informieren.
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Berliner Welt-Turnlegenden: Janz
- Gnauck - Radochla (v.l.n.r.)
mit Nachwuchsturnerinnen 2005
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Die Folgen für
die betroffenen Disziplinen sind hart.
Frauenturnen gehört nicht mehr zu den geförderten
Sportarten, ebenso wie Eiskunstlauf, Gewichtheben, Boxen und Schießen.
Im vergangenen Jahr arbeiteten im Nachwuchszentrum der Turnerinnen
noch vier Trainer. Nun ist Steffen Gödicke
der einzige hauptamtliche Übungsleiter in der 50 mal 25 Meter großen
Halle. 15 Turnerinnen trainieren hier, die meisten sind zwischen neun
und vierzehn Jahre alt. „Turnen erfordert viel individuelles
Training“, sagt Gödicke, „das kann ich allein gar nicht
leisten.“
Jochen Zinner, Leiter des
Olympiastützpunkts Berlin, hat Verständnis für die Enttäuschung
der Betroffenen. „Man kann nicht mit dem Beifall der Sportarten
rechnen, die wegfallen“, sagt der frühere Wasserballer. „Die
machen ja gute Arbeit.“ Dennoch ist er von der Richtigkeit der
Entscheidung überzeugt: „Wir wollen uns auf die Leuchttürme
konzentrieren“, sagt er. Denn für die Vorbereitung auf die
Sommerspiele 2008 investieren nicht nur die Chinesen, sondern alle
asiatischen Staaten. „Wenn wir nicht aufpassen, dann werden wir
in Peking gewaltige Probleme bekommen“, fürchtet Zinner.
Deshalb müsse man die „besten Leute bei den besten Trainern
unter besten Bedingungen zusammenführen“. Und das sei eben
nicht mehr mit allen Sportarten zu machen. Manchen Athleten wird
deshalb nichts anderes übrig bleiben, als in eine andere Stadt zu
ziehen.
Doch in dem föderalen System der Sportförderung ist das nicht immer
einfach. Auch Berlins Sportsenator Klaus Böger
sagt: „So wichtig die Landessportbünde für uns sind, müssen
wir darauf achten, dass zu viel Föderalismus nicht unser Potenzial
schmälert. Die Länder und die Landessportbünde müssen in dieser
Frage stärker zusammenarbeiten.“ Bisher gab es in Deutschland
157 Bundesstützpunkte, diese Zahl soll nun verringert werden. Doch
gerade kleineren Verbänden fällt es oft schwer, ihre Spitzensportler
ziehen zu lassen.
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Wulf Dahlhöfer,
Steffen Gödicke
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Steffen
Gödicke hofft, überhaupt den Betrieb aufrecht erhalten zu können.
„Wir müssen die Chance haben, wieder
aufzusteigen.“
Stützpunktleiter Zinner beruhigt: „Es will ja
niemand die Sportart abschaffen. Die Vereine, die Schulen
sollen weiter turnen. Sie sind nur nicht mehr im aller ersten
Blickfeld.“ Für Ausnahmetalente, werde man „immer
eine Lösung finden“.
Im Sportforum in Hohenschönhausen
ist die Verunsicherung allerdings groß. Wulf
Dahlhöfer, Sportkoordinator der nahen
Werner-Seelenbinder-Schule, macht sich Sorgen um den
Nachwuchs.
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Die
Zahl der in die Sporteliteschule eingeschulten Kinder sei rückläufig,
sagt er. „Wenn wir nicht aufpassen, dann könnte den
Schwerpunktsportarten dasselbe passieren wie jetzt dem
Turnen.“
(Quelle: Tagesspiegel vom
15.April 2005; Fotos und Hervorhebungen: GYMmedia)
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