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Nach
überwundenem Halswirbelbruch beendet ein Kreuzbandriss die Karriere.
Es gibt Ereignisse, die sind in höchstem
Maße ungerecht:
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Carina
Hasenöhrl, Österreichs beste Kunstturnerin seit über
vier Jahren,
hatte sich nach ihrem schrecklichen Halswirbelbruch im
vergangenen November entgegen aller Prognosen tatsächlich
wieder in den Hochleistungssport zurück gekämpft.
Beim Comeback-Wettkampf passierte die nächste „Tragödie“
(Nationaltrainerin Johanna Gratt).
Nun stürzte Hasenöhrl beim Abgang vom Schwebebalken und
erlitt einen Kreuzbandriss im rechten Knie.
Die 19jährige
Klagenfurterin: „Mir war augenblicklich klar, dass mein
Olympiatraum endgültig geplatzt ist und das jetzt mein
Karriereende“.
Der neuerliche Unfall passierte bei den holländischen
Meisterschaften bereits
vor genau einem Monat am 16. Juni.
Hasenöhrl: „Ich mache meinen Rücktritt erst heute öffentlich,
weil ich diese Zeit gebraucht habe, um meine Gedanken zu ordnen
und über die große Enttäuschung hinweg zu kommen“.
( >> Carina
Hasenöhrls Rücktritts-Erklärung)
In der Zwischenzeit bestand Carina Hasenöhrl in Alkmaar,
ihrer Trainings-Wahlheimat der letzten Jahre, auch die Matura
mit einem sehr guten Zeugnis, nahm Abschied von allen Freunden
und übersiedelte zurück nach Hause nach Klagenfurt. |
Unvollendete
Sportkarriere einer Ausnahme-Persönlichkeit.
Österreichs
ununterbrochene Ranglisten-Spitzenreiterin seit 15. Juli 2003:
„Nach meinem schweren Trainingsunfall am 7. November des letzten
Jahres und dem dabei erlittenen Halswirbelbruch war ich schon sehr nahe
am Rücktritt. Aber dann kam die Europameisterschaft in Amsterdam und
ich war als Reporterin des ÖFT wieder mitten im Geschehen. Da hat mich
der Virus der Begeisterung für diesen faszinierenden Sport wieder voll
befallen. Der Halswirbelbruch war toll verheilt, seit April konnte ich
wieder voll trainieren. Mein Ziel war klar: Qualifikation für die WM
Anfang September in Stuttgart, die wiederum die einzige Qualifikationsmöglichkeit
für Peking 2008 ist. Denn die Olympischen Spiele waren schließlich das
große Ziel, für das ich alle diese Strapazen auf mich genommen
hatte“.
Der
Olympiatraum Hasenöhrls – für den
die nicht nur sportliche Ausnahmeerscheinung bereits 2001 als erst 13jährige
mutterseelenallein, gegen alle (elterlichen…) Widerstände und ohne
Sprachkenntnis nach Rumänien übersiedelt war, um in der dortigen
Weltspitzen-Kaderschmiede Deva optimale
Trainingsmöglichkeiten zu erhalten – bleibt unerfüllt.
Später erfolgte dann Anfang 2004 der Wechsel ins niederländische
Turnzentrum nach Aalkmaar. „Obwohl
mein Formaufbau perfekt war. Von Tag zu Tag merkte ich Fortschritte und
ich spürte förmlich, wie ich mich meiner Bestform näherte. Am 16.
Juni standen die holländischen Meisterschaften an, der ideale Zeitpunkt
für mein Comeback. Leider hat der schönste Tag meines Lebens nur bis
zum ersten Gerät gedauert. Nach einer stabilen Kür habe ich den
Absprung zur Landung nicht optimal erwischt, landete zu tief und das
Kreuzband war gerissen“.
Sarkastischer
inoffizieller Nachsatz: „Entweder
habe ich in einem früheren Leben irgendetwas Grauenhaftes angestellt, für
das ich jetzt bestraft werde … oder es soll einfach nicht sein.
Ich war
wirklich gut unterwegs und hätte das WM-Limit locker geturnt. Und
vor allem: Ich
hatte enormen Spaß an der Sache, ich hab’ mich noch nie so auf einen
Wettkampf gefreut wie auf diesen. Ich war total relaxed
und irrsinnig in Form“.
Ab
Herbst Chemiestudium in Graz
Carina
Hasenöhrl verzichtet(e) auch wegen der Matura auf eine Operation,
versucht ihr verletztes Knie mittels intensiver täglicher
Physiotherapie und konservativen Rehabilitationsmaßnahmen zu heilen:
„Dem Knie geht es gut, der Moral nicht. Ab Freitag fliege ich mit
meinem Bruder für zwei Wochen auf Urlaub in die Türkei. Im September
werde ich zwei Wochen in Rumänien verbringen – eine am Meer und eine,
um mich quer durch das Land bei allen zu bedanken, die ich dort kennen
gelernt habe. Im Herbst starte ich in Graz mit dem Chemiestudium. Mein
Ziel ist es, später als Wissenschafterin im Laborbereich, vielleicht in
der Medikamentenentwicklung zu arbeiten. Ich habe zwar immer gesagt,
dass ich nie-nie-nie Trainerin werden möchte.
Aber zuletzt habe ich in Holland begonnen, mit Kindern zu trainieren,
und das hat mir überraschend großen Spaß gemacht“.
Die Chancen stehen also gut, dass Carina Hasenöhrl dem Turnen erhalten
bleibt. Graz darf sich freuen…
Eine
Karriere in Stichworten:
-
10
österreichische Staatsmeistertitel (1x 2006, je 3x
2004 und 2005, 2x 2002, 1x 2001)
-
7
weitere österreichische Meistertitel in Nachwuchsklassen zu
Karrierebeginn.
-
Mehrere
holländische Meistertitel und internationale Meeting-Siege.
-
5.
Platz beim Weltcup 2005 in Glasgow.
-
EM-Finalistin
2005 in Debrecen.
-
3x
WM-Teilnahme (2006, 2005, 2003) und 2x EM (2005, 2004; freiwilliger
Verzicht 2006).
-
2001
bis 2003 Training in Rumänien, nach Auflösung der Trainingsgruppe
ab 2004 in Holland;
-
Pausenlose
Nr. 1 der ÖFT-Kunstturn-Rangliste vom
15. Juli 2003 bis (voraussichtlich) 15. November 2007.
Was
man zwischen den Zeilen heraus lesen muss:
Carina
Hasenöhrls Turnkarriere ist eine sehr
tragisch unvollendete. Sie wählte schon als kleines Mädchen alles
andere als den „typisch österreichischen“ Weg, suchte nie den
schnellen oder plakativen Erfolg, sondern stets die steinigste Route.
Wer als 13jährige danach drängt, nach Deva/Rumänien
an den wahrscheinlich härtesten Trainingsstandort Europas zu ziehen und
dies dann auch jahrelang kompromisslos durchzieht, ist nicht nach
„normalen rotweißroten“ Leistungssport-Maßstäben zu messen.
Hasenöhrl
besitzt um Klassen die beste turnerisch-technische Grundschule, die
es je in Österreich gegeben hat.
Bei der WM im Oktober 2006 in Aarhus
schien der Return on Investment zu beginnen. Sie wurde zwar (wegen
zweier Auftaktstürze vom Balken) „nur“ 46. (unter 225 Turnerinnen
aus 51 Ländern, 16.-beste Einzelnote am Gerät Sprung), platzte aber
vom sportlichen Leistungsvermögen mit ihrer Allrounder-Performance für
alle Insider offensichtlich mitten in die Champions League
des Weltturnens. Ein perfekter Wettkampf hätte ca. Platz 20 in der
bereits sehr dünnen Luft einer WM mit allen Hochkarätern
dieses Weltsports ergeben (wobei Hasenöhrl als Mitglied eines
Spitzenteams wie USA, China oder Russland zweifelsfrei noch das eine
oder andere Zehntel zusätzlich gescort hätte,
das ist im Turnen leider so).
Der
Autor dieser Zeilen hat noch nie zuvor erlebt, dass russische oder
chinesische Konkurrentinnen bei WM-Küren einer Österreicherin plötzlich
sehr aufmerksam zusehen und am Ende offensichtlich beeindruckt
applaudieren. Im Oktober 2006 in Aarhus war es so weit, Carina Hasenöhrl
auf dem Niveau der Stars der Weltszene angekommen. Drei Wochen später
passierte im Training in Holland der Halswirbelbruch.
Der Bau des höchsten Turms auf dem stärksten Fundament wurde in
mittleren Höhen abgebrochen…
Abs.:
Österreichischer Fachverband für Turnen (ZVR-Zahl 855650079),
Sportkoordinator Mag.
Robert Labner
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>> STARS
& STORIES
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