update: 30-JAN-03

Cottbus/Germany

 

Turnier der Meister droht Absage

Finanzprobleme  des Cottbuser Turn-Weltcup sind noch immer ungelöst

 
Einer der weltweit renommiertesten Turn-Wettbewerbe  mit einer Vierteljahrhundert-Tradition 
- das "Turnier der Meister" in Cottbus mit Weltcup-Status - ist akut in seiner Existenz bedroht!
Die 27. Auflage dieses Turnklassikers droht mangels ausreichender Finanzmittel und Differenzen um den Austragungsort mehr denn je eine Absage.
Lesen Sie hierzu einen Bericht der LAUSITZER RUNDSCHAU:
 

Turnierdirektor Sylvio Kroll verbringt mittlerweile schlaflose Nächte. Grund: Im Turnieretat 2003, der sich nach neuen Berechnungen auf 147 000 Euro für die dreitägige Weltcup-Veranstaltung beläuft, klafft nach Angaben von Kroll weiterhin eine Lücke von rund 18 500 Euro.


Sylvio Kroll

Nachverhandlungen mit ORB-Intendant Hans-Jürgen Rosenbauer über eine Reduzierung der Fernseh-Produktionskosten (etwa 34 000 Euro) und Gespräche mit dem Land Brandenburg über einen höheren Zuschuss blieben bisher erfolglos.
Der Deutsche Turner-Bund (DTB) sieht sich nicht in der Lage, mehr als die vereinbarten 61.500 Euro beizusteuern. 
«Der Zuschuss des DTB übersteigt ebenfalls schon die Schmerzgrenze» , sagte gestern Dieter Kirkamm, Referent Leistungssport beim Deutschen Turner-Bund (DTB). 

Die Stadt Cottbus – seit 1997 Ausrichter – ist angesichts der angespannten Haushaltslage außer Stande, das Turnier wie in der Vergangenheit zu unterstützen. Der Zuschuss aus den Sportfördermitteln sinkt von 41 000 Euro für 2002 auf 15 000 Euro in 2003. Oberbürgermeisterin Karin Rätzel machte gestern nochmals deutlich, dass es hier keinen weiteren Spielraum gebe.
Rätzel für Umzug in Lausitz-Arena
Der aus Kostengründen geplante Umzug von der angestammten Austragungsstätte Stadthalle in die neue Lausitz-Arena (RUNDSCHAU berichtete) stößt zudem nicht überall auf offene Arme. Aus der DTB-Zentrale in Frankfurt/M. gibt es Signale, die wünschen, an der Stadthalle festzuhalten – im übrigen sei dies bei einer Zusammenkunft aller Beteiligten im Oktober 2002 so besprochen worden. «Das Turnier der Meister ist ein Traditionsturnier. Die Stadthalle hat 23 Jahre ein gutes, arteigenes Ambiente und mit der Unterbringung der Athleten im benachbarten Hotel ideale Bedingungen geboten» , erklärte Dieter Kirkamm.
Mit der Lausitz-Arena als Standort für das geplante Turnier der Meister ist für die Stadt Cottbus das letzte Wort gesprochen, sagte dagegen Oberbürgermeisterin Karin Rätzel gestern. Denn wenn das Turnier in der Stadthalle ausgetragen würde, müsste die Congress, Messe & Touristik GmbH das wirtschaftliche Risiko tragen. Das hält die Oberbürgermeisterin für nicht vertretbar. Mit der Lausitz-Arena verfüge die Stadt über eine attraktive Einrichtung für große Sportereignisse. «Zu diesem Zweck wurde sie ja gebaut.» Sollte der Turnerbund den Austragungsort Stadthalle zur Bedingung machen, «dann» , so Oberbürgermeisterin Rätzel, «müssen wir das bedauernd zur Kenntnis nehmen» .
Der Organisationsstab und die Macher vom SC Cottbus Turnen und TV Cottbus 1861 hoffen dagegen weiter, dass das 27. Turnier der Meister – es wäre im übrigen zum 25. Mal in der Stadt Cottbus – ausgetragen werden kann. «Die rund 130 ehrenamtlichen Helfer würden zur Rettung sogar auf die in der Vergangenheit gewährte Helfer-Entschädigung in Höhe von zusammen 5.000 Euro verzichten» , sagte Reinhard Rau, Sportkoordinator des SCC. Rau machte aber klar, dass der Verein nicht ins finanzielle Risiko treten kann: «Unsere Möglichkeiten sind vollständig ausgeschöpft. Im übrigen haben wir genügend eigene Aufgaben als Sportverein.»

Die Zeit läuft davon
Sieben Wochen vor der ersten Übung steht das traditionsreiche «Turnier der Meister» damit weiter vor einem gordischen Knoten, den es zu zerschlagen gilt. Trotz diverser Einsparungen wie dem Umzug fehlen weiter etwa 20 000 Euro zur Durchführung. Und mittlerweile arbeitet auch die Zeit gegen die Macher. «Bis zum 4. Februar müssen die Weichen gestellt werden, sonst» , so Rau, «wird es in diesem Jahr kein Turnier in Cottbus geben.»

Von Thomas Juschus
und Klaus Alschner  Artikel vom 30.01.2003 

 (Fotos und Hervorhebungen: gymmedia)

>> 27. Turnier der Meister 2003

>> Cottbus und Leipzig ringen um das Turnier (Nachbetrachtung der LAUSITZER RUNDSCHAU vom 25. März 2003)

Do, 30-Jan-2003: ... erste Reaktionen aus der Region:
(Quelle: LR-ONLINE-FORUM, Sport)
Geht denn nun bei uns so langsam alles kaputt, was in langer Zeit, mit Engagement und Hartnäckigkeit und Klasse aufgebaut wurde. Wozu finden denn dann noch Politikerwechsel statt, wenn sich nichts zum Guten wandeln lässt??!! 
Die Folgen auch für den Sport sind längst sichtbar: Die Top-Athleten wandern ab oder werden abgezogen. Die Nachwuchsarbeit verliert ihre Vorbilder und Motivationen....
Der Sport als soziales Gefüge für sinnvolles Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen verliert weitere Strukturen... und ob das nur an der Lausitzer Region liegt, das wage ich auch zu bezweifeln! 
Sollte hier ein 5-Millionen-Verband - der weltgrößte Turnverband und zweitgrößte Sportverband im Lande, wie man immer so schön liest - mal wieder sein Unvermögen beweisen...?
Auch die internationale Blamage wird nicht unerheblich sein und die fällt in erster Line im vor-olympischen Jahr nicht in erster Linie auf uns Lausitzer zurück. Der deutsche Verband hat sich um eine WM beworben,
dieses Land will Olympische Spiele....?
Es ist schlichtweg eine Katastrophe.
Adolf Gehrkes, Cottbus 

(Quelle: LR-ONLINE-FORUM, Sport)

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