update: 13-JAN-2004

PRESSESPIEGEL / Köln

Leichtes Spiel mit der Schwerkraft
- Peter Brüggemann freut sich über die Ehre, als usbekischer Nationaltrainer zu fungieren -

- von Susanne Rohlfing, Kölner Stadtanzeiger -

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Nun auch offiziell ein Gespann: Oksana Tschusowitina und Trainer Peter Brüggemann

Köln - Was birgt die größere Herausforderung: Ein Auto mit 70 km / h über Kölns Straßen zu steuern oder einen Tsukahara gestreckt mit doppelter Schraube am Pferdsprung einzuüben? Die Antwort fällt Oksana Tschusowitina nicht schwer. Die usbekische Turnerin ist in ihrer Heimatstadt Taschkent nie schneller als 40 km / h gefahren. Nicht etwa, weil das verboten wäre. „Nein, ich hatte Angst“, sagt sie. Autofahren in Usbekistan sei sehr viel „interessanter“ als in Deutschland, „da gibt es nämlich keine Regeln“.

Zurzeit nimmt die seit anderthalb Jahren in Köln lebende Athletin Fahrstunden, um sich ihren usbekischen Führerschein anerkennen zu lassen. Die ungewohnten Geschwindigkeiten sind daher im Leistungszentrum der Turner an der Deutschen Sporthochschule Köln häufiger ein Thema, als die Aufstockung ihrer Pferdübung. Die Turnerei folgt den bekannten Regeln der Schwerkraft. Und damit kennt sich Oksana Tschusowitina besser aus als die meisten Athletinnen. Bereits 1991 wurde sie im Alter von 15 Jahren zum ersten Mal Weltmeisterin. Mit einem Tsukahara gestreckt und anderthalbfacher Schraube holte sich die 28-jährige Olympiasiegerin von 1992 im Sommer im amerikanischen Anaheim erneut einen WM-Titel. Eine halbe Schraube mehr soll ihr Sicherheit für ihre vierten Olympischen Spiele geben. „Die Konkurrenz schläft nicht“, sagt sie und erinnert daran, dass sie beim Weltcup in Stuttgart mit ihrem WM-Sprung nur Zweite hinter ihrer Dauerkonkurrentin Elena Samolodschikowa aus Russland wurde.

Als Oksana Tschusowitina nach Köln kam, um ihren leukämiekranken Sohn Alisher (4) adäquat behandeln zu lassen, verließ die Ausnahmeathletin neben der Heimat auch ihre usbekische Trainerin Swetlana Kusnetzowa. Den Kontakt zu den Kölner Trainern Shanna Poljakowa und Peter Brüggemann hatte sie seit 1997 durch ihre Starts bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften für das Turnteam Toyota Köln bereits geknüpft. Im letzten Jahr begleitete Brüggemann Tschusowitina zur WM und zu einigen Weltcups.

In dieser Saison soll diese Zusammenarbeit nicht länger inoffiziell bleiben.
„Ich werde wohl die Ehre haben, als usbekischer Nationaltrainer aufzutreten“, sagt Brüggemann und lacht. Er arbeitet mit Tschusowitina an ihrer zusätzlichen halben Schraube am Pferdsprung, und er hält sie fest, wenn sie sich am Barren an einer freien Felge mit ganzer Drehung versucht.

Dass die Usbekin ihn nun offiziell als ihren Trainer vorstellen will, freut den einstigen Bundesligaturner. „Das ist wirklich ein Vertrauensbeweis und zeigt, dass sich Oksana wohl bei uns fühlt und gut betreut“, sagt der 51-Jährige. „Nicht nur die mentale Unterstützung ist wichtig. Sie muss sich auch bei der Hilfestellung sicher sein, dass sie gehalten wird.“
Dabei hat der Trainer eine Entdeckung gemacht. Denn offenbar hat Tschusowitina doch nicht nur im Straßenverkehr so etwas wie Angst. Am Barren brauchte sie eine Weile, um sich von Brüggemann zur neuen Bewegung führen zu lassen. Besonders fasziniert den Trainer, dass sie sich „in ihrem Alter und auf ihrem Niveau“ noch mit neuen Dingen beschäftigt, statt sich auf ihrem Können auszuruhen.

Mit Prognosen für ihre vierte Olympiateilnahme hält Tschusowitina sich bei allem Eifer aber zurück: „Da müssen einfach so viele Komponenten zusammenpassen“, sagt sie. Doch ans Aufhören denkt sie offenbar noch lange nicht. Ob sie sich vorstellen könne, auch noch ein fünftes Mal an Olympischen Spielen teilzunehmen? „Ich weiß es nicht“, sagt sie schüchtern.
Susanne Rohlfing
(Quelle:Kölner Stadtanzeiger, 12-Jan-2004;  Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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