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Ist
das Tal der Tränen bereits durchschritten...?
Gedanken nach den Europameisterschaften 2004
- von Eckhard Herholz
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E. Herholz
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Kurioser Weise
fing alles so richtig mit dem Erfolg an - mit dem Olympiasieg des
Andreas Weckers nämlich - bzw. ... hörte damit auf, ...damals, Mitte
der Neunziger.
Spätestens da merkten schon die ersten im Lande: Das könnte wohl der
allerletzte Champion gewesen sein, auf lange Sicht!
Was ist denn, wenn's so einen wie Wecker - als den "Kastanien-aus-dem-Feuer-Holer"
- nicht mehr gibt?
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Der Abstieg...
Und was wurde danach aus Deutschlands Turnerstolz der ersten Hälfte der
Neunziger...?
Es kam, wie's kommen musste:
Der unaufhaltsame Abstieg - statistisch
eindrucksvoll bei Großereignissen zu belegen - und ab der WM 1999 glich
die Talfahrt dann auch bei den Männern nahezu einem freien Fall in die
internationale Bedeutungslosigkeit.....!
Sage keiner, das niemand es wusste oder merkte! Fragt man aber, was
wurde getan, dann glaubt man es nicht: N i c h t s wirklich Strukturelles,
langfristig Wirksames - wenn man mal die hilflosen
Konzentrationsbemühungen mit den übrig gebliebenen Spitzen momentan
und provokanter Weise nur als "Notstandsprogramme" bezeichnet.
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Die Wende...?
Wie aber solch ein herbes Urteil gerade jetzt, wo doch Deutschlands
Turn-Nachwuchs gerade der Zweitbeste hinter den Russen, wo doch ein
fantastischer Fabian Hambüchen der erfolgreichste Turner der jüngsten
JEM war, ...der sich gar mit drei Goldenen dekorierte...?
Es hat sich nämlich immer noch nichts Wesentliches geändert
- trotz
dieser Erfolge nicht.
Engagierte Trainer, talentierte Jungen, die sich für ihre gemeinsame
Sportart den sprichwörtlichen A.... aufreißen, die gibt's in
Deutschland immer noch, wenn auch bedenklich weniger.
- Da hatte Deutschland schon so manchen Juniorenstolz, wie Sergei Pfeifer
('94) - er kam nie (ganz) oben an.
- Da wird soeben ein Dmitri Nonin bereits verabschiedet, der - auch
eingedenk seiner gesundheitlichen Probleme - noch längst nicht hatte
alles ausreizen können, was in ihm steckte.
- Da ist so mancher Athlet auf halbem Wege ausgestiegen, weil er die
letzte Konsequenz des Einsatzes scheute, oft mit der Frage konfrontiert:
Ist es nicht viel wichtiger für mich, sich um die wirklich wichtigen
Dinge des Lebens zu kümmern, als diese Risiken und Eventualitäten
eines so entbehrungsreichen Weges zu einem Turn-Superstar - für den es
nicht die Spur einer Garantie gibt ... und in Deutschland ohnehin als
fast unmöglich erscheint...?
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Die Garantien
Und weil das so ist - müssen Garantien geschaffen werden! Garantien,
die es jungen Männern und deren jetzigen und künftigen Familien s i n
n v o l l erscheinen lässt, sich wirklich das "letzte
Hemd" für den aktuellen - noch besser - für den langfristig
konzipierten künftigen Erfolg aufzutrennen!
Es gibt diese Garantien leider und definitiv immer noch nicht!
Und trotzdem gibt es z.B. mit "Mutter-Vater-Sohn Hambüchen"
(noch) solche
"Hemden-Auftrenner". Diese kleine Mini-Zelle war der
eigentliche Schlüssel des persönlichen, Fabianschen Erfolgs
- oder es gibt jene
Mini-Teams Trainer-Athlet in den Heimatklubs der anderen Turner auch.
Betreiben wir also keine Augenauswischerei ob des Glanzes der
Medaillen!
Bedingungen für Spitzen-Athleten werden zusehends schlechter und
schlechter im Lande.
Die Hoffnungen
Und trotzdem ackert die Basis in Cottbus, Stuttgart, Chemnitz, Berlin
und anderswo und bringt - den widrigsten Umständen zum Trotz - noch
solche klasse Jungs hervor. So ist die Arbeit solcher Trainer wie Horst
Werner (- und Schützling Philipp Boy in Cottbus), Anatoli Jarmowski (-
und Thomas Taranu in Stuttgart), Viktor Schweizer (- in Dillingen mit
Waldemar Eichorn) und Jens Milbradt (- in Berlin mit Brian Gladow)
nicht hoch genug einzuschätzen.
Ebenso wichtig und erfolgreich waren die hervorragend gemachten Jobs der
zu ihrer Zeit nachwuchs-verantwortlichen Trainer Rainer Hanschke, danach
Andreas Hirsch und jetzt die des Jens Milbradt einzuschätzen...
Das Problem...
Vergleicht man diese Investitionen von Arbeit, Know-how, Schweiß,
Hoffnung ... und Herzblut auch - erscheint es äußerst unlogisch, dass
Deutschlands Turnelite - also jene oben - in der internationalen
Mittelmäßigkeit versunken ist, und achtbare Leistungen, wie die
zuletzt eines bemerkenswerten Thomas Andergassen nur noch an der Hälfte
der Finger einer Hand zu zählen sind.
Es kommen zu wenige wirklich oben an oder es wollen zu wenige wirklich
bis zum erfolgreichen Schluss und in letzter Konsequenz die langen
Mühen des leistungssportlichen Alltags auf sich nehmen.
Die Moral...
Komme also niemand beim Deutschen Turner-Bund auf die Idee, als wäre
jetzt die Wende erreicht, das Tal durchschritten. Drei Übungen pro
Gerät bei einer EM - das schaffen andere Länder auch.
Gerade, weil man kurz vor Olympia steht:
Sorge man doch nun endlich und entscheidend dafür, dass es sich für
die aktuellen und künftigen deutschen Turnhoffnungen wirklich lohnt,
den Weg bis zum Turnolymp nun konsequent zu Ende zu gehen - es
sich l o h n t (!) - in des Wortes komplexester Bedeutung -
wirklich oben anzukommen!
Und dafür bleibt den Verantwortlichen des Bundes und der Länder noch
eine Menge zu tun!
- Erhöhung der Bedeutung langfristiger Leistungssportsstrategien der
Landesverbände
- Talentsuche und -ausbildung nach wissenschaftlichen und pädagogischen
Prinzipen
- Sicherung von Qualität und Strukturen komplexer Trainings-,
Ausbildungs- und Lebensumstände
einschließlich deren langfristiger Planungen.
- Sicherung von Qualität und Strukturen eines höchsten Ansprüchen
gerecht werdenden Heimtrainings,
- Schaffung nationaler Strategien mit klar definierten Inhalten, Etappen
und Zielen
- Bildung von leistungssportlichen (!) Kompetenzgremien und deren
breitester Akzeptanz.
- ... und der dafür alles entscheidenden Finanzierungsstrategie, die
ein Sportverband wie der DTB dafür haben muss, wenn er das von den
Athleten will, was sie sollen: Medaillen holen!
Das und mehr ist man - schon moralisch - den Anstrengungen und
Leistungen dieser Pachtkerle von Ljubljana mehr als schuldig.
Eckhard Herholz
>> Lesen Sie auch
eine erste Bilanz des deutschen Juniorentrainers
Jens Milbradt (Berlin)
"Zu den Erfolgen der deutschen
Junioren zur JEM in Ljubljana"
>> Paul Rupp
(Saarbrücken): "Licht und
Schatten"
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