| Am 23. März wäre Alfred Schwarzmann 88 Jahre alt geworden..... | |||||||||
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"Die kleine Kapelle des Alten Friedhofes
in Goslar ist überfüllt. Ein Blumenmeer für einen Grossen der Turnkunst.
Alfred Schwarzmann - schon als Knirps verband sich mit diesem Namen etwas Besonderes für mich. Meine Eltern erlebten als Jungvermählte in der Waldbühne von Berlin seine Olympiagala 1936. Dreimal Gold, dazu zwei Bronzemedaillen als Zugabe sorgten immer wieder für begeisternden Gesprächsstoff in der turnverrückten Familie Köste. Zur Olympiaqualifikation 1952 in den Messehallen am Berliner
Funkturm wollte ich ihn dann endlich selbst bewundern, aber Alfred war schon vornominiert
und ich sah "nur" die Wieds, Pfann, Kiefer und Co.. Doch bald gab es für mich eine völlige Kurskorrektur.
Zwischen beiden deutschen Staaten war die Entfremdung soweit gediehen, dass nur noch zwei
Kategorien mein jugendliches Denken beherrschten: Schwarz oder Weiss, Gut oder Böse. Seinen Platz nahm Viktor Tschukarin ein, der mir bei einem
Besuch in der Kinder- und Jugendsportschule in Frankfurt/Oder Hilfestellung am Reck gab
und meinte, dass aus mir einmal etwas werden könnte. Sommer 1990, im Gewandhaus zu Leipzig. Treffen aller deutschen Olympiasieger, ein beispielloses Ereignis. Unterschiedlich erlebte Geschichte mit Ausblick auf eine gemeinsame Zukunft. Ich suchte Alfred Schwarzmann. Mit meiner Frau durchkämmte ich das Gewandhaus. Klein und schon etwas betagt musste er sein.Und wir fanden ihn und seine Frau Trude. Ich dachte, meine Eltern stünden vor mir. Wir hatten sofort einen Draht zueinander, auf Neudeutsch - die Chemie stimmte.
Eine zutiefst humanistische Geisteshaltung prägte sein gesamtes Handeln und liess ihn entschieden gegen Unrecht ankämpfen. Ich selbst konnte mich nachhaltig davon überzeugen.Als nach der Vereinigung wieder einmal durch pauschale "Schwarz - Weiss- Malerei" das Denken Vieler in vorgeprägte Bahnen gedrängt wurde, fand auch i c h mich als persona non grata an den Pranger gestellt. Selbst gute Freunde zogen sich zurück. Anders Alfred Schwarzmann, anders als auch ich in meinen jungen Jahren. Er musste nicht erst hinterfragen, vertraute seiner Menschenkenntnis und lud mich demonstrativ als Ehrengast zu seinem 80. Geburtstag ein. Die Lebensweisheit des Alters zeigte sich auch hier dem blinden Ungestüm der Jugend überlegen. Am 23. März wäre Alfred Schwarzmann 88 Jahre alt geworden. Vierzigjährig landete er in Helsinki mit dem Gewinn der Olympischen Silbermedaille am Reck einen unbeschreiblichen Triumph. Durch den zweiten Weltkrieg wurden ihm drei Olympische Spiele gestohlen. Er hätte der grösste Sportler aller Zeiten werden können. Zurecht kürte ihn eine Jury zum "Deutschen Turner des Jahrhunderts". Für mich ist er noch weit mehr, ein väterlicher Freund und ein bewundernswerter Mensch." Klaus Köste
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