Dreiländerkampf / Meeting of three groups  in Rhythmic Gymnastics
Cuenza (ESP)
2002, June 8th 

 

Standortbestimmung vor der Gruppen-WM:
Aufatmen bei der deutschen  Mannschaft 

Ergebnisse:
 1. Russland, 2. Spanien, 3. Deutschland
(Punktzahlen in Kürze)

Eine gute Idee der spanischen Gastgeber und ein daraus folgender attraktiver Wettkampf sorgte in Cuenza am Samstag bei den Zuschauern für Begeisterung. Ein traditioneller, mit den spanischen Spitzengymnastinnen besetzter, Einzelwettkampf wurde um den Dreiländerkampf der Gruppen aus Russland, Deutschland und Spanien bereichert - ein schlüssiges Konzept, denn wer wäre für sechs Übungen eines Dreiländerkampfes zum Zuschauen gekommen?

So aber bot sich den drei Nationalteams eine angenehme, fachkundige Kulisse und die Möglichkeit, sich fünf Wochen vor den Gruppen-WM in New Orleans (USA) miteinander zu vergleichen und den möglichen Stand innerhalb der Weltbesten zu bestimmen. Alle drei Länder gehören zur Weltspitze in der Gruppengymnastik, wobei die Sonderstellung Russlands - Olympiasieger, Weltmeister, Europameister - hervorhebenswert ist.

Dass die deutsche Gruppen-Nationalmannschaft Probleme mit der sportlichen Form hat, war bei den Deutschen Meisterschaften im Rahmen des Deutschen Turnfests in Leipzig nicht zu übersehen. Der erste Wettkampftag ging vollkommen daneben, am Finaltag sah es besser aus - jedoch von dem Niveau jener Gruppe, die in Sydney 2000 einen ausgezeichneten vierten Platz errungen hatte, schienen die Schützlinge von Bundestrainerin Carmen Weber weit entfernt.

Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen - und so wurde Annika Seibel (Dahn) - eine Gymnastin aus jener Erfolgsgruppe -  "reaktiviert". Sie hatte ihre aktive Laufbahn wie alle anderen aus dem Sydney-Team eigentlich schon beendet. Sich in so kurzer Zeit wieder in eine Gruppe "einzuturnen" - das zeugt von wahrer Professionalität; Annika war auch damals eine der zuverlässigsten Stützen und hatte mit am längsten in der Sydney-Gruppe gestanden.



Die Bandübung der deutschen Gruppe - 
in Spanien sehr gut präsentiert


Annika Seibel (rechts), hier mit 
Susan Benicke, die ebenfalls im Sydney-Team stand 

Nun also der Test gegen zwei Weltspitzenteams in Cuenza - und ein großes Aufatmen danach: "Eine ganz wesentliche Steigerung gegenüber den Deutschen Meisterschaften! Die Mädchen haben sich hier gut präsentiert und einen positiven Eindruck hinterlassen", so Birgit Guhr, die als Kampfrichterin zur deutschen Delegation gehörte und wahrlich nicht zur Schönfärberei neigt. "Nein, das war wirklich gut. Während mit Seilen und Bällen noch kleinere Fehler unterliefen, zeigte die Gruppe in der Übung mit den Bändern eine überzeugende Leistung." 

Die Gruppe turnte in der Besetzung (ein Wechsel pro Übung ist erlaubt, es gehören also sechs Gymnastinnen zur Mannschaft) Daniela Kunze (Leipzig), Veronika Kraus (Wattenscheid), Anja Baake (Halle), Luisa Schöfer (Berlin), Annika Seibel (Dahn) und Pia Böttcher (Bremen). 

Aufatmen also bei allen Beteiligten, man muss nicht allzu pessimistisch in Richtung WM schauen - wenn auch noch harte Arbeit vor den Gymnastinnen liegt. 

Was die russische Gruppe angeht, "so kann man sie jetzt sicher wieder als Top-Favoriten bezeichnen", so Birgit Guhr. "Sie waren wesentlich besser als bei vorangegangenen Wettkämpfen, hatten zwar auch mit Seil / Band noch kleine Fehler - aber sie werden sehr schwer zu schlagen sein." Und das mit ganz "neuen" Gymnastinnen. Man hat nicht einmal auf die Gymnastinnen der Gruppe, die 2001 Junioren-Europameister geworden war, zurückgegriffen. Das Reservoir an talentierten Gymnastinnen scheint schier unerschöpflich...

"Auch Spanien präsentierte sich mit neuen Gymnastinnen und guten Leistungen; insofern werden wir in New Orleans wohl viele neue Gesichter und einen Generationswechsel in der Gruppengymnastik erwarten können", so Birgit Guhr, die sich angesichts des Einzelwettkampfs über objektive Kampfgerichte freute: 
"Was mir hier sehr positiv auffiel, und worüber ich mich auch als FIG-Kampfrichterin (B. G. gehört als einzige Deutsche dem FIG-Kampfrichterpool an - d.A.) gefreut habe, waren die Bewertungen für die Einzelgymnastinnen. Die Spanierinnen, z.B. Jennifer Colino, wurden mit Wertungen im Bereich von 24 Punkten - und nicht etwa 28 oder 29 Punkten, weil es "nur" ein nationaler Wettkampf ist  - bedacht. Das entspricht im Vergleich zu den internationalen Anforderungen auch ihren gezeigten Leistungen. In diesen Größenordnungen bewegen sich auch unsere Besten. Wenn national so objektiv und vergleichbar gewertet wird, so ist das für mich ein positives Zeichen, dass sich diesbezüglich einiges getan hat und wir auf dem richtigen Weg sind." 

Sonja Schmeißer
Informationen: Birgit Guhr

                                                                                                 
09-06-2002 -schm-