update:
30-Jan-2003

DER KOMMENTAR:

Nimmt Bientzle den Hut beim DTB?

- Der Regisseur der GYMmotion-Show kündigt sein Engagement -

Gymotion oder Gala der Champs
(Eine Betrachtung von Eckhard Herholz)

 


Wolfgang Bientzle

"Unter diesen Bedingungen nicht - ich kann leider keine Exklusivität bieten!" 
Derart frustriert reagierte der mehrfache Rhönradweltmeister und Regisseur der DTB-Gala der letzten drei Jahre Wolfgang Bientzle auf die Versuche des Deutschen Turner-Bundes, ihn ganzjährig als Event-Regisseur zu binden. Bientzle kann und will einfach nicht auf jedwedes andere Engagement und auf freie Tätigkeiten im Showbereich verschiedenster Genres in Deutschland verzichten. Dies aber war ihm als Voraussetzung von DTB-Geschäftsführer Hans-Peter Wullenweber angeboten worden.
Obwohl dabei das finanzielle Jahres-Angebot, das im hohen fünfstelligen Bereich liegt, nicht unerheblich ist, war dies nicht der Grund seines Rücktritts auch als Gymmotion-Regisseur. 

In erster Linie richtet sich seine Kritik auf den fehlenden professionellen Background, den die DTB-Servicegesellschaft nach Ansicht Bientzles einfach nicht liefert und erbringt. Zuviel lastet bei einer Gala-Tournee diesen Ausmaßes auf den mehr oder weniger professionellen Schultern der örtlichen Ausrichter. Nur in Koblenz, Berlin und Frankfurt vielleicht sei das stimmig gewesen. Ansonsten fehlt es absolut an der Qualität der Dienstleistung, der Eventbetreuung und Sponsorenpflege in DTB-Verantwortung.
"Man kann nicht weiterhin mit einem Drittel des Budgets - verglichen mit dem Gala-Etat vor drei, vier Jahren - jedes Jahr eine höhere Qualität der Show erwarten, "... denn Qualitätszuwächse sind wohl zweifelsfrei nachweisbar", so Bientzle.

Zum GYMMOTION-Konzept
Der Mangel an Sponsoren ist auch der Tatsache zu schulden, dass es der DTB nahezu ablehnt, ein fernsehgerechtes Konzept der Gala zu kreieren. Versuche dieser Art waren bereits Mitte der neunziger Jahre an der unverständlichen Haltung des Generalsekretärs Wullenweber gescheitert: In erster Linie mache man diese Gala für die Ränge und nicht für die Bildschirme. Das sei man seinen vielen Vereinsmitgliedern als Besuchern schuldig.... (?) Wo ist da ein Widerspruch?

Schon damals mokierte sich der ehemalige Rechtepartner DSF vehement über den Schnittaufwand von dreieinhalb Tagen, um im Stück neunzig sendefähige TV-Minuten herzustellen. Noch immer ist auch der heutige Bearbeitungsaufwand eines nachträglichen TV-Stylings einfach zu hoch und beträgt ca. das Zwanzigfache an Zeit der Sendelänge, so TV-Redakteure in diesem Jahr, die Teile von Turn-Galas bei MDR und Saarländischem Rundfunk auf den Sender brachten. Und bei ausschließlich regionalem TV-Interesse lassen sich auch keine potenten Geldgeber von Format finden, die das vorhandene Konzept wesentlich finanziell unterstützen würden. Dann käme man auch nicht umhin, eine tatsächliche  "Gala der Stars" zu konzeptionieren - wohl war, schwierig in einem Land, das keine Stars mehr hat. Dass es ein ähnlicher "starloser" nationaler Verband es dennoch schafft, war ein Tag nach der Berliner Gymmotion-Aufführung zu sehen: Die ARD präsentierte im Nachmittags-Sport-Hauptprogramm ihre "Sterne auf dem Eis", sechzig Minuten live natürlich, mit Jürgen Ehmig als Moderator für Bildschirm und Eishalle, Kati Witt präsentierte, und dann lief sie ab, die Gala der Stars, für den Bildschirm nur unterbrochen mit kurzen  45-Sekunden-Einspielern einer kleinen, träumenden Eisfee: Olympiasieger, Weltmeister, Europameister - und obwohl da kaum noch Deutsche dabei waren - die Leute trampelten vor Vergnügen, wissend auch, 
w e r  da lief. Denn sie wurden benannt, die Stars, und zeigten Profil, Leistung und Persönlichkeit mit Wiedererkennungseffekt in einer Sportart, die wenigstens noch internationale Stars von Showgeltung hat.
Die sind in Turnen und Gymnastik aber kaum oder selten - oder wenigstens nicht in TV-Kategorien - vorhanden.


Herr der Ringe: Olympiasieger Csollany

Und dann begeht das Gymmotion-Konzept den wohl schwersten Fehler, seine Stars im Vorspann zu verstecken:
Eine Stimme nur allein verkündet - bevor es eigentlich losgeht -  Name und Herkunftsland aller Teilnehmer der folgenden zwei  Showstunden...!? Schall und Rauch...!
So bedankt man sich vielleicht beim Gerätekommando  und bei fleißigen Helfern des unverzichtbaren Backstage-Bereichs, aber nicht bei nationalen und schon gar nicht internationalen Stars! Da verkommt dann eben der Herr der Ringe mit seiner Super-Powershow, pardon, zur Komparserie, obwohl er, der Olympiasieger Csollany, wenige Tage zuvor in seinem Heimatland zum Weltmeister gekürt wurde!!
Die als Lichteffekte durch die Halle huschenden Namen sind nicht mal mehr ein Alibi für diese konzeptionellen Versäumnisse. 

Natürlich war alles schöööön...!
Die Menschen verließen andächtig die Halle, mit gefalteten Händen und sagten: Mann, war das schöön...   aber so richtig beschreiben, was und wen sie da eben gesehen hatten, konnten maximal die Eingefleischten oder Insider.

Verzweifelte Anfragen von Journalistenkollegen und Fotografen in der Gala-Pause: Wer war denn das eben - oder Zuschauerhinweise: Bitte sagt uns doch, was und wen wir sehen - sollten ernsthaft beachtet werden. 
Hier liefert nicht ein Cirque du Soleil ein Gesamtkunstwerk seiner gewollt anonymen Individuen ab, das ist ein gänzlich anderer Ansatz. Sondern:


In der Show anonym und selbst vor heimischem Publikum unerkannt...

Hier muss es doch in erster Linie um die Präsentation von Sportarten und Disziplinen gehen,
und um das Profil und den Stellenwert eines SPORT-Verbandes!

Und das ist nicht abzukoppeln von dem Profil, den Leistungen und den Persönlichkeiten ihrer Akteure.... !
Alles andere ist Traumtänzerei.
Und nichts spricht dabei gegen die kreative Verwendung sämtlicher Gestaltungsmittel der Showbranche.


.. hinter den Kulissen mit Profil:
Auswahlturnerin Katja Abel und die Berlinerinnen Heiden und  Kaminski...

Zurück zu Regisseur Wolfgang Bientzle, dessen Fähigkeiten in "keinster" Weise zur Diskussion stehen, dem aber mit der wohl scheinbar nicht anders möglichen Machart und dem Verbandshintergrund arge Grenzen gesetzt scheinen. 
Hintergrund seiner aktuellen persönlichen Entscheidung, das weitere DTB-Engagement abzulehnen, ist somit auch die Tatsache, dass Bientzle andere Intensionen einer eigenen Show-Serie verfolgt, mit deren ersten Veranstaltung am 26. Dezember 2002 in Mainz als "NIGHT of the CHAMPS" er bereits großen Erfolg feierte, und die er sich mit einer ausschließlichen DTB-Bindung nicht versagen will.
Mit weiteren Events, beginnend im Frühjahr in Bremen, will Bientzle diese Tournee auf dem freien Markt des Showgeschäfts schrittweise etablieren. Dabei sollen nicht vorrangig Varietè- oder Zirkuselemente, sondern es soll in erster Linie der Sport und seine herausragenden Akteure mit ihren Leistungen und ihren Persönlichkeiten das Konzeptes prägen - Night of "Champs" eben.
      

 

 Eckhard Herholz
(C) gymmedia


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