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- Deutschland -

TKH-SERVICE
- PRESSESPIEGEL 2001-

Gelesen in:

(16-05-2001)

(Regional-Zeitung Sachsen-Anhalt, am 16.05.2001):
Betr. Terminprobleme 1. Kunstturn-Bundesliga
"Die in dieser Bundesliga-Saison arg gebeutelten SV-Turner müssen eine weiteren Nackenschlag einstecken. Ihr Antrag, das für Sonnabend (19.Mai) angesetzte Duell mit Schlusslicht Urberach wegen Internationeler Aufgaben ihrer Talente zu verschieben, wurde abgeschmettert. Der Vergleich geht mit 2:0 Zählern und 12:0 Gerätpunkten an die bislang sieglosen Urberacher, die nun mit Halle gleich ziehen. Das einzige Zugeständnis der Deutschen Kunstturnligen: Man erlässt Halle die Strafgebühr wegen Nichtantretens." (MZ)
.. dazu Standpunkte der Betroffenen:
Jürgen Oettel (SV Halle): "Wir sind tatsächlich in einer misslichen Lage. Erstens sind voraussichtlich zwei unserer Turner in Brno beim Nachwuchs-Länderkampf gegen  Tschechien im Einsatz und wir haben eine Reihe von Verletzten (Sebastian Faust, Mathias Grünewald, Lars Dammüller..). Vielleicht waren wir ein wenig blauäugig und hätten den Termin, an dem ja auch noch Renè Tschernitschek bei der Team-EM in Riesa hätte starten können, gar nicht erst belegen sollen. Klar können wir verstehen, dass die Urberacher Schwierigkeiten mit der Verlegung haben. Dass sie aber mit uns keine Einigung wegen eines vierten, nicht offiziell genehmigten Mannes wollen, ist vielleicht auch verständlich - hier geht's knallhart um den Abstieg... Wir werden versuchen, nun "Olli" Walther nach seiner Lungenentzündung zu aktivieren und müssen wohl oder übel am Samstag antreten..."
Wolfgang Dreyer (MTV Urberach):  "Wir haben wirklich keine Chance, so kurzfristig zu verlegen! Bei uns ist seit 2 Wochen plakatiert und unsere Bundesliga-Veranstaltungen sind bekannter Weise bestens besucht. Wir haben die meisten Zuschauer in dieser Saison, das können wir denen nicht antun. Auch ist unser lange gebuchter kompletter Gerätebesatz aus Bad Wildungen transportseitig nicht mehr zu verlegen. Wir wundern uns schon, dass der SV Halle mit seinen - verständlichen - Sorgen so spät kommt! Auch wir haben große Verletzungssorgen: Unser Ausländer Ilja Giorgadze ist operiert worden, Reiner Gunne und Yves Mattheß sind verletzt... So hat unser Vorstand gestern Abend beschlossen, dass wir auf die termingerechte Durchführung bestehen müssen, so sehr wir die Lage des SV Halle auch bedauern....!"
Hans Müller (Präsident, dKLm, Chemnitz):   "Laut unserer Satzungen bzw. Ergänzungsordnung besteht aus der Sicht der dKLm keine Handlungsmöglichkeit, wenn wir auch an dieser Sachlage erkennen, dass hier etwas konkreter geregelt werden muss. So ist es Sache der beiden sportlichen Gegner, Regelungen im Einvernehmen zu treffen. Ein für die Saison nicht gemeldeter vierter Mann bei Halle ist also durchaus möglich, wenn Urberach dem zustimmen würde. So haben wir Chemnitzer uns z.B. im vergangenen Jahr auch mit dem SC Berlin geeinigt, bzw. haben wir unseren Termin in dieser Saison gegen Cottbus gar nicht erst auf dieses kommende  Problem-Wochenende gelegt. Ich finde, es ist für die letzten Jahre ziemlich beispiellos, dass sich eine Mannschaft wie der MTV Urberach derart gegen eine einvernehmliche Lösung sperrt und ich bezeichne es sogar als unsportlich und als unfaires Verhalten." 

... weitere Meinugsäußerungen:
Mathias Legler (Trainer TuG Leipzig e.V.):
Ich bin entsetzt über diese Entscheidung, weil der Grund des Antrages darin liegt, dass zwei Juniorenturner des SV Halle sich für den Juniorenländerkampf gegen Tschechien am 19.05. in Brno qualifiziert haben und somit für den Bundesligakampf nicht zur Verfügung stehen können! 
Ist das der auf dem Deutschen Turntag postulierte Neuanfang? Steht die Bundesliga über internationalen Aufgaben? Nachwuchsförderung - Verjüngung der Nationalmannschaft im Hinblick auf Athen 2004?"
Wie ist dazu die Meinung der DTB-Verantwortlichen Eduard Friedrich oder Reiner Hanschke, z.B....?
Wolfgang Willam (DTB-Sport-Direktor):   "Ich möchte nicht auf die Einzelfallentscheidung eingehen, in die ich mich auch nicht aktuell einschalten will und kann, sondern möchte das Thema global betrachten...."   (  ... mehr dazu)
 

Gefunden auf der Website der TG Saar(www.tgsaar.de)

Berlin/ Saarbrücken: Wie der Onlineservice  des Bundesligisten TG Saar meldet, wird Olympiasieger Andreas Wecker in der kommenden Saison der Deutschen Kunstturnliga der Männer definitiv  n i c h t  für die TG Saar an den Start gehen. 
Der Berliner war sich zwar schon mit der TG Saar einig, hatte aber um eine dreimonatige Bedenkzeit gebeten. Grund hierfür waren die Folgen seiner schweren Schulterverletzung, die er sich bei den Olympischen Spielen in Sydney zugezogen hatte. 
Nachdem ein kürzlich durchgeführter Belastungstest negativ ausfiel, hat Andreas Wecker am Mittwoch, den 9. Mai,  der TG Saar abgesagt.

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10-Mai-2001

Nach dem 4.Wettkampftag:
sport.de:
Der KTV Stuttgart strebt unaufaufhaltsam dem sechsten Meistertitel in der Turner-Bundesliga entgegen. Innerhalb von nur fünf Tagen landete das Team von Ex-Weltmeister Waleri Belenki (Bild) den zweiten klaren Erfolg über den SC Cottbus und warf den Titelverteidiger damit endgültig aus dem Rennen um die Meisterschaft. Beim 211,00:204,60 fiel der Sieg wiederum souverän aus, nachdem man schon am zurückliegenden Samstag das Spitzenduell in der Lausitz mit fünf Punkten Vorsprung für sich entschieden hatte.

Hinter den zwei Wettkampftage vor Abschluss der Serie mit 8:0 Punkten klar führenden Schwaben hat sich der TK Hannover als Nummer zwei etabliert. Die Niedersachsen, die in Stuttgart zum Saisonauftakt eine «Packung» mit 18 Zählern Rückstand auf den KTV bezogen hatten, können bei einem Punktestand von 6:2 als einzige den sechsten Titel der Stuttgarter noch verhindern. Jedoch scheint dies trotz des sicheren 207,90:179,45-Erfolges über Chemnitz nur eine theoretische Variante. Cottbus (2:6) und Chemnitz (0:8) sind bereits vorzeitig abgeschlagen. Beide Team hatten allerdings mit Sven Kwiatkowski (Chemnitz/53,25) und Alexander Swetlitschni (Cottbus/52,80) die besten Sechskämpfer des Tages in ihren Reihen.

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(30-April-2001
nach 2. Wettkampftag)

Belenki kämpft gegen das Image des Turnrentners
Der 31-Jährige will zur WM (- von Markus Heffner)

Daran geglaubt hat vielleicht nicht mal er selbst. Doch Waleri Belenki hat seine Schulteroperation überstanden und den EnBW KTV Stuttgart in der Kunstturn-Bundesliga zu zwei Siegen geführt, zuletzt gegen Chemnitz (212,50:180,90). "Jetzt'', sagt Belenki, "will ich zur Weltmeisterschaft.''

So richtig begriffen hat Waleri Belenki seine Situation erst vor wenigen Tagen. Der Bundestrainer Rainer Hanschke hatte zu einem seiner Lehrgänge ins Stuttgarter Kunstturn-Forum geladen. Und während die deutschen Nationalturner gemeinsam am Pauschenpferd an neuen Elementen feilten, machte der ehemalige Olympiasieger und Weltmeister an diesem Gerät, zehn Meter weiter, für sich alleine ein paar Aufwärmübungen am Boden. Erst als der Trainer und seine Schützlinge zum Barren weitergezogen waren, durfte auch Belenki an sein einstiges Paradegerät. "Das hat mir richtig wehgetan - da habe ich gemerkt, dass ich nicht mehr Teil der Mannschaft bin'', sagt Waleri Belenki.

Gehört hatte der 31-jährige Turner das indessen schon ein paar Monate zuvor, kurz vor Weihnachten, als ihn Rainer Hanschke angerufen und ihm kurz und knapp mitgeteilt hatte, aus dem Bundeskader gestrichen worden zu sein. "Ich konnte das nicht verstehen'', sagt Belenki, der sich Anfang des vergangenen Jahres einer Schulteroperation unterzogen und danach verbissen an seinem Comeback gearbeitet hatte, "vor allem nicht die Begründung.'' Belenki, so der lapidare Kommentar des Deutschen Turner-Bundes (DTB), habe im Jahr 2000 keinen einzigen Wettkampf für Deutschland absolviert.

"Belenki'', hält der gebürtige Aserbaidschaner heute dagegen, "ist wieder da.'' Und zumindest bei der EnBW KTV Stuttgart, seinem Verein, läuft es tatsächlich schon fast wieder wie früher. Zum Bundesligaauftakt gegen den TK Hannover turnte Belenki nach seiner Operation erstmals wieder an fünf Geräten, holte die meisten Punkte für sein Team und beendete den Wettkampf mit einer grandiosen Übung am Reck. Am Samstag, gegen die KTV Chemnitz, überzeugte Belenki abermals, turnte 9,5 Punkte am Pauschenpferd und führte seine Mannschaft zu einem überlegenen 212,50:180,90-Erfolg. "Ich bin überrascht, wie gut Belenki wieder turnt'', sagt Jürgen Garziella, der sportliche Leiter der Stuttgarter, die in diesem Jahr endlich die Meisterschaft holen wollen.

Belenkis triumphierendes Lächeln und die geballte Faust nach seinen durchweg gelungenen Übungen am Samstag machten indessen klar, dass ihm das nicht genug ist. "Sich noch mal auf einem internationalen Turnier mit den besten Turnern der Welt messen'', sagt der 31-Jährige, "das wäre doch was.'' Die Olympischen Spiele, wo Belenki sich im Superdome von Sydney einen würdigen Abgang hätte verschaffen können, musste er wegen seiner Operation vor dem Fernseher verfolgen. Ein, zwei Monate Regenerationszeit haben gefehlt. Verkraftet hat er das bis heute nicht ganz. "Damals'', sagt Belenki, "war ich schon ziemlich traurig.''

Heute ist er dagegen ziemlich entschlossen, sich nicht einfach sang- und klanglos und mit einer Verletzung von der internationalen Turnbühne verabschieden zu lassen. "Mein großes Ziel'', sagt Belenki, "sind die Weltmeisterschaften.'' Der Weg zu den Titelkämpfen Ende Oktober in Gent führt über ein Qualifikationsturnier in Cottbus, wo im Herbst die besten deutschen Turner antreten. Die Entscheidung, wer letztlich starten darf, fällt der Bundestrainer in Absprache mit dem DTB. "Erst muss Belenki mal an allen Geräten Leistung bringen'', sagt Rainer Hanschke, "danach sehen wir weiter.''

Eduard Friedrich, nach dem Debakel in Sydney als neuer Vizepräsident mit der Sonderaufgabe "Unternehmen Olympia 2004'' wieder zu einem der mächtigsten Männer beim DTB aufgestiegen, gibt sich weit weniger diplomatisch. "Die alten Turner wie Belenki oder Andreas Wecker sind am Ende ihrer Karriere, wir können sie nicht mehr gebrauchen, sie nützen uns nichts mehr'', machte der ehemalige DTB-Sportdirektor nach Amtsantritt mit markigen Worten seine Linie klar: kompromissloser Neuanfang.

"Gent'', so Friedrich, "darf keine Abschiedsbühne für Rentner werden, sondern eine Bühne für den Einstieg.'' Die neuen Hoffnungsträger des DTB, junge Turner wie Thomas Andergassen, Sergej Pfeifer oder Sven Kwiatkowski, sollen die Weltmeisterschaften nutzen, um internationale Erfahrungen zu sammeln und sich mit Konkurrenten und Wertungsrichtern bekannt zu machen. "Belenki und Wecker haben in ihrem Leben schon genug Geld mit dem Turnen verdient'', sagt Friedrich, "sie haben keinen Grund, sich zu beklagen.''

Belenki dagegen kennt Gründe genug. "Friedrich hat bis heute noch kein einziges Wort mit mir gesprochen. Der Mann macht mich in der Öffentlichkeit schlecht und kennt mich gar nicht'', sagt Belenki, der trotz allem an seine Chance glaubt. "Ich werde alles tun, um mich für Gent zu qualifizieren'', sagt der 31-Jährige, "und dann soll man mich dort auch antreten lassen.''

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(Zum ersten Wettkampftag)

 


Daniel Farago
(Berlin: Rekonvaleszent)

 

 

 

Kann nicht hängen, aber schon baumeln
Daniel Farago turnt mit dem SCB gegen den Absturz

von Doreen Haustein, Berliner Zeitung (24-Apr-2001)

BERLIN, 23. April. Wenn es um die Mannschaft geht, gibt Daniel Farago gewöhnlich alles. So auch beim ersten Heimwettkampf der Bundesligaturner des SC Berlin gegen den leicht favorisierten und dann doch besiegten SV Halle. Wie ein Eleve, der sich bei seinem Brotherren beliebt machen will, sprang der 25-Jährige zwischen zwei Turnern immer wieder an die Ringe, um diese griffig zu machen. Mit schützend zusammengekniffenen Augen erneuerte er für jeden seiner Kollegen die Kreideschicht. "Mehr ist noch nicht drin", gestand der Nationalmannschaftsturner. Zumindest nicht an den Ringen. Zwei Tage vor dem Abflug zu den Olympischen Spielen nach Sydney im September vergangenen Jahres hatte sich der Berliner bei einem Testländerkampf die Schulter komplett zerfetzt. Im November wurde er operiert, sein Comeback auf Dezember 2001 taxiert. Hängen, sagt Daniel Farago, könne er überhaupt noch nicht. Lediglich baumeln. Und das reiche ja zum Ringe kreiden.
Der Rekonvaleszent überrascht
Darauf beschränken mochte er sich am Sonnabend allerdings nicht. Gleich am ersten von sechs Geräten, dem Boden, turnte Farago eifrig um Punkte mit. Und brachte seiner Mannschaft die zweithöchste Wertung ein. Mit niedrigem Schwierigkeitsgrad, dafür jedoch nahezu fehlerfrei beeindruckte Farago sowohl das Berliner Publikum als auch die Gäste. "Die Überraschung war gelungen", schätzte anschließend auch Halles Trainer Uwe Ronneburg ein, der überhaupt nicht mit einem Einsatz des Rekonvaleszenten gerechnet hatte. Das hatten bis vor Wochenfrist auch die Berliner Betreuer nicht. Die dann allerdings ein schwer wiegendes Problem gehabt hätten. Denn ohne Farago hätten sie am Boden wie am Sprung lediglich drei statt der geforderten vier Turner stellen können - und damit wichtige Wertungspunkte im Kampf gegen den Abstieg verschenkt. Um nichts anderes als das nackte Überleben, so Trainer Siegfried Wüstemann, geht es in dieser Saison, nachdem der SC Berlin am grünen Tisch der Abstiegsgruppe zugeteilt worden war. Eigentlich kein Problem für den Deutschen Meister von 1998. Wenn er denn auf seine Meisterturner zurückgreifen könnte. Die sind bis auf Andreas Wecker nominell zwar alle noch dabei, tatsächlich jedoch eher einem Lazarett denn einer Turnriege entsprechen. Lediglich zwei Turner, der erst 16-jährige Martin Lamer sowie Daniel Müller, bestritten gegen Halle einen kompletten Sechskampf. Der Rest des SC-Kaders teilte sich, Rücksicht nehmend auf die Knie-, Schulter-, Rücken- und Fußverletzungen, die übrigen Geräte. Und gewann gegen die mit drei Auswahl-Kadern angetretenen Saale-Städter an vier von sechs Geräten. "Unter Schmerzen", wie Farago gestand, "aber mit kalkulierbarem Risiko". Das Risiko wäre er nicht eingegangen, wäre der Heilungsverlauf der Schulter nicht so optimal verlaufen. Und wenn die Mannschaft nicht unbedingt auf ihn angewiesen wäre. Erst 20 Prozent seines Leistungsvermögens, sagt der Berliner, könne er im Moment ausschöpfen. 20 Prozent, die den SC Berlin seinem Anspruch, die Klasse zu halten, ein Stück näher gebracht haben.

(Doreen Haustein, Berliner Zeitung, 24-April-2000

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(21-April-2000)


Belenki (Stuttgart): "Ich habe nie gesagt, dass ich aufhören werde"!


DTB-Vize Friedrich:


Kampfansage: Toba beim Recktraining 2001 im Trainingslager Kienbaum

 

Totgesagte turnen Sechskampf
Routiniers fordern in der Liga die Jüngeren heraus

von Barbara Klimke, Berliner Zeitung 

BERLIN, 20. April. Vor zwei Wochen hat Waleri Belenki seinen jüngeren Vereinskollegen beim KTV Stuttgart eine Neuheit vorgeturnt: den Sechskampf eines Totgesagten. Belenki, 31 Jahre alt, flog bei einem Testwettkampf übers Reck, wirbelte um Barrenholme, sprang Salti am Boden. "Nur an den Ringen", sagte er, "fehlte mir noch etwas die Kraft." Als er wieder auf der Matte stand, stellte er zufrieden fest: "Einen so ordentlichen Sechskampf habe ich zuletzt vor fünf Jahren geturnt."

Belenki, Olympiasieger 1992 mit der Mannschaft der GUS, Pauschenpferd-Weltmeister für Deutschland 1997, hatte sich im vorigen Sommer derart schwer an der Schulter verletzt, dass eine Operation unausweichlich war. Kaum jemand hatte erwartet, dass er danach noch einmal in der Lage sein werde, im Kreuzhang an den Ringen zu baumeln.

Verdikt des Vizepräsidenten

Vor Weihnachten informierte ihn der Bundestrainer, dass er nicht mehr zum Kader gehöre; dann las er im Internet das Verdikt des neuen Vizepräsidenten des Deutschen Turner-Bundes (DTB), Eduard Friedrich: Er werde "mit aller Kraft verhindern", dass Turner, die um die 30 Jahre alt sind, auch weiter den Kern der Nationalmannschaft bilden, teilte Friedrich mit. Die Zukunft gehöre den Jüngeren. Seitdem ist Belenkis Ehrgeiz neu entfacht: "Ich habe nie gesagt, dass ich aufhören werde." Er sieht durchaus seine Chance, sich für die WM im Oktober zu qualifizieren. Und falls der zuständige DTB-Vize als Vorleistung einen kompletten Sechskampf erwarte, werde er auch diese Anforderung erfüllen, sagte Belenki: "Die Junioren müssen uns erst mal schlagen, dann sehen wir weiter."

Er ist nicht der Einzige, bei dem der DTB-Vizepräsident mit seinem Bannspruch genau das Gegenteil erreichte - die Mobilisierung der vermeintlich schwindenden Kräfte. Marius Toba aus Hannover, der sich in Sydney ins Olympia-Finale vorkämpfte, wird am Sonnabend zum Auftakt der Bundesliga gegen Stuttgart ebenfalls den Sechskampf turnen. Mit 33 Jahren denkt er nicht daran, seine internationale Karriere zu beenden. Toba hat als einziger DTB-Turner derzeit A-Kaderstatus. Und Perspektivlosigkeit lässt er sich auch für Athen 2004 nicht nachsagen: "Keiner wollte vorher glauben, dass ich mich für Sydney qualifiziere", sagt er heute. "Warum soll ich so etwas nicht wieder schaffen?"
Wie Belenki oder der 30 Jahre alte Sergej Charkow (Dillingen) hat Toba Verständnis dafür, dass Cheftrainer Hanschke Nachwuchsturnern die Gelegenheit bieten muss, Erfahrung bei internationalen Wettkämpfen zu sammeln. Befremdlich erscheint ihnen nur Rigorosität, mit der Vizepräsident Friedrich gegen die Älteren vorgeht: Das Leistungsprinzip sei außer Kraft gesetzt, sagt Belenki. Sein Kollege Charkow, 1988 als 17-Jähriger der jüngste Turn-Olympiasieger der Geschichte mit der Mannschaft der UdSSR und seit 1994 in Dillingen ansässig, ist ähnlich desillusioniert: "Mit unserem Rauswurf hat man sich vom Konkurrenzprinzip verabschiedet."

Weckers Ironie

Auch die Karriere von Charkow, der als Grundschullehrer arbeitet, schien im Sommer nach dem zweiten Achillessehnenriss beendet. Am Sonnabend jedoch wird er für die TG Saar bereits wieder an vier Geräten antreten. Bis zur WM-Qualifikation im Herbst soll, trotz des lädierten Fußes, auch ein neuer Sprung am Pferd eingeübt sein.
Nur der SC Berlin muss in der Bundesliga gegen den SV Halle auf seinen Olympiasieger verzichten. Andreas Wecker, 31, hat nach einem Bizepssehnenabriss in Sydney monatelang nicht turnen können. Inzwischen trainiert er wieder - aber für Showauftritte. "Nach den neuen Kriterien des Verbandes sieht es ohnehin nicht gut aus für mich", sagte er und ließ wenig Zweifel daran, dass er die DTB-Politik für wenig sinnvoll hält. Die Frage nach der Zukunft beantwortet er ironisch: "Wenn alle Jüngeren aufgehört haben, fange ich noch mal an."  

(Barabara Klimke, Berliner Zeitung, 20-April-2000; 

Fotos: GYMmedia Berlin)

  

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