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update: 08-May-2006

17. JUNIOREN-EUROPAMEISTERSCHAFTEN 2006
- Eine Bilanz -

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VOLOS, Griechenland 5. - 7. Mai 2006

Nachbetrachtung zu den JEM 2006 Volos
- von Dieter Hofmann, Trainer, Schweiz (NKL Liestal)

Dieter Hofmann war jahrelang einer der erfolgreichsten Kunstturntrainer in der ehemaligen DDR, zunächst im weiblichen Bereich (SC Chemie Halle), später im männlichen Bereich und übernahm Anfang der 80er Jahre das Amt des DDR-Auswahltrainers und führte die Männer 1988 zur olympischen  Mannschafts-Silbermedaille in Seoul.
Seit Beginn der 90er Jahre baute er das NKL Liestal in der Schweiz zu einem führenden Kunstturnzentrum auf. Seit kurzem ist er im "Ruhestand. Zur EM / JEM in Volos 2006 war er für GYMmedia als Beobachter/Korrespondent tätig
  Vorab ist festzuhalten es waren ein große Tage für den europäischen Turnnachwuchs!
Wir sahen ein packendes Duell der beiden Führungsnationen Russland und Deutschland im europäischen Turnnachwuchses, wobei man unbedingt noch die Ukraine zuordnen muss!
In einer zweiten Gruppe folgen die Länder, wie Schweiz, Rumänien, Großbritannien, die man durch Frankreich, Italien. Ungarn und Griechenland ergänzen sollte.
Positive  Bemühungen sind zu registrieren in Spanien, Portugal, Niederlande, Kroatien, Polen, Slowenien, Litauen und auf etwas tieferer Niveaustufe muss man auch die Anstrengungen der Turner in Österreich, Finnland, Schweden und Island notieren.

Die europäische Turnentwicklung hat im Niveau der Spitze und Breite zugenommen! Diese erfreuliche Feststellung lässt sich sowohl auf die technische als auch die inhaltliche Entwicklung erweitern:

BODEN:

  • Die akrobatische Reihen mit Salto rückwärts 1 ½ Salto vorwärts gestreckt 1/1 gehockt.
  • Salto rückwärts gestreckt 2 ½
  • und einer folgenden Salto vorwärts Verbindung und dem Tsukahara gehockt,
    sind  bei den besten Turner Standard.
  • Die meisten Turner haben fünf akrobatische Linien anzubieten.
  • Wegen der Punktabzüge für wertlose Schritte in den Ecken, gibt es wieder erste chorografische Ansätze.
  • Die Führungsmannschaften und Einzelturner, grundsätzlich aber ist noch viel fehlerhaftes in dieser Hinsicht festzuhalten.

Pauschenpferd

  • Die Russen, die Ukrainer und Einzelturner aus Kroatien und Belgien zeigen technisch beeindruckende Grundlagen. Grundsätzlich aber ist in technischer Hinsicht und der wettkampfspezifischer Ausdauer an diesem Gerät noch viel Arbeit erforderlich.
  • Die besten Turner haben als Standardprogramm
    - "Magyar – Schiwado"
    - "Flop 1 und 2"
    - Russenwende in die Flanke oder als Abgang

    - Bei den Abgängen dominiert "Stöckli" umgekehrt in den Handstand (aber oft mit Doppelansatz und damit in einen Bereich der Nichtanerkennung)

    - Die Spreizprogramme sind eher mit unzureichender Technik ausgeführt und die Technik der Thomasflanke wird vernachlässigt.

Ringe

  • Die teilweise noch ungenügend entwickelten körperliche Eigenschaften sind Ursache für die naturgemäß noch schwachen Kraftleistungen. Dennoch gibt es Beispiele wo biologisch eher retardiert wirkende Jungen unglaubliche Kraftleistungen anbieten (- so z.B. Balandin: Asarjan, Hebe in die Schwalbe und Kippe Schwalbe) Grundsätzlich werden auch der Kreuzstütz in Lage und Zeit bemerkenswert gut ausgeführt. Eine Bereicherung ist die Wiedereinstufung der gegrätschten Stützwerke aus der Stemme beim Rückschwung.
  • Gute Ansätze gibt es im Schwungverhalten vorwärts und rückwärts, aber beinahe alle Turner haben große Mühe den Schwung aus oder in im Handstand mit einem ansprechenden Handstand auch zu stabilisieren.
  • Die Abgangsgestaltung stagniert! Der Doppelsalto vorwärts - hier immerhin von sieben Turner demonstriert -  könnte eine variable Bereicherung sein und wäre zudem technisch und auch altersgerecht vertretbar.

Sprung

Am Sprung sind durch die Einführung des neuen Sprunggerätes natürlich die äußeren Bedingungen für die Junioren wesentlich günstiger geworden.!

  • Standards sind "Kasamatsu" und erfreulicher Weise der "Jurtschenko". Beide Sprünge werden auch mit ganzer Drehung bzw. mit 2/1 Drehung angeboten. Zwei Turner zeigten den "Kasamatsu" mit 1 ½ Drehung.
  • Der Europameister demonstrierte einen technisch vorbildlichen Überschlag mit 1 ½ Längsdrehung.
  • Positiv ist, dass die Turner und Trainer auf den "Roche" verzichten, weil die oft damit verbundene Tieflandungen aus Belastbarkeitsgründen in diesem Alter unvertretbar ist.

  Barren

An diesem Gerät gibt es derzeit die größten Probleme! Die Führungsturner zeigen in technischer Hinsicht bei den Elementen im Stütz und auch im Hang viel Gutes.

  • Die Felgtechniken einiger Turner aus Russland, Weißrussland und derUkraine sind dabei vorbildlich.

In der Gruppe der Länder mit mittleren oder schwächeren Leistungsniveau ist die Zusammensetzung der Übung nur Stückwerk. Die Zuwendung zu dem technischen Grundstrukturen ist nur gering erkennbar.

  • Schwünge im Stütz bei vor und Rückschwung (kaum sind vertretbare Technike bei Diamidov und Stützkere zu erkennen und dies beginnt bereits in der Ausgangsposition im Handstand)
  • Die Felg- und Riesenfelgtechnik wird vernachlässigt, statt dessen wird der "Tippelt" als Technik kontraproduktiv in Serien angeboten.
  • Störend wirkt die spezielle Anforderung Oberarmstütz für die Junioren. (Die biologisch früh entwickelten Turner haben dabei vorläufig Vorzüge,  auch ohne dass sie ausreichend Perspektive besitzen!)

Reck

Am Reck sieht’s da schon besser aus, dennoch haben viele Trainer und deren Turner mit der Differenzierung der Grundtechnik von Riesenfelge, Abgängen, "Kovacs' " und "Tkatschow" viel Mühe. Die räumliche Orientierung  für den Schwungeinsatz ist nur bei Einzelturner der Führungsmannschaften sichtbar. Die Drehungen im Handstand oder aus stangennahen Elementen dominieren und dies oft mit unzureichender Technik im Handstand und der Achse zum Gerät. Für die Zukunft ist dies eher keine gute Entwicklungsrichtung. Überraschend ist das eher durchschnittliche Angebot an Flugteilen - da gab’s in der Vergangenheit schon Besseres zu sehen...!


Zusammenfassend:

Jene Turner, die der physischen und koordinativen Vorbereitung die erforderliche hohe Aufmerksamkeit schenken und im Wettkampf zeigen was sie können - und nicht,  was sie gerne möchten,  erreichen auch gute Noten!

Die Grundphilosophie des Kunstturnens,

„Turnen ist kompliziert, nicht weil es schwierig sein soll, sondern weil es schön sein muss!“

 - wird wieder stärker in den Mittelpunkt der Ausbildung gerückt.

Die Hinwendung zum langfristigen Leistungsaufbau ist eng mit den veränderten Anforderungen des Code de Pointage verbunden. Diese damit verbundene zeitliche Ausdehnung darf aber nicht zum "Alibi für schlechte Arbeit" der Trainer oder ungenügendes Engagement der Turnern werden.!
... dies sei am Ende dieser Junioren-Europamesierschhaften des Jahres 2006 für den weiteren Aufbau der jungen Turner noch angemerkt.
Dieter Hofmann
GYMmedia-Beobachter in Volos
Trainer NKL Liestal (Schweiz)


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