22-Jan-2001

DTB / Deutsches Frauenturnen:

Mit "halber Stelle" ganze Arbeit
Die neue deutsche Teamchefin: Dr. Petra Theiss

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Dr. Petra Theiss / Frankfurt: "Nach langen Personaldiskussionen, insbesondere auch was die Besetzung der Teamchef- bzw. Cheftrainerposition angeht - zwischenzeitlich wurde die Notwendigkeit eines "charismatischen Leitwolfs" für das deutsche Frauenturnen diskutiert - wurde ich von mehreren Seiten angesprochen, die Position der Teamchefin zu übernehmen. 

Nachfolgend meine Beweggründe, die Aufgabe zu übernehmen...

...übrigens mit einer 1/2 Stelle! Mein erster Beweggrund ist die Tatsache, dass mit dieser Position eine Aufgabe verbunden ist - die Olympiaqualifikation 2003 - deren Realisierung auf den ersten Blick nahezu unmöglich erscheint. Es ist also die besondere Herausforderung zu dokumentieren, dass das weibliche Kunstturnen in Deutschland nicht am Ende ist, sondern sehr wohl eine Perspektive hat. Persönlich hat mich zudem die gescheiterte Olympiaqualifikation 1999 als direkt Involvierte, ebenso wie die beteiligten Turnerinnen und Trainer, tief getroffen. Meines Erachtens waren wir mit der Sydney-Konzeption als auch mit den durch die Studie "Belastungen und Risiken" initiierten Maßnahmen, insbesondere im trainingsmethodischen und sportmedizinischen Bereich, bereits auf einem guten Weg und es wäre schade, wenn diese guten Ansätze auf der Strecke blieben. Last but not least haben mich aber auch die strukturellen Veränderungen im DTB, insbesondere aber die Wahl des neuen Vizepräsidenten Spitzensport, Eduard Friedrich, von dem ich mir den notwendigen "frischen Wind" auf Funktionärsebene erwarte, dazu bewogen, dieses Amt anzunehmen. Die Rahmenbedingungen für das weibliche Kunstturnen in Deutschland scheinen mir unter diesen Voraussetzungen günstiger als bisher zu sein.

Die Eckpunkte unserer - mit den Bundestrainern und der Unterstützung von Prof. Peter Brüggemann erstellten - Konzeption sehen wie folgt aus:

Oberstes Ziel ist die Olympiateilnahme in Athen 2004. Alle Maßnahmen und Entscheidungen auf dem Weg dorthin sind unter die Prämisse des zu erwartenden Erfolgs zu stellen. Grundsätzlich werde ich einen, unserem Gesellschaftssystem angepassten, demokratischen Führungsstil favorisieren, d.h. alle wesentlichen Fragen in bezug auf die Trainings- und Wettkampfplanung des WM- und Athenkaders werde ich im Vorfeld mit den jeweils beteiligten Trainern diskutieren, bevor ich eine Entscheidung treffe. In der praktischen Arbeit werde ich dabei in erster Instanz durch den Nachwuchsbundestrainer Wolfgang Riedel (Berlin) unterstützt, dessen Arbeit in der Vergangenheit auf breite Zustimmung gestoßen ist. 
Die Trainings- und Lehrgangsarbeit wird aus Gründen der Effizienz, nicht zuletzt aber unter dem Diktat des begrenzten Finanzhaushalts vornehmlich im Heimtraining sowie im Rahmen dezentraler Lehrgängen an den Stützpunkten Berlin, Bergisch Gladbach/Köln, Frankfurt und Leipzig stattfinden, mit dem Ziel der Bildung "starker Trainingsgruppen", die sich auf der Grundlage eines gesunden Konkurrenzdenkens gegenseitig unterstützen sollen. Soweit es meine Zeit erlaubt, werde ich in meiner Funktion als neutrale Teamchefin ohne eigene Trainingsgruppe im Rahmen der dezentralen Lehrgangsmaßnahmen als auch gezielt im Rahmen des Heimtrainings trainingsmethodische Unterstützung geben. Dabei kann ich Dank meiner auch weiterhin bestehenden beruflichen Anbindung an den Olympiastützpunkt Frankfurt- Rhein-Main auch gezielt auf trainingsbegleitende wissenschaftliche Maßnahmen zurückgreifen. Mit tatkräftiger Unterstützung der Abteilung Olympischer Spitzensport des DTB sowie des Vizepräsidenten wird außerdem beabsichtigt, die Rahmenbedingungen, insbesondere die Koordination von Schule und Training, an den oben genannten Stützpunkten dahingehend zu optimieren, dass eine hochgradige Konzentration auf das Training möglich wird und Turnerinnen einen Wechsel des Trainingsortes eigens aus Überzeugung vollziehen. Zusätzlich werden wir in diesem Jahr zwei zentrale Lehrgänge sowie die Endvorbereitung für die WM im Bundesleistungszentrum in Frankfurt durchführen, wo vor allem eine optimale medizinische und trainingswissenschaftliche Versorgung durch das Sportmedizinische Institut sowie den OSP Frankfurt-Rhein-Main gewährleistet ist.

Als wesentlich inhaltliche Eckpunkte unserer Konzeption sind 

im ersten Schritt:
- die Intensivierung und qualitative Verbesserung des Krafttrainings,
- die Erhöhung des Trainingsumfangs am Trampolin,
- die Optimierung der sportmedizinische Fürsorge, bei gleichzeitiger Einleitung von physiologischen und pädagogischen Maßnahmen zur Erhöhung der physischen und psychischen Widerstandsfähigkeit (Das Motto lautet: "Hegen und pflegen ohne zu verwöhnen!") zu nennen.
In einem zweiten Schritt 
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wird die Verbesserung und Intensivierung der gymnastischen Ausbildung angestrebt. Dies setzt jedoch die Erhöhung des Gesamttrainingsumfangs sowie den Einsatz zusätzlicher Fachkräfte voraus. 

Zum Thema Teamarbeit:   "Wir sitzen alle in einem Boot!"

Es wird meine Hauptaufgabe sein, die beteiligten Trainer "an einen Tisch" zu holen. Ich denke, dass in der Vergangenheit viele Konflikte aufgrund fehlender Kommunikation zwischen allen Beteiligten zustande gekommen sind. Ich werde mich also bemühen, die Kommunikationswege in alle Richtungen zu öffnen. Auf jeden Fall müssen wir endlich begreifen, dass wir alle "in einem Boot" sitzen und nur auf der Basis einer kollegialen Zusammenarbeit Erfolge erzielen können, die uns letztlich das fehlende Selbstvertrauen und das Ansehen unserer Sportart in der Öffentlichkeit zurückbringen können. Nur mit einem eingeschworenen Team werden wir unsere Konzeption realisieren können. Diesen Weitblick erwarte ich von allen Beteiligten. 

Zum Thema WM Gent: 

Das Abschneiden bei der WM in diesem Jahr stellt ein wichtiges Zwischenergebnis auf dem Weg nach Athen dar. Primäres Ziel wird sein - im Gegensatz zu 1997 - überhaupt ein Team nach Gent zu entsenden. Uns stehen derzeit 9 potentielle WM-Kandidatinnen zur Verfügung, wobei der bereits bekannte Nationalmannschaftskreis in diesem Jahr durch Daria Bijak aus dem Juniorenbereich eine deutliche Verstärkung erfährt. 
Darüber hinaus werden 6 weitere Turnerinnen der Jahrgänge 84 und 85 gefördert, mit dem Ziel in diesem Jahr erstmals den Anschluss an die Nationalmannschaft zu erreichen. Demzufolge werden wir kein grundsätzlich neu formiertes Team, aber - wie ich hoffe - ein Team in Gent sehen, dass auch nach außen hin seine Entschlossenheit aus dem Tief herauszuwollen dokumentieren wird."

Petra Theiss / Januar 2001

(....ausführlich äussert sich Dr.Petra Theiss auch im LEON*-Magazin 1/2001, Ausgabe 15.Februar 01)

(Lesen Sie zur "Startsituation 2001Deutsches Männerturnen" die DTB-Info 3/2001)

 

  
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- im Probelauf-
- ehe -
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