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Aus
Madrid:

Sonja Schmeißer |
Russische
Dominanz - Bulgarinnen holen auf
Zwei Ergebnisse galten unter
Experten und Fans vor der WM so sicher wie das Amen in der
Kirche:
Der Einzelsieg Alina Kabajewas und der Mannschaftstitel für
Russland. Letzteres ist heute schon verwirklicht worden, und mit
welcher Klasse! Das Wort von dem Turnen in einer anderen Liga
trifft auf die Russinnen zu; sie sind im Team derzeit nicht zu
bezwingen. |
Eine sehr konzentrierte
und fast vorsichtig agierende Alina Kabajewa
sah man am Nachmittag – und nicht sie, sondern Konkurrentin Irina
Tschaschina turnte die beste Keulenübung. Ein traumhaft schöner
Tanz nach spanischer Gitarrenmusik, das spanische Publikum war restlos
begeistert. Auch mit dem Seil präsentierte sich Tschaschina am Abend
top – nicht so Kabajewa, die mit Sprechchören begrüßt wurde und
wieder einmal Nerven zeigte.
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Dream Team
Russland
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Ein grober Patzer mit dem Seil, dem mehrere
kleine Unsicherheiten folgten, trotzdem erhielt sie noch die höhere
Note... Sie bleibt die Top-Favoritin für das Mehrkampffinale. Und
sie steht wie Tschaschina, Jerofejewa, Bessonowa, Tkatschenko und Peitschewa je viermal am Sonntag in allen vier Gerätfinals – die
Creme de la Creme unter sich...
Auf
den Medaillenrängen gab es bis zum Ende ein Wechselspiel
zwischen Weißrussland, der Ukraine und Bulgarien. Schließlich zeigten
Tamara Jerofejewa und Anna Bessonowa, was sie wirklich können und
brachten die Ukraine auf Rang 2. Ein Highlight des Abends war zweifellos
die traumhaft zelebrierte Ballübung von Jerofejewa. Weißrussland wurde
zwar „noch“ Dritter, aber die Bulgaren auf Rang 4 sind schon ganz
nah...
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Die
Bulgarinnen haben in dieser Saison eine rasante Aufholjagd in
Richtung Weltspitze gestartet – so als wollten sie die Meriten
vergangener Zeiten wieder aufleben und die relative Ruhe der letzten
Jahre vergessen lassen... Die einst dominierende RSG-Nation hat mit
Naidenova, Paissieva (der jüngsten WM-Teilnehmerin!) und vor allem
Peycheva in Madrid ein Team am Start, das nach den Russinnen die meiste
Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Wie
beim Berlin World Cup im September, als sie vom Publikum zur
„Miss Turnier“ gewählt worden war, so ist es auch in der
Messehalle 9 in Madrid: Simona Peitschewa
erscheint, und noch ehe
sie ihre Übung beginnt, will der Beifall kein Ende nehmen.
Diesen Sympathiebonus vermögen derzeit nur noch Alina Kabajewa
oder einheimische Gymnastinnen zu übertreffen.
Die spanischen Gastgeberinnen, umgeben vom nahezu ohrenbetäubenden
Beifallsbekundungen hunderter begeisterter Teenies in der Halle,
mussten die zusätzliche Disziplin des Kuscheltier-Einsammelns
ausüben. Sie bestätigten ihre Leistung der WM 1999 und wurden
wieder Fünfte. |

Lautstark:
Spanische Fans
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Olga
hielt sich tapfer, aber...
Olga
Lukjanov musste mit ihrer Seilübung den zweiten Wettkampftag der WM eröffnen,
und sie blieb ruhig und meisterte ihre dritte Übung gut: „Das
Mehrkampffinale der besten 30 ist mein Ziel,“ so die 14jährige vor
dem Wettkampf.
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Trainerin
Vera Silajewa, die im Vorjahr noch die Russin Julia Barsukowa
zum Olympiasieg geführt hatte, war nicht unzufrieden mit Olgas
Leistungen: „Sie hat sich gestern gut präsentiert, im
Keulendurchgang die viertbeste Übung gezeigt; wenn sie heute
gut durchturnt, ist mehr drin als der bisherige 21. Platz.“
Sie turnte gut durch, und es wurde der 24. Platz, mit dem sie
nun morgen ins Mehrkampffinale einzieht.
Auch wenn die akute Entscheidung, lieber keine Mannschaft zu
schicken, nachvollziehbar sein mag: Es ist natürlich ein
Armutszeugnis für einen Verband, der noch bei den Olympischen
Spielen so gut in der Weltspitze vertreten war.
Niveau
in der Breite nicht gestiegen
Offensichtlich steht Deutschland aber nicht allein vor solchen
Problemen: In Madrid waren 29 Mannschaften am Start, gegenüber
38 in Osaka 1999! Selbst gestandene RSG-Verbände wie Polen (9.
in Osaka), Ungarn (13.) oder Finnland (15.) sind in Madrid nur
mit Einzelgymnastinnen vertreten.
<< Olga Lukjanov (24.)
(Deutschland)
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Das
eigentlich Interessante an einer WM-Qualifikation ist aber
gerade die Ländervielfalt und die Entwicklung jener Aktiven, die man
nur aller zwei Jahre sieht – beispielsweise der Gymnastinnen aus
Malaysia, Korea oder den Kapverden. Es mag verschiedene Gründe haben,
unter anderem die aus Sicherheitsbedenken getroffenen Absagen oder das
generelle Fernbleiben mehrerer Länder, dass die Vielfalt bei dieser WM
nicht so groß ist. Um nur einige Beispiel zu nennen: Es fehlen u.a.
Japan, die USA, Mexiko, Kuba (Absagen), Ägypten, Venezuela oder auch
die Türkei.
Außer vielleicht in Ansätzen bei den Vertreterinnen aus Asien (China rückt
von Platz 12 1999 auf Rang 9, Zhong, Ling
ist 16. der Qualifikation -
Olympia 2008 lässt grüßen) ist auch das sportliche Niveau in den
„Basis-Ländern“ unterhalb der führenden RSG-Länder nicht
unbedingt besser geworden. Dies hat nun wiederum einen Hauptgrund: Das gültige
Reglement, das in dieser Form hier hoffentlich zum letzten mal greift.
Freuen
wir uns mit dem Publikum in Madrid zunächst auf das kommende
Mehrkampffinale und schauen mal, ob sich das erste Amen in der Kirche
auch erfüllt...
(Sonja
Schmeißer (Text) und Dirk Zimmermann (Fotos) aus Madrid)
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